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Marburg Zwei Demos, zwei Meinungen
Marburg Zwei Demos, zwei Meinungen
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20:59 09.01.2022
In Marburg fanden am Samstag zwei Demonstrationen statt: eine von Corona-Gegner, eine fürmehr Solidarität im Umgang mit der Pandemie.
In Marburg fanden am Samstag zwei Demonstrationen statt: eine von Corona-Gegner, eine fürmehr Solidarität im Umgang mit der Pandemie. Quelle: Fotos: Tobias Hirsch
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Marburg

Zwei zeitgleich stattfindende Demonstrationen legten am Samstagnachmittag ab etwa 14.30 Uhr große Teile der Marburger Innenstadt lahm. Sowohl in der Südstadt als auch in der Nordstadt kam es zu Verkehrsbehinderungen. Eine Gruppe demonstrierte für eine „freie Impfentscheidung“. Die andere forderte einen „solidarischen Umgang mit der Pandemie“. Die Routen wurden von der Stadtverwaltung so gewählt, dass sich die Demonstrationszüge nicht begegneten – trotzdem wurden beide von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet. Beide Demonstrationen verliefen friedlich.

In der Südstadt versammelten sich nach Angaben der Polizei rund 280 Menschen unter dem Motto „Für eine freie Impfentscheidung“ auf dem Parkplatz des Georg-Gaßmann-Stadions. Viele schwenkten Transparente. Einige hatten auch Trommeln mitgebracht, um lautstark auf sich und die eigenen Forderungen aufmerksam zu machen.

Mit einem massiven Aufgebot begleiteten Polizeibeamte beide Demonstrationszüge. Hier die „Freien Impfentscheider“ in der Südstadt. Quelle: Tobias Hirsch

180 Gegendemonstrantenin der Nordstadt

Begleitet wurde der Demonstrationszug, der durch die Leopold-Lucas-Straße, die Schwanallee, die Wilhelm- und Universitätsstraße, durchs Südviertel bis zur Frankfurter Straße und wieder zurück zum Stadion führte, von insgesamt zehn Streifenwagen, zwei Polizeimotorrädern und zahlreichen Polizeibeamten.

Bei Zwischenkundgebungen, beispielsweise am Gesundheitsamt und auf dem Friedrichsplatz, bemängelten die Redner unter anderem eine Sinnhaftigkeit von PCR-Tests und kritisierten eine Diskriminierung von Ungeimpften sowie die Überlegungen der Politik zu einem gesetzlichen Impfzwang.

In der Nordstadt beteiligten sich rund 180 Menschen an einer Gegendemonstration „Für einen solidarischen Umgang mit der Pandemie“. Vom Hauptbahnhof aus zogen die Teilnehmer der Gegendemonstration durch die Bahnhof-, Elisabeth-, Deutschhaus- und Biegenstraße über die Weidenhäuser Brücke. Auch sie wurden von zahlreichen Beamten der Bereitschaftspolizei begleitet. Am Elisabeth-Blochmann-Platz fand eine Abschlusskundgebung statt. „Die Gefahr durch Covid-19 wird verharmlost und geleugnet, wohingegen die Schutzmaßnahmen geradezu verteufelt werden. Impfungen und Masken werden auf komplett unwissenschaftlicher Basis als gefährlich und unterdrückend dargestellt“, so Elisa Drexler, Pressesprecherin des Alerta Kollektivs. Den Teilnehmern der Gegendemonstration ging es allerdings nicht nur um Corona: „Wir kritisieren ein Wirtschaftssystem, in dem Reiche immer reicher und Arme immer ärmer werden. Und auch wir kritisieren ein Gesundheitssystem, in dem das Personal nicht wertgeschätzt wird und Gesundheit zur Ware wird. Doch all das tun wir auf einer faktenbasierten Grundlage und in ganz klarer Abgrenzung zu rechten und populistischen Gruppen. Es gibt Gründe, unzufrieden zu sein, und Corona ist eine Krise, die die Unterschiede unserer Gesellschaft noch sichtbarer macht“, sagt Lara Ahlers von Fridays for Future Marburg.

Insgesamt rund 500 Menschen haben am Samstag in Marburg demonstriert. Die einen setzten sich für eine freie Impfentscheidung ein. Die anderen forderten einen solidarischen Umgang mit der Pandemie. 

Eine Anzeige wegen einer Ordnungswidrigkeit

Nach Angaben der Polizei verliefen beide Demonstrationen friedlich. Bei einem Teilnehmer der Demonstration „Für eine freie Impfentscheidung“ musste die Polizei eine Ordnungswidrigkeitsanzeige einleiten. Der Mann hatte sich trotz mehrfacher Aufforderung durch die Polizeibeamten geweigert, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Von Tobias Hirsch

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