Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Spielsucht mit Unterschlagung finanziert
Marburg Spielsucht mit Unterschlagung finanziert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:03 13.01.2020
Um seine Spielsucht zu finanzieren, hat der Angestellte einer Spielothek sich am Geldwechsler in der Spielhalle bedient – und wurde nun wegen Unterschlagung verurteilt. Quelle: Uwe Zucchi/Symbolfoto
Anzeige
Marburg

Dass er bei seinem Job spielsüchtig werden würde, damit hatte ein 29-jähriger Mitarbeiter einer Spielothek nicht gerechnet. Am Mittwoch (8. Januar) musste er sich wegen Unterschlagung und Veruntreuung vor dem Amtsgericht verantworten. Ihm wurde zur Last gelegt, im Januar und Februar vergangenen Jahres in 14 Fällen insgesamt 10.760 Euro aus einem Geldwechsler entnommen zu haben.

Der Angeklagte aus Bürgeln zeigte sich geständig und erklärte, dass seine Spielsucht mit Aufnahme seines 450-Euro Jobs in der Spielothek begonnen habe. Insbesondere in und nach der Spätschicht habe er mit seiner Mitarbeiter-Chipkarte Geld aus dem Geldwechsler entwendet und damit an den Automaten gespielt.

Anzeige

Anfangs seien es noch Beträge im dreistelligen Bereich gewesen, die dann aber immer höher wurden. Bei der 14. und letzten Unterschlagung hatte er 2.000 Euro entnommen. Der größte Teil des entwendeten Geldes sei jedoch wieder in die Automaten geflossen, sagte der Angeklagte. Auf Nachfrage sagte er aus, nur einen geringen Teil für sich verwendet zu haben, weil er außer diesem Job, bei dem er mehr als die vereinbarten Stunden arbeiten musste, kein weiteres Einkommen hatte.

Seit wann der Angeklagte in der Spielothek arbeitete, diese Frage von Richterin Maja Schlenzig konnte der Inhaber der Spielothek nicht beantworten. Festgestellt wurde lediglich, dass das Arbeitsverhältnis spätestens endete, nachdem die Unterschlagung aufgefallen war. Dies geschah, als Ende Februar bei den eigentlich monatlichen Abrechnungen die Fehlbeträge festgestellt wurden. Diese konnten dem Angeklagten aufgrund seiner Arbeitszeit und Chipkarte zweifelsfrei zugeordnet werden, so der Arbeitgeber.

Auf einen weiteren geladenen Zeugen wurde verzichtet, weil der Angeklagte seine Taten unumwunden zugegeben hatte. Er wurde von Richterin Schlenzig mit sechs Monaten Gefängnis bestraft. Die Strafe wurde für drei Jahre auf Bewährung ausgesetzt, da der Mann zum ersten Mal straffällig geworden war. Des Weiteren wurde ihm die Rückzahlung der veruntreuten Summe von 10.760 Euro in Raten von jeweils 200 Euro auferlegt. Obwohl sich der Angeklagte aufgrund seiner Spielsucht für Glückspiele sperren ließ und mittlerweile eine Beschäftigung aufgenommen hat, die mit diesem Metier nichts zu tun hat, muss er sich zudem weiter einem bereits begonnenen sozialen Trainingskurs unterziehen.

von Elvira Rübeling