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Marburg 250 Menschen demonstrieren für die Wahrung des Grundgesetzes
Marburg 250 Menschen demonstrieren für die Wahrung des Grundgesetzes
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08:00 11.05.2020
Rund 250 Menschen protestierten am Samstag gegen die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Marburg

250 Menschen fanden sich am Samstag um 15.30 Uhr auf dem Marburger Marktplatz ein, um für das Grundgesetz zu demonstrieren. Der Mindestabstand bestand dabei nur in den ersten sitzenden Reihen, die, die weiter entfernt von den Rednern waren, nahmen es damit nicht mehr ganz genau.

Das war aber kein Grund für Aggressivität, im Gegenteil, es blieb alles friedlich. Sie waren gekommen, um eine weitere Veranstaltung von der Gruppierung „Nicht ohne uns“ live zu erleben, ihr Zuspruch und Applaus zu spenden. Dabei kamen Redner zu Wort, die durchaus unterschiedliche Botschaften aussendeten, wobei eine alle einte: Sie alle wollen mitdenkenden Menschen ein Forum bieten. Sie verstehen sich als Menschen, die in einer echten Demokratie friedlich miteinander leben wollen. Der Gegner sind nicht mehr linke oder rechte Gruppierungen, sondern die „verfassungsbrüchige Regierung“.

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Sie hören auf andere Experten als auf die, die immer im Fernsehen gezeigt werden und sagen, wie gefährlich Corona ist und der Lockdown alternativlos gewesen sei. Während sich bundesweit die einen Redner auf diesem Level der Gemeinsamkeit bewegen, gehen andere weiter und versuchen Gründe zu liefern, warum die Regierung den Corona-Lockdown gemacht hat, warum die ganze Welt plötzlich Corona-verrückt spielt.

Demo gegen die Corona-Maßnahmen.

In Marburg wollte Hermann Ploppa Antworten liefern, der als Verschwörungstheoretiker eine gewisse Bekanntheit hat. Und er stieg zunächst mit einem Fakt ein, den niemand aufgrund der vorliegenden Zahlen anders sehen, vielleicht nur anders interpretieren kann: Bezogen auf die Gesamtbevölkerung von 83 Millionen Menschen in Deutschland liegt die Zahl der mit Corona Infizierten und erst recht die Zahl der Gestorbenen in einem kaum messbaren Bereich, der aber ausreichend sein soll, allen Menschen im Land die Grundrechte einzuschränken. Ploppa sprach von einer Demütigung der Menschen.

Und er sprach von einer kleinen Elite, die alle Menschen manipulieren und ihren Einfluss gnadenlos ausbauen wolle, auch mit einer Impfpflicht. Covid 19 sei ein Mittel zum Zweck, die Menschen gefügig zu machen. Man habe mit dem Lockdown ausprobieren wollen, wie weit sich Menschen schon fügen, bevor sie aufbegehren.

Und dann leitete er über zu Geschichten, die Verschwörungstheoretiker schon vor Corona erzählten: „Die ganze Bevölkerung der Dritten Welt, der armen Länder, sind die Versuchskaninchen von Pfizer und GSK und Boehringer Ingelheim. Ich habe bei KEN FM einen Bericht geschrieben über diese ganzen Verwüstungen, die hier nicht bekannt sind. In Afrika, in Indien. Das ist unbeschreiblich. Und diese Leute, die so viele Menschen getötet haben mit ihren perversen Experimenten, das ist nämlich auch eine rassistische Abteilung. Herr Gates, [gemeint ist Bill Gates] ist ein Eugeniker und führt einfach die Tradition weiter der amerikanischen, rassistischen Oligarchie.“

Zum Thema Corona-Impfstoff sagt er, dass wohl Remdisivir als Heilmittel auserkoren werde. Was das bedeutet, umriss er so: „Der Corona-Impfstoff Remdisivir manipuliert unsere genetische Ausstattung. Sinn und Zweck dessen ist, wenn man mal den Superreichen lauscht, eine Form von Transhumanismus, also die Verschmelzung von Mensch und Maschine. Man könne dann den Gehirninhalt auf eine Festplatte bringen und dann in einen anderen Körper zurück und so weiter.“ Über die neue Mobilfunktechnik 5G könne man dann über Satellit flächendeckend jeden Ort und damit jeden Menschen auf der Welt observieren. Irgendwann werde der Mensch gesteuert.

Eine neue Debattenkultur eröffnen

Er sprach auch davon, dass viele westliche Staaten Millionen in die Suche nach einem Impfstoff pumpen, ohne Rechenschaft zu fordern, was mit dem Geld gemacht wird. Solche Staatsregierungen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Sein Resümee: „Wir haben jetzt verstanden, wer mit uns spielt. Wir sind jetzt zusammen und lassen uns nicht mehr spalten. Wir eröffnen eine neue Debattenkultur.“ Die soll geleitet sein von gegenseitigem Respekt, Liebe, Frieden und sozialer Gerechtigkeit. Jeder sei eingeladen, an der Ausgestaltung mitzuwirken.

Ein weiterer Redner war Björn Zimmermann. Er verwies darauf, dass es immer mehr Stimmen aus den Bereichen Wissenschaft und Medizin gebe, die den Lockdown als unverhältnismäßig kritisieren. Es werde immer deutlicher, dass es andere Möglichkeiten gegeben hätte als die „alternativlose Sicht der Dinge“ der Regierungen. „Ob links oder rechts spielt bei uns keine Rolle, wir sind Menschen mit einem Ziel, die Herstellung der Demokratie mit einer offenen und kritischen Diskussion. Die Argumente sind auf unserer Seite, aber wir sind gezwungen auf die Straße zu gehen, sonst hört uns keiner zu. Dabei wollen wir ehrlich bleiben, sonst sind wir nicht besser als die anderen.“ Des Weiteren sprachen auch Dr. Frank Michler und Irmgard Bergmann.

Zu Beginn der Veranstaltung gab es aber doch leisen Gegenwind in Form eines Handzettels. Linke Gruppen führten aus, warum es für sie keine Zusammenarbeit mit „Nicht ohne uns“ geben kann, auch wenn offenkundig Linke mit dabei seien. Sie monieren, dass sich Verschwörungsideologen und Antisemiten zusammenfinden, mit Ideen und Aussagen, die für Linke nicht zu tolerieren seien.

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Einen Kommentar zum diesem Artikel lesen Sie hier: Menschen nicht einfach als Spinner abtun

Von Götz Schaub

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