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Marburg 350 Marburger demonstrieren gegen Burschenschaft
Marburg 350 Marburger demonstrieren gegen Burschenschaft
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08:00 08.11.2021
Rund 350 Menschen demonstrierten Samstagabend gegen die Burschenschaft Normannia zu Leipzig.
Rund 350 Menschen demonstrierten Samstagabend gegen die Burschenschaft Normannia zu Leipzig. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Am Samstag rief das Marburger Bündnis gegen Rechts zu einer Demonstration auf, die am Elisabeth-Blochmann-Platz starten sollte. Rund 200 Teilnehmer habe der Veranstalter angemeldet und darauf haben sich die Ordnungskräfte mit einer entsprechenden Zahl an Polizisten vorbereitet, erklärt Einsatzleiter Beitz. Schließlich wollen die Demonstrierenden vom Platz aus über die Weidenhäuser Brücke, die Untergasse, die Straße Am Plan bis zum Barfüßertor gehen, wo das Ziel der Veranstaltung, das Haus der Burschenschaft Normannia-Leipzig steht.

Kurz vor 18 Uhr, dem angekündigten Beginn der Demonstration, sieht es nicht nach der erwarteten Teilnehmerzahl aus. Man ist halt in der Universitätsstadt Marburg. Nachdem weitere Teilnehmer eintreffen, setzt sich der Zug unter Polizeibegleitung um 18.15 Uhr in Bewegung. „In der Spitze gingen 350 Menschen mit“, gibt Polizeisprecher Martin Ahlich am Sonntag eine Schätzung bekannt, und: „Bis auf die bei einer solchen Veranstaltung zu erwartenden Lautstärke blieb es ruhig.“

„All’ erta, all’ erta antifascista“ (aufgepasst Anitfaschist) und „siamo tutti antifascisti“ (wir sind alle Antifaschisten) sowie andere Parolen skandierend ziehen die Demonstranten durch die Straßen. An den Fenstern der oberen Geschosse beobachten Bewohnern der Häuser den Zug, einige von ihnen applaudieren. In der Straße Barfüßertor angekommen stoppt der Zug an den Absperrgittern, das Haus der Burschenschaft ist von der Polizei abgeschirmt. Der Platz für Ansprachen ist erreicht.

Fest verankerte Werte

Als Erster spricht Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. In Marburg sei kein Platz für Neonazis, Rassismus, Ausgrenzung und faschistisches Gedankengut. Es gebe Werte, die in dieser Stadt fest verankert sind, sagt Spies und meint an diesem Abend besonders die Haltung zu Flüchtlingen, insbesondere die, die sich auf den Seeweg übers Mittelmeer begeben und fordert, die EU müsse mit diesen Menschen auch an den Grenzen „anständig umgehen“. Marburg sei bereit, diese Menschen in Not aufzunehmen. „Wer diese Grundregeln infrage stelle, ist in Marburg nicht willkommen“, verdeutlicht Spies.

Nach seinem „macht keine Dummheiten“-Appell an die Demonstrierenden folgen weitere Reden von Vertretern des Marburger Bündnis gegen Rechts, Seebrücke, Seawatch und Asta, die sich im Kern gegen jegliche Art von Fremdenfeindlichkeit wenden. So wird gebrandmarkt, dass Flüchtlinge an den Ostgrenzen der EU aus derselben „herausgeprügelt“ werden, die Seenotrettung als solches dargestellt werde, aber kein Verbrechen ist und Marburg ein Nazi-Problem habe. Unter anderem ist damit die Burschenschaft Normannia zu Leipzig gemeint, die ohne Hilfe anderer Bünde nicht mehr existieren würde und dabei vom Staat unter dem Deckmantel der Brauchtumspflege steuerlich gefördert werde.

Anlass der Demonstration unter dem Motto „Das Problem heißt Rassismus! - Nazi-Villen dichtmachen! Grenzen öffnen!“ war ein Vortrag des Kapitäns des Schiffes „C-Star“ im Burschenschaftshaus. Mit der „C-Star“ versuchte die faschistische „Identitäre Bewegung“ 2017 vergeblich die Seenotrettung von Menschen auf dem Mittelmeer zu verhindern.

Von Gianfranco Fain

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