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Marburg 3U Holding verkauft Gelände an Sparkasse
Marburg 3U Holding verkauft Gelände an Sparkasse
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15:35 14.08.2019
Quelle: Die Sparkassenverwaltung in der Hauptstelle an der Universitätsstraße soll in die Frauenbergstraße umziehen. Das Beratungs- und Servicecenter bleibt erhalten. Foto: Thorsten Richter
Marburg

„Das Gebäude der Hauptstelle der Sparkasse Marburg-Biedenkopf in der Universitätsstraße 10 in Marburg ist den bestehenden und künftigen Herausforderungen nicht mehr gewachsen“, heißt es in einer Mitteilung der Sparkasse Marburg-Biedenkopf.

Deshalb habe die Sparkasse in den vergangenen Monaten Gespräche geführt, um ein geeignetes Grundstück für den Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes zu finden.

Dieses Gelände ist nun gefunden: Es ist das Gelände, auf dem derzeit noch die börsennotierte 3U Holding AG residiert. Gestern wurde nun der Mietvertrag unterzeichnet und notariell beurkundet. Das Areal ist von seiner Lage und Größe her sehr gut geeignet und biete „gute Entwicklungsmöglichkeiten für unsere Sparkasse“, hieß es in einer Mitteilung des Geldinstituts.

Angedacht sei nicht allein ein Verwaltungsgebäude, sondern die Verbindung von „Arbeiten“ und „Wohnen“. Die Stadt Marburg strebt ohnehin an, in dem Gebiet zwischen Cappeler Straße und Temmlerstraße ein Mischgebiet zu entwickeln und hier auch Wohnungen anzusiedeln.
Wann mit dem Umzug zu rechnen ist, konnte Sparkassen-Sprecher Michael Frantz gestern noch nicht sagen.

Am bisherigen Sparkassen-Standort in der Universitätsstraße 10 wird weiterhin das ­Beratungs-Center bleiben. „Für Kunden ändert sich nichts“, so heißt es in der Sparkassen-Mitteilung.

3U-Mutter nutzt Geldregen 
für Tochter „weclapp“

Die 3U Holding AG will durch den Verkauf des Firmengeländes nach eigener Aussage „den finanziellen Spielraum erweitern“. Das im Zuge einer neuen Wachstumsstrategie: Nutznießer ist dabei 3U-Tochter „weclapp“ – Anbieter von cloudbasierter Unternehmenssoftware – auf die sich der Konzern derzeit verstärkt konzentriert.

Auch der Börsengang der mittlerweile zur SE verschmolzenen Tochter ist schon länger im Gespräch. Die Mittel aus dem Verkauf des Firmensitzes sollen nun für den Zukauf von Software-Firmen für das Tochterunternehmen verwandt werden, mit denen bereits Gespräche laufen würden. „Wir konzentrieren uns auf Wachstumsbereiche, die Akzeptanz für weclapp am Markt wächst, und die Tochtergesellschaft ist ertragsstark“, teilt ­Unternehmenssprecher Dr. Joachim Fleïng auf Nachfrage mit.

Das Unternehmen erwartet aus dem Verkauf nach Ablösung von Verbindlichkeiten aus Darlehen einen Nettomittelzufluss in Höhe von rund 9,7 Millionen Euro.

Andere Branchen des Konzerns – darunter Telefonie und Erneuerbare Energie – sollen indes weiter zum Kerngeschäft gehören. Die Ausrichtung ist jedoch klar: „Der Fokus geht auf Cloud Computing und Onlinehandel“, sagt Fleïng. Demnach werde auch die Tochter „Selfio“ im Onlinehandel-Bereich weiter aufgebaut.

Sofort ausziehen wird das Unternehmen mit den rund 100 Mitarbeitern am Standort in der Frauenbergstraße jedoch nicht – das Gebäude wird laut Kaufvertrag vorerst von der Sparkasse als neuen Eigentümer angemietet, für maximal fünf Jahre.

Ein zwischenzeitlicher Umzug sei jedoch geplant, das Unternehmen suche nach neuen Räumen – eine Bürofläche von 2 000 Quadratmetern sei nötig – und das an einem „möglichst nahe gelegenen, geeigneten Standort in der Region“, teilt das Unternehmen mit. Wohin die Reise gehen könnte, da ist die Holding noch vorsichtig: „Der Firmensitz Marburg bleibt fürs Erste erhalten“, sagt Fleïng.

Der Verkauf führe außerdem dazu, dass die Ende Februar abgegebene Ergebnisprognose für den Konzern „voraussichtlich deutlich übertroffen wird“. Unverändert erwarte der Vorstand einen Konzernumsatz von 51 bis 55 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern wird auf zehn bis zwölf Millionen Euro geschätzt – die bisherige Prognose ging von sieben bis neun Millionen Euro aus. Das führe zu einem Konzernergebnis von voraussichtlich zwischen vier und fünf Millionen Euro. Die bisherige Prognose lag zwischen einer und zwei Millionen.

von Till Conrad
 und Ina Tannert