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Marburg 350 Menschen gehen nicht ins Kreishaus
Marburg 350 Menschen gehen nicht ins Kreishaus
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16:58 24.01.2021
Miriam Prüßner ist mit Kater Silas ganz glücklich im Homeoffice.
Miriam Prüßner ist mit Kater Silas ganz glücklich im Homeoffice. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Marburg

Homeoffice und Homeschooling bleiben zwei Komponenten im verlängerten Lockdown. „Wenn keine zwingenden betrieblichen Gründe dagegen sprechen, müssen Arbeitgeber ihren Beschäftigten Homeoffice anbieten.“ Das sagte aktuell zur Lockdown-Verlängerung Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. Die Regelung ist nun bis zum 15. März befristet. Allerdings müssen Beschäftigte dieses Angebot nicht zwingend annehmen. Homeoffice ist indessen in vielen Büros kein Neuland mehr. „Wir haben schon längst reagiert und alles dafür getan, auch Arbeiten ins Homeoffice zu verlagern“, sagt beispielsweise Wetters Bürgermeister Kai-Uwe Spanka. Dafür wurden auch eigens Laptops angeschafft und mit den Programmen bespielt, die notwendig sind, um überhaupt zu Hause die Arbeit ausführen zu können. Die infrage kommenden Mitarbeiter arbeiten im Wechsel von zu Hause aus und im Rathaus. In die genaue Organisation hängt sich der Bürgermeister nicht rein. Er vertraut seinen Mitarbeitern und wurde auch nicht enttäuscht.

Auch im Kreishaus wurde reagiert. Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow sagt: „Wir haben im vergangenen Jahr schnell und offensiv die technischen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen erweitert, so dass rund 50 Prozent der Mitarbeitenden im Homeoffice arbeiten können. Davon machen viele Kolleginnen und Kollegen Gebrauch, zum Teil die ganze Woche, zum Teil in kombinierten Lösungen an einzelnen Tagen. So gelingt es uns, dass rund 350 Personen täglich nicht den Weg zum Arbeitsplatz antreten müssen und in ihren eigenen vier Wänden arbeiten können.“

Erfahrung: Klassen kommen digital langsamer voran

Und was ist mit der Arbeitsleistung? Zachow sagt: „Wir haben damit bislang sehr gute Erfahrungen gemacht. Erforderlicher Austausch innerhalb der Organisationseinheiten erfolgt jetzt oft über Telefon- oder Videokonferenzen. Durch die Terminvergabe können auch weiterhin notwendige direkte Kundenkontakte in der Verwaltung gewährleistet werden. Wir appellieren deswegen, dass auch in der heimischen Wirtschaft – jedenfalls soweit es Bürotätigkeiten und nicht die Produktion betrifft – so viel Homeoffice wie möglich umgesetzt wird. Das muss aber mit Augenmaß erfolgen und funktioniert nicht immer von jetzt auf gleich.“

Homeschooling ab Klasse 7 geht also auch in die Verlängerung. Was gibt es dazu Neues? Die digitalen Abläufe werden von Tag zu Tag besser, sagen Lehrerinnen und Lehrer. Von „ganz perfekt“ mag aber noch keiner sprechen. Schüler sprechen immerhin mittlerweile von einer gewissen Routine und Verlässlichkeit.

Video- und Audio-Konferenzen laufen definitiv störungsfreier. Über das Open-Source-Webkonferenzsystem „Big Blue Button“ haben Lehrer digital ihre gesamte Klasse an Bord. Es bleibt dennoch schwierig, zu erkennen, ob alle Schüler dem Stoff folgen beziehungsweise auch folgen können. Eine Hilfe, den Wissensstand besser beurteilen zu können, ist es, die Klassen für Gruppenarbeiten in virtuell abgetrennte Räume aufzuteilen. So sind die Schülerinnen und Schüler gefordert, in vorgegebener Zeit Aufgaben zu bearbeiten, und können sich gegenseitig „mitnehmen“ und motivieren, sich mit dem Lernstoff auseinanderzusetzen. Die Erfahrungen zeigen aber, dass die Klassen langsamer mit dem Stoff vorankommen als bei einem Präsenzunterricht in der Schule.

Von Götz Schaub

24.01.2021
24.01.2021