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Marburg 29-Jähriger wegen Messerangriff vor Gericht
Marburg 29-Jähriger wegen Messerangriff vor Gericht
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17:00 04.07.2021
Weil er betrunken einen Freund mit einem Teppichmesser angegriffen hatte, wurde ein 29-Jähriger aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf zu elf Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.
Weil er betrunken einen Freund mit einem Teppichmesser angegriffen hatte, wurde ein 29-Jähriger aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf zu elf Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Im Drogenrausch griff ein junger Mann vor über einem Jahr einen Mitbewohner an und versuchte, ihn mit einem Teppichmesser zu attackieren.

Der Grund: Er vermutete, der andere habe sein Handy gestohlen. Vor dem Marburger Amtsgericht hatte er sich unter anderem wegen Körperverletzung, Bedrohung und Freiheitsentzug zu verantworten, zeigte sich geständig – an die Attacke erinnern kann sich der 29-Jährige jedoch nicht.

Er lebte im April letzten Jahres gemeinsam mit dem Opfer in einer Unterkunft für Geflüchtete im Südkreis. Die Männer feierten am Tatabend gemeinsam mit anderen Bewohnern gerade das Osterfest, als der stark angetrunkene Angeklagte sein Handy vermisste und den Mitbewohner verdächtigte, das Mobiltelefon geklaut zu haben.

Als dieser dann mit einem weiteren Mann das Zimmer des Beschuldigten betrat, kam es zum Streit. Der 29-Jährige verschloss die Tür, laut Anklage, um die anderen am Verlassen des Raums zu hindern.

Sodann soll er nach einem Teppichmesser gegriffen haben, das er beruflich nutzt, und auf den Geschädigten losgegangen sein. Er drohte ihn umzubringen, stach laut Zeugenaussagen in Richtung Bauchbereich des anderen Mannes, der ausweichen konnte.

Während der folgenden Rangelei soll er dem Mitbewohner drei mal in Oberkörper und Arme gebissen haben. Der biss auch zurück, bevor er den Angreifer überwältigen und bis zum Eintreffen der alarmierten Polizei am Boden fixieren konnte, berichtete der Geschädigte während der Hauptverhandlung.

Er erlitt leichte Verletzungen, darunter Kratz- und Bissspuren. Das belegt der Arztbrief, der zudem dokumentiert, dass die Ermittler anfangs noch von einem versuchten Tötungsdelikt ausgingen.

Beide Männer kannten sich, waren früher Arbeitskollegen, hatten zuvor beide getrunken. Warum der Angeklagte ihn aber dermaßen massiv angegriffen habe, könne er sich nicht erklären, so der Zeuge.

Das weiß auch der Beschuldigte nicht, der vor dem Amtsgericht keine Angaben zu der Auseinandersetzung machte, durch seinen Verteidiger sein Geständnis übermitteln ließ: Die Anklage werde „nicht angezweifelt“, er wisse von dem Abend jedoch kaum noch etwas, „die Erinnerung reicht nicht aus, aber es ist wahrscheinlich richtig“, berichtete Rechtsanwalt Peter Thiel mit Blick auf die Anklageschrift.

Die Erinnerungslücken rührten vom Alkohol her, sein Mandant habe zum Fest viel getrunken und wohl auch gekifft, was zu dieser Zeit häufiger vorgekommen sei. Sein Mobiltelefon sei bis heute verschwunden, weshalb er den Bekannten des Diebstahls verdächtigte, wisse der Angeklagte ebenfalls nicht mehr, alles liege „im Alkohol- und vielleicht Marihuana-bedingten Nebel“.

Das sei wohl auch ein Grund für den Ausbruch, er sei jedoch kein gewalttätiger Mensch, „das ist nicht meine Art“, beteuerte der Angeklagte. Er war bis dato nicht vorbestraft, wolle das Gesetz einhalten und einfach arbeiten, bemühe sich zudem um eine Ausbildung. Nach der Tat habe er die Wohngemeinschaft verlassen, verzichte heute bewusst auf Suchtmittel, sei zudem bereit, zur Suchtberatung zu gehen, „er weiß, dass er das selber steuern kann“, betonte Thiel.

Der Verteidiger plädierte auf eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten unter Auflagen, die Staatsanwaltschaft forderte ein Jahr. Das Gericht verurteilte den Mann schlussendlich zu elf Monaten Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Darüber hinaus muss er als Auflage 1200 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.

Von Ina Tannert