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Marburg Michael Frowin schickt „Mutti“ in Rente
Marburg Michael Frowin schickt „Mutti“ in Rente
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18:00 14.09.2021
Der Kabarettist Michael Frowin ist als Kanzlerchauffeur ganz nah dran an „Mutti“ Angela Merkel. Er weiß alles über die scheidende Kanzlerin.
Der Kabarettist Michael Frowin ist als Kanzlerchauffeur ganz nah dran an „Mutti“ Angela Merkel. Er weiß alles über die scheidende Kanzlerin. Quelle: Uwe Badouin
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Marburg

Seit 2010 ist der 1969 in Marburg geborene Kabarettist Michael Frowin „der Kanzlerchauffeur“. Gefahren hat er in dieser Zeit ausschließlich Angela Merkel. Er weiß also besser als jeder andere, wie „Mutti“ tickt, welche Leichen in ihrem Keller liegen, wie sie über ihre Kolleginnen und Kollegen denkt.

Am Freitagabend (10. September) eröffnete Frowin im KFZ den inzwischen 23. Marburger Kabarettherbst mit seinem neuen Programm „Wegen Eröffnung geschlossen“. Es ist nach 16 Jahren Kanzlerschaft ein Abgesang auf „Mutti“. Aber glaubt man Frowin: Besser wird’s vermutlich nicht. Die Kandidaten: Olaf Scholz – „ein Mann mit der Leidenschaft eines langsamen Tauwetters“. Armin Laschet: „ein Politiker, der konservativ übersetzt mit: sich nicht so schnell von Fakten beeinflussen lassen.“

Und die Linken und die Grünen? „Die Grünen sind reiche Vermieter, die Linken frustrierte Mieter – das geht nicht zusammen.“ Doch erst einmal zurück zum Start in den Kabarettherbst, zum Start in die Innen-Veranstaltungen des großen Kulturzentrums im Herzen der Stadt. Wer das KFZ in Vor-Corona-Zeiten besucht hat, ist doch einigermaßen erschrocken darüber, was die Pandemie mit unserem Alltag und vor allem mit Kultureinrichtungen gemacht hat. Vor Corona wäre im KFZ zum Auftakt des Kabarettherbsts – immerhin eine der erfolgreichsten Marburger Kulturreihen – Trubel gewesen mit einem vollen Foyer mit Gesprächen und Gelächter und vermutlich einem vollen Saal.

60 Besucher kommen zum Auftakt

Doch der Neu-Start scheint schwer: 150 Plätze hat das KFZ gestellt und damit die rechtlichen Corona-Vorgaben für den großen, gut belüfteten Saal noch nicht einmal voll ausgeschöpft. Und doch bleibt das Publikum zögerlich. Nur knapp 60 Besucherinnen und Besucher machten sich auf den Weg ins KFZ, wo die 3-G-Regel gilt: geimpft, genesen oder getestet. Das Bilder-lose, kahle Foyer ist ebenfalls leer.

Dabei hat Michael Frowin, der in Hamburg auch das Theaterschiff leitet, ein Heimspiel. Zudem ist er ein ausgewiesener Politkabarettist – das geht in Marburg eigentlich immer. Und wie gesagt: Er hat einen ganz kurzen Draht zur Kanzlerin. Wenn sie ihn anruft, erklingt die russische Hymne.

Einträge aus Merkels Tagebuch

In seinem neuen Programm blickt er in ihr Inneres, denn ihm ist Merkels Tagebuch in die Hände gefallen, das er mit seinem Publikum teilt. Er (oder sie) lästert über Alexander Dobrindts IQ-Test, stellt fest, dass bei Andreas Scheuer ja schon der Nachname Teil der Problems sei, und über Julia Klöckner schreibt sie genervt in ihr Tagebuch: „Wie die immer rumsitzt – so überpflegt.“ Das sei eindeutig „nicht artgerechte Haltung von ehemaligen Weinköniginnen“. Frowin präsentiert einen kabarettistischen Streifzug durch 16 Jahre „Mutti“-Land mit Blick insbesondere auf die jüngere Vergangenheit und nahe Zukunft. Die „Raute Nimmersatt“ ist stolz. Sie hat die ganzen Machos in der Politik überlebt, sogar den „neoliberalen Widergänger“, den „Untoten“ Friedrich Merz.

Frowin beherrscht sein Handwerk – auch das Genre des Kabarettsongs. Die Musik macht er diesmal nicht selbst, sie kommt vom Band. Gleich nach der Pause begeistert er sein Publikum mit einer sehr speziellen „Mutti“-Version aus dem Musical „Rocky Horror Show“ in schwarzen Nylons und Strapsen zum Merkel-Blazer. „Wer’s tragen kann“, lacht er ins Publikum.

Doch eines ist Frowin in vielen Jahren Kabarett klar geworden. Im Gegensatz zu den Franzosen sei mit den Deutschen keine Revolution zu machen. Woher er das weiß? Aus den wichtigsten Fragen deutscher Kreuzfahrtschiff-Reisender: „Schläft die Crew an Bord? Wann öffnet das Mitternachtsbüffet? Machen Sie mit diesen Leuten mal eine Straßenschlacht.“

Das komplette Programm

17. September: Rolf Miller – „Obacht Miller“.

24. September: Horst Evers – „Früher war ich älter“.

8. Oktober: Mathias Tretter – „Sittenstrolch“.

15. Oktober: Christoph Kuch – „Ich weiß.“

22. Oktober: Simone Solga – „Ihr mich auch“.

3. November: Moritz Neumeier – „Am Ende is eh egal“.

6. November: Nils Heinrich – „Deutschland einig Katerland“.

11. November: Helmut Schleich – „Kauf, du Sau“.

19. November: Jochen Malmsheimer – „Halt mal, Schatz!“

25. November: Julius Fischer – „Ich hasse Menschen. Eine Art Liebe“.

3. Dezember: Matthias Egersdörfer – „Nachrichten aus dem Hinterhaus“.

10. Dezember: Nessi Tausendschön – „Weihnachtsfrustschutz“.

16. Dezember: Anny Hartmann – „Schwamm drüber?“

21. Dezember: Leo Bassi: – „The Best“.

Von Uwe Badouin

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