Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Deutsch-Schwedischer Freundschaftsverein erinnert an Astrid Lindgren
Marburg Deutsch-Schwedischer Freundschaftsverein erinnert an Astrid Lindgren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:43 27.01.2022
Rühriger Verein: Nahuel Zabel (vorne rechts) hält am Stand der Deutsch-Schwedischen Gesellschaft das "Pippi Langstrumpf"-Buch auf Schwedisch. Links daneben zeigt Brigitte Knobel vom Verein ein Exemplar des Buches auf Deutsch.
Rühriger Verein: Nahuel Zabel (vorne rechts) hält am Stand der Deutsch-Schwedischen Gesellschaft das "Pippi Langstrumpf"-Buch auf Schwedisch. Links daneben zeigt Brigitte Knobel vom Verein ein Exemplar des Buches auf Deutsch. Quelle: Manfred Hitzeroth
Anzeige
Marburg

Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga, Ronja Räubertochter, Karlsson vom Dach oder Die Brüder Löwenherz – diese liebevollen und authentischen Kindergeschichten der schwedischen Buchautorin Astrid Lindgren wurden zum Teil in 77 Sprachen übersetzt und zählen auch heute noch mit zu den bekanntesten Kinderbüchern weltweit. Anlässlich des 20. Todestages von Astrid Lindgren am 28. Januar erzählt Brigitte Knobl vom Deutsch-Schwedischen Freundschaftsverein Marburg (DSFV) von ihrer Faszination für Astrid Lindgren und wieso Pippi Langstrumpf für sie ein Vorbild ist.

Das stärkste Mädchen der Welt mit den langen, roten Zöpfen und den kunterbunten Socken gehört zu den bekanntesten Figuren, die Astrid Lindgren im Laufe ihres Lebens geschaffen und zahlreiche Kinder und Jugendliche hierzulande und weltweit durch ihre Jugend begleitet hat. „Astrid Lindgren ist der Zugang zum Kind in uns“, sagt Brigitte Knobl. Sie ist Vizevorsitzende des Deutsch-Schwedischen Freundschaftsvereins Marburg (DSFV), der auch in diesem Jahr mit einer besonderen Aktion an die verstorbene schwedische Autorin erinnern möchte.

Ursprünglich hatte der Verein auch in diesem Jahr für den 28. Januar eine Lesung unter dem Titel „Tack Astrid“ („Danke Astrid“) geplant, doch aufgrund der Corona-Auflagen wird daraus nichts. Der Ausspruch „Tack Astrid“ spielt dabei auf einen Laufzettel mit dem Bild der Autorin an, der einen Tag nach Lindgrens Tod im Jahr 2002 in der Lokalzeitung „Vimmerby Tiding“ ihres Geburtsortes erschienen ist, in der sie mit 17 Jahren als Volontärin arbeitete. Alternativ soll der Laufzettel nun per E-Mail an Vereinsmitglieder und Freunde verbreitet werden.

Die Welt aus der Pippi-Perspektive

Für Brigitte Knobl spielte Astrid Lindgren bereits in frühen Jahren eine prägende Rolle, wenn auch zunächst eher unbewusst, auch wenn sie schon damals gerne – und viel – las. „Ich bin schon immer eine Leseratte gewesen und habe die Brüder Löwenherz als Teenagerin gelesen“, erzählt die Literatur- und Sprachwissenschaftlerin. Die Faszination für schwedische Kinderbücher verdankte sie schließlich ihrem späteren Lebensgefährten und DSFV-Gründer, Lothar H. Hofmann, den sie während ihres Studiums kennenlernte. Hofmann stammte aus dem schwedischen Ortschaft Vimmerby, eben jenem Ort, in dem auch Astrid Lindgren aufwuchs. „Ich begann, mich für die schwedische Lebensart zu begeistern, und wurde von Kinderbüchern magisch angezogen“, erzählt sie.

Fasziniert von der Sprache und den Romanen beginnt sie, nachdem sie sich bereits Französisch, Portugiesisch und Spanisch angeeignet hatte, autodidaktisch Schwedisch zu lernen. „Wir lebten in beiden Welten. Lothars erstes Zuhause war Schweden und sein zweites Deutschland “, erzählt Knobl. Damit er jedoch sein „erstes Zuhause“ in Marburg nicht zu sehr missen musste, gründet er 2013 zusammen mit Knobl den Deutsch-Schwedischen Freundschaftsverein Marburg, mit dem Ziel, kulturelle schwedische Feste wie Mittsommer, das Luziafest oder auch Lesungen zu Astrid Lindgren nach Marburg zu bringen. Mittlerweile hat der Verein rund 20 Mitglieder, die bereits das Haus von Astrid Lindgren besuchten oder auch Spenden für Frauen in Krisen- und Flüchtlingsgebieten sammelten. „Wir agieren im Verein inklusiv, international und interkulturell. Und wer Mitglied werden will, ist gerne willkommen“, sagt sie.

„Ich trage alle ihre Werke im Herzen“

Für das Projekt „Die Welt braucht eine Pippi-Perspektive“ gelang es schließlich sogar, die Enkelin von Astrid Lindgren, Annika Lindgren, dafür zu begeistern, selbst entworfene T-Shirts in einer Auflage von 100 Stück zu produzieren und an Mitglieder und Interessierte verteilen zu dürfen. Die Vorderseite zeigte das Titelbild des in Schweden publizierten Jubiläumsbuches „Pippiperspektiv“, während auf der Rückseite das Pippi-Zitat „Wer sehr stark ist, muss auch sehr lieb sein“, ist, das in den Sprachen Schwedisch, Deutsch, Englisch und Arabisch gedruckt wurde. Für Knobl ist Pippi Langstrumpf seit jeher ein Vorbild, das zeigen könne, wie wir miteinander umgehen sollten. „Pippi Langstrumpf tut niemanden weh, macht nichts Böses, beschützt andere und missbraucht ihre Macht nicht“, erklärt sie.

Auch das Jubiläum „75 Jahre Pippi Langstrumpf“ feierte der Deutsch-Schwedische Freundschaftsverein Marburg vor ein paar Jahren. Quelle: Thorsten Richter

Und auch trotz Pandemie, die Vereinsarbeit wird nicht weniger. Derzeit werkelt Knobl an einer „lebendigen“ Pippi-Langstrumpf-Bibliothek. Im Idealfall sollen dort einmal alle 77 Übersetzungen über das Mädchen mit den roten Zöpfen einen Platz finden, wobei derzeit noch etwas mehr als die Hälfte fehlen. „Es ist gar nicht so einfach, an die verschiedenen Übersetzungen ranzukommen“, sagt sie. Das liege vor allem an fehlenden vertraglichen Absprachen zwischen den einzelnen Verlagen.

Dennoch sei sie zufrieden, bereits Exemplare auf unter anderem Vietnamesisch, Arabisch, Chinesisch und Khmer – Amtssprache in Kambodscha – zu besitzen, und sie ist zuversichtlich, ihr Ziel zu erreichen. So konnte sie schon ein Exemplar aus der Ukraine über eine Kontaktperson dem Sortiment hinzufügen. Auf die Frage, ob sie ein Werk von Astrid Lindgren besonders gerne mag, hat sie eine klare Antwort: „Ich trage alle ihre Werke im Herzen. Eigentlich kann ich mich nicht für eines entscheiden“, sagt sie. Wenn sie allerdings wählen müsste, wäre es wohl „Die Brüder Löwenherz“.

Mehr zum Thema

Von Felix Hamann