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Marburg Marburg macht mit bei „Bürgermeister für den Frieden“
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07:56 06.08.2020
Der Atombombenabwurf der USA auf Hiroshima erfolgte am 6. August 1945. Quelle: dpa/Archiv
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Marburg

Es ist genau 75 Jahre her, dass die Welt mit einem Mal in das Atombomben-Zeitalter hineinkatapultiert wurde. Was sich am Morgen des 6. August 1945 über der japanischen Hafenstadt Hiroshima abspielte, hat sich in das kollektive Gedächtnis der Menschheit unverrückbar eingebrannt.

Wenige Monate nach der Kapitulation von Hitlers Nazi-Deutschland war der Zweite Weltkrieg zwar schon in Europa beendet, aber noch nicht an der pazifischen Front, wo sich immer noch die USA und Japan gegenüberstanden.

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Dann erfolgte aber der erste Atombombenabwurf der Geschichte über einer bewohnten Stadt – mit einer verheerenden Wirkung. Gegen 8.15 Uhr an dem warmen Sommermorgen wurde aus zehn Kilometern Höhe die tödliche Ladung von der Besatzung des US-Bombers „Enola Gay“ abgeworfen.

Beobachter von außerhalb Hiroshimas sahen einen gleißenden Lichtblitz und eine riesige atomare Pilzwolke aus atomaren Teilchen, Staub und Gebäudetrümmern, die dann als radioaktiver Fallout auf die Erde kamen.

„Bilder, die im Kopf sind und bleiben“

80.000 Bewohner der japanischen Großstadt waren sofort tot, Zehntausende weiterer Einwohner von Hiroshima starben in den darauffolgenden Monaten an den durch die atomare Strahlung verursachten Spätfolgen. Unter den Überlebenden gab es zahlreiche Strahlenkrankheiten. Die vorher blühende Stadt war durch eine Zerstörung aller Gebäude in einem Umkreis von mehreren Kilometern binnen Sekunden in eine Trümmerwüste verwandelt worden.

„Das sind Bilder, die im Kopf sind und bleiben“, sagte der Marburger Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) auf Anfrage der OP. „Eine Vielzahl von Menschen kam in der Folge des Atombombenabwurfs ums Leben. Das war ein trauriges und schreckliches Ereignis für die Menschheit“.

Drei Tage später, am 9. August 1945, erfolgte ein weiterer Atombombenabwurf durch die amerikanischen Streitkräfte: Dadurch starben in der japanischen Stadt Nagasaki 60.000 Einwohner. Es war der bislang letzte Atombombeneinsatz in einem Krieg. Erst nach dem Abwurf der zweiten Bombe erfolgte dann die endgültige Kapitulation Japans durch den japanischen Kaiser.

Das Stadtzentrum von Hiroshima nach dem Atombombenabwurf am 6. August 1945. Quelle: Archiv dpa/Kriegsmuseum Hiroshima

Am 75. Jahrestags des Atombombenwurfs sei es wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, dass so etwas nie wieder passieren soll, sagt Stötzel. Aus Anlass dieses Ereignisses wird am Marburger Rathaus am 6. August 2020 den ganzen Tag eine grüne Flagge gehisst. Sie wird durch eine stilisierte Friedenstaube und den Schriftzug „Peace“ verziert und ist ein Abzeichen eines speziellen Städtebundes der „Mayors for Peace“ (Bürgermeister für den Frieden).

Diese Organisation war 1982 von dem damaligen Bürgermeister von Hiroshima, Takeshi Araki, ins Leben gerufen worden. Die internationale Organisation von Städten hat sich der Friedensarbeit, insbesondere der atomaren Abrüstung, verschrieben.

7.800 Städte weltweit machen mit

Aus der grundsätzlichen Überlegung heraus, dass Bürgermeister für die Sicherheit und das Leben ihrer Bürger verantwortlich sind, versuchen die „Mayors for Peace“ seitdem Einfluss auf die weltweite Verbreitung von Atomwaffen zu nehmen und diese zu verhindern. Ausgehend von Japan haben sich seit der Begründung weltweit 7.800 Mitgliedsstädte in 162 Ländern der Organisation angeschlossen. Allein in Deutschland gehören mittlerweile 600 Städte zu dem Städtebund, zu den Gründungsmitgliedern gehört die Stadt Hannover.

Relativ spät erfolgte der Beitritt Marburgs. Seit einem Beschluss des Marburger Stadtparlaments im Februar 2019 gehört nun also auch Marburg zu der Organisation „Mayors for Peace“. Im Gespräch mit der OP erläuterte Bürgermeister Stötzel, wieso es so wichtig sei, dass sich die Städte auf der ganzen Welt zusammengeschlossen haben: „Die Städte trifft es als erste, wenn eine Atombombe fällt“. Denn dort träfe die verheerende Wirkung einer Atombombe viele Menschen zugleich, die dort auf engstem Raum leben.

Mahngang startet um 18 Uhr

In diesem Jahr wird also nun zum zweiten Mal die Flagge der „Mayors for Peace“ zum Gedenken an die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki gehisst. In anderen deutschen Mitgliedsstädten der „Mayors for Peace“ finden zum 75. Jahrestag teilweise auch größere städtische Erinnerungs-Veranstaltungen statt. Das ist in diesem Jahr in Marburg zwar nicht der Fall, wie der Bürgermeister auf OP-Anfrage erläuterte. Stötzel schloss aber nicht aus, dass es zu weiteren Gedenktagen dieser Art künftig mehr städtische Veranstaltungen geben könne.

In Marburg finden aber seit Jahren auch unabhängig davon vielfältige Veranstaltungen zur Erinnerung an die Ereignisse in Hiroshima und Nagasaki statt, wie beispielsweise ein „Fest der 1.000 Lichter“ an der Lutherischen Pfarrkirche zum 65. Jahrestag. Auch zahlreiche Friedensgruppen haben immer wieder Aktionen gegen das Vergessen organisiert. Zudem plant die Marburger Gruppe „Atomkraft, nein danke“ am 8. August ab 18 Uhr (Start: Elisabeth-Blochmann-Platz) einen Mahngang durch die Stadt.

In jedem Fall sei die Haltung der Stadt Marburg aber in diesem Fall eindeutig. „Wir wollen keine Atomwaffen und keine Kriege und rufen zum Verzicht auf die Verwendung sowie zum Verbot von atomaren Waffen auf“, sagt der Bürgermeister als Stadt-Repräsentant.

Von Manfred Hitzeroth