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Marburg 250 Menschen zeigen Solidarität
Marburg 250 Menschen zeigen Solidarität
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19:07 01.05.2021
Zum Schluss der Kundgebung organisierte die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Marburg noch einen Demonstrationszug zum Friedrichsplatz. Foto: Tobias Hirsch
Zum Schluss der Kundgebung organisierte die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Marburg noch einen Demonstrationszug zum Friedrichsplatz.  Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Einmal mehr beschworen zum 1. Mai in Marburg bis zu 250 Menschen bei einer Kundgebung vor dem DGB-Haus in der Bahnhofstraße ihre uneingeschränkte Solidarität mit Menschen, die in prekären Arbeits- und Lebenssituationen sind, die ausgebeutet und über Gebühr von ihren Arbeitgebern belastet werden, ohne einen angemessenen Gegenwert zu erhalten. Einmal mehr wurde die Privatisierung des UKGM als Fehler herausgestellt, wurde auch bei Rekordgewinnen am Pharmastandort Marburg, wo es auch um Jobs geht, die „Gier“ der Reichen gebrandmarkt. Es gab einmal mehr kämpferische und entschlossene Reden zu hören, doch Stefan Sachs von der IG Metall Mittelhessen sprach auch davon, dass es durchaus mehr Unterstützer sein müssten, um den gewünschten Druck zu erzeugen. 3.500 Menschen wären schon eine andere Hausnummer. Nun, woher sollen die kommen?

In der bunten Schar der Demonstrierenden waren durchaus auch viele junge Menschen, aber die Fahnen, sofern sie eine politische Richtung anzeigten, blieben im rot-roten und, wenn man so will, im noch röteren Spektrum verhaftet. „Grün“ gab es augenscheinlich nicht zu sehen, von weiteren anderen Farben würde man es wohl auch gar nicht erwarten. Die SPD-Fahne hielten unter anderem Oberbürgermeister Thomas Spies, der ein Grußwort sprach, und Landrätin Kirsten Fründt, die per Audio-Botschaft grüßte, hoch. Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Sören Bartol zeigte sich wie auch Jan Schalauske, der für Die Linke im Landtag sitzt.

Ilona Kraft-Peil und Frank Eggers vom Betriebsrat des UKGM, und Franklin De Oliveira von CSL Behring als Mitglied der IG BCE monierten, dass die Arbeitgeber praktisch nur auf Gewinnmaximierung aus seien, dass Personal am UKGM über Gebühr belastet werde, dass Personal am Standort Behringwerke trotz Rekordgewinnen mit Arbeitsplatzverlust oder mit Outsourcing rechnen müsse. Und so wie in Marburg etwas gegen den Corona-Virus produziert werde, wachse auf demselben Gelände noch ein anderes Virus heran, das man „Gier“ nennt, so De Oliveira. Es gelte nun Flagge zu zeigen und entschieden, aber mit friedlichen Mitteln einen Druck zu erzeugen, Solidarität mit den Menschen zu zeigen, die diesen Staat am Laufen halten, dafür mehr geben als nehmen dürfen, die zu geringen Lohn erhalten, die als Patienten schlecht versorgt werden, weil es die Personalstärke nicht mehr anders zulässt. Dabei sei auch die Politik gefordert. Die vielleicht gut gemeinte, aber schlecht gemachte Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung, so Eggers, löse keine Probleme, weil sie zu viele Schlupflöcher offenbare.

Durch das Redner-Programm führte Anna Boulnois, die gleich bei der Begrüßung das Wort ausgab, das alles lösen soll: Solidarität. Pit Metz, DGB-Kreisvorsitzender Marburg-Biedenkopf, sprach nicht um den heißen Brei. Er sagte: „Wir werden es nicht hinnehmen, dass die private Profitmaximierung und uneingeschränkte Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel uns als Quasi-Naturgesetz verkauft wird.“ Und dann machte er eine Ansage: „Ihr Herren und Damen im Management und auf den Vorstandsetagen, Ich spreche euch direkt an: Wenn ihr so weiter macht wie ihr es angedroht habt, dann kann es sein, dass eure Stunde früher oder später schlagen wird. Dann werden wir alles daransetzen, dass ihr unter strenge öffentliche, staatliche Kontrolle gestellt werdet. […] Und wenn ihr dem nicht nachkommen solltet, dann werden wir alles daran setzen, dass ihr eure Patentrechte einbüßt, damit auch andere Firmen diese lebenswichtigen Medikamente produzieren. Wir werden euch eure Profit-Logik, die ihr wie religiöse Dogmen vertretet, schlicht und ergreifend einfach nicht mehr glauben. Und wenn ihr es dann immer noch nicht kapieren solltet, nehmen wir euch eure Eigentümerrechte einfach weg. Alles nach Recht und Gesetz entsprechend der grundgesetzlich festgeschriebenen Artikel.“

Nicht, dass jetzt jemand denkt, das sei ein Aufruf zur Gewalt. Das alles soll absolut friedlich passieren, ohne dass auch nur einem ein Haar gekrümmt wird, so Metz. Er sprach aber noch ein anderes Thema an. Verlierer der Corona-Krise seien beruflich gesehen einmal mehr besonders die Frauen: „Mit der Schließung von Kitas und Pflegeeinrichtungen wurden viele Frauen in ihren persönlichen und beruflichen Plänen ausgebremst. Sie haben notgedrungen die Betreuung übernommen, auf Kosten von Arbeit und Einkommen.“

Zum Schluss organisierte die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Marburg noch einen Demonstrationszug durch Marburg zum Friedrichsplatz. In Kurzreden erinnerten zuvor Mitglieder daran, dass die Jugend nicht für die „Krise“ bezahlen dürfe. Es habe schon so ein Minus bei den Ausbildungsplätzen gegeben und viele Studenten hätten Jobs verloren, mit denen sie sich ihr Auskommen sichern. Hingegen hätten sich die Reichen weiter bereichert, Rettungspakete erhalten und dabei Rekordgewinne erzielen wie etwa Daimler. Die SDAJ kämpft für ein Recht auf ein gutes Leben, für eine 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich.

von Götz Schaub

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