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Marburg 25 Jahre Ausländerbeirat Marburg
Marburg 25 Jahre Ausländerbeirat Marburg
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12:00 10.04.2019
Der ehemalige Vorsitzende Dr. Matin Baraki und die aktuelle Vorsitzende des Ausländerbeirats Goarik Gareyan-Petrosyan sprachen beim Jubiläum. Quelle: Melchior Bonacker
Marburg

Ein buntes Ensemble an Rednerinnen und Rednern beglückwünschte den Marburger Ausländerbeirat im Rathaussaal zu seinem Jubiläum. Der Tenor der Grußworte war jedoch immer derselbe: Auch nach einem Vierteljahrhundert braucht es den Ausländerbeirat noch. Enis Gülegen vom hessischen Dachverband, der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte, ging sogar so weit zu sagen: „Man müsste die Ausländerbeiräte heute neu erfinden, wenn es sie nicht bereits gäbe“. Allerdings sollten diese dann einen anderen Namen tragen, denn: „Wir sind wirklich ein bunter Haufen, nur eines sind wir nicht: Ausländer.“

Die wichtigste Aufgabe der Ausländerbeiräte ist für den ­türkischstämmigen Diplompädagogen die Bekämpfung des „aufkeimenden Rassismus“. Wie auch sein SPD-Parteigenosse Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies andeutete, dürfe man nicht hoffen, dass sich die AfD selbst vor den Wählern demaskieren werde. Gülegen sprach hier von einer „fatalen Fehlentscheidung“.

Spies: "Ihr seid wir – ohne Euch sind wir nicht komplett"

Der Oberbürgermeister fand neben den mahnenden jedoch vor allem lobende und versöhnliche Worte für das jubilierende Gremium: „Wir müssen die archaischen Impulse der Abgrenzung im Griff behalten. Ihr seid wir – ohne Euch sind wir nicht komplett“, appellierte Spies an die Anwesenden in Anlehnung an die Worte der neuseeländischen Ministerpräsidentin nach dem Attentat von Christchurch.

Bezüglich der Arbeit des Ausländerbeirats verdeutlichte der Oberbürgermeister: „Es wird uns nicht gelingen, den Blickwinkel der Betroffenen zu berücksichtigen, wenn sie diesen nicht an uns herantragen.“ Diesen Blickwinkel der Betroffenen von Migration würde man andernfalls sehr vermissen.

Stadtverordnetenvorsteherin Marianne Wölk (SPD) lobte den Beirat als „wichtigen Teil unserer Gesellschaft“, der sich „so aktiv um die Integration kümmert“. Sie sicherte mit ihren Glückwünschen dem Ausländerbeirat gleichzeitig die „größtmögliche Unterstützung im Namen der Stadtverordneten“ zu.

Diese Worte waren keineswegs selbstverständlich, wenn man einen Blick auf die 25-jährige Geschichte des Ausländerbeirats wirft: Zu Beginn hatte man schon bei der Anfrage nach einem eigenen Büro mit Problemen zu kämpfen, wie der ehemalige Vorsitzende Dr. Matin Baraki in seinem Redebeitrag erzählte.Mit dem Einzug in die ehemaligen Räume der Frauenbeauftragten über der Buchhandlung am Markt sei „die erste Etappe des Kampfes“ geschafft gewesen.

Ausländerbeirat hat nun auch Rederecht im Parlament

Mittlerweile verfügt der Ausländerbeirat über ein Büro im Rathaus und hat seit der Amtszeit des aktuellen Oberbürgermeisters auch ein Rederecht im Stadtparlament, wie die derzeitige Vorsitzende des Ausländerbeirats Goarik Gareyan-Petrosyan betonte. Dieses wird mittlerweile auch rege genutzt. Der Ausländerbeirat bringt sich in Marburg sichtbar ein: Die Aktion „Wir sind Marburg! Wir sind bunt!“, die gegen Populismus wirbt, und der „Tag der kulturellen Vielfalt“ am Tag der deutschen Einheit sind nur zwei Beispiele für die Arbeit eines Gremiums, das noch weitere „25, 50 oder 75 Jahre“ weiterarbeiten will – solange es gebraucht wird.

von Melchior Bonacker