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Marburg Frau geht in „Romeo-Falle“
Marburg Frau geht in „Romeo-Falle“
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22:19 11.10.2019
Die Angeklagte musste sich vor dem Amtsgericht Marburg verantworten. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Es habe sie viel Überredungskünste gekostet, berichtete Verteidigerin Nadine Nitz, bis ihrer Mandantin klar geworden sei, dass die sich gesetzeswidrig verhalten habe. Sie sei ganz einfach in eine „Romeo-Falle“ gegangen. Man habe sich über das Internet kennengelernt, berichtete die Anwältin im Namen ihrer Mandantin.

Diese habe dann unter Vorspiegelung falscher Angaben dem Mann ihr Bankkonto zur Verfügung gestellt, wo dieser über Ebay angebotene Waren sich habe vorab bezahlen lassen, die er aber gar nicht besaß. Die Angeklagte hatte dann gutgläubig die Geldbeträge ins Ausland transferiert.

Insgesamt sei so in sieben Fällen ein Schaden von zusammengenommen 750 Euro entstanden. Dieses Geld habe sie dabei und könne es den Geschädigten zurückgeben, gab die Angeklagte ihre Gesetzesverstöße zu. Bei ihren Einlassungen wurde sichtbar, wie peinlich ihr das Ganze war. Letztlich berichtete sie zögerlich, selbst am meisten geschädigt worden zu sein. Sie habe dem Unbekannten mehr als 50.000 Euro ihrer Ersparnisse überwiesen.

Dieses Verfahren hätte die in Marburg lebende Witwe vermeiden können, bekundete auch die Staatsanwältin, war im Vorfeld der Verhandlung jedoch nur auf Unverständnis bei der Angeklagten gestoßen. So habe sie das Konto sperren lassen und Anklage erheben müssen.

Mit der Einsicht, Straftaten begangen zu haben und der Bereitschaft, den Geschädigten ihr Geld zu ersetzen, könne man die Anklage fallen lassen. Dem schloss sich auch Richterin Melanie Becker an und wird, wenn die Gelder binnen eines Monats ersetzt werden, das Strafverfahren endgültig einstellen.

von Heinz-Dieter Henkel