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Marburg Und plötzlich war die neue Währung da
Marburg Und plötzlich war die neue Währung da
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17:56 02.01.2022
Zahlreiche Menschen im Landkreis holten sich so genannten Euro-Starterkits.
Zahlreiche Menschen im Landkreis holten sich so genannten Euro-Starterkits. Quelle: Gero Breloer
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Marburg

Endlose Warteschlangen an Supermarktkassen, Durcheinander am Bankschalter – vor der Ablösung der D-Mark durch das Euro-Bargeld am 1. Januar 2002 machten Krisenszenarien die Runde. Die OP begleitete den „Countdown“ hin zur neuen Währung mit einer umfangreichen Serie, griff dabei auch viele Anfragen und Sorgen der Leser auf.

Letztlich stemmten Zentralbanken, Geldhäuser und Handel die Währungsumstellung reibungslos. Den Ruf, ein „Teuro“ zu sein, hat die europäische Gemeinschaftswährung allerdings auch 20 Jahre später nicht ganz abgeschüttelt.

Als zum Jahreswechsel 2001/2002 der Euro unters Volk gebracht wurde, war die Aufregung groß. Schon am 14. Dezember 2001 konnten in Frankreich und den Niederlanden Probetütchen mit den neuen Münzen erworben werden. Mancher Deutsche reiste sogar über die Grenze, um ein „Starter-Kit“ zu ergattern. Denn erst am 17. Dezember 2001 waren die Münzmischungen im Wert von 20 D-Mark (10,23 Euro) in Deutschland zu haben.

70 000 Starter-Kits im Landkreis ausgegeben

Auch im Landkreis war am 17. Dezember 2001 jede Menge bei den Banken los – die Banken hatten schon im Vorfeld mit viel Betrieb gerechnet. Und zwar mit so viel, dass beispielsweise die Sparkasse zusätzlich zu den von der Bundesbank gelieferten „Starter-Kits“ auch noch weitere Münzbeutel abpacken ließ. Eine weise Entscheidung. Denn: Mehr als 70 000 Menschen standen damals an den Schaltern der heimischen Banken an, um ein „Starter-Kit“ zu ergattern.

Sparkassen-Mitarbeiter packten die Starter-Kits ab.  Quelle: Gianfranco Fain

Darunter auch OP-Redakteur Michel Rinde. „Da ist er jetzt also, der Euro, unser neues Geld. Doch wie fühlt er sich an? Und was genau ist das ,Starter-Kit’? Ich war neugierig darauf, so wie so viele andere. Und darum tat ich freiwillig und gerne etwas, was selten Freude macht: Schlange stehen“, sagt er. Doch anders als in der Gegenwart mitunter „war die Stimmung in dieser Schlange gut, daran erinnere ich mich noch sehr genau. Wir sprachen miteinander, was jetzt wohl auf uns zukommt mit dem Euro“, so Rinde. An das „Starter-Kit“ selbst habe er keine genauen Erinnerungen mehr. „Wohl aber an den Umrechnungsfaktor, der galt und gilt. Er begann mit 1,95. In den ersten Tagen ging ich mit dem neuen Geld auch sehr zurückhaltend um. Ich wollte es gerne noch ein wenig im Portemonnaie behalten. Hatte ja auch dafür angestanden immerhin.“

OP-Leserin Anneliese Körl ist noch eine Kundenveranstaltung der Sparkasse zum Euro in Erinnerung. „Diese Veranstaltung begann ab 18 Uhr. Wir waren begeistert, standen im Foyer der Sparkasse in der Universitätsstraße und konnten die ersten ,Starter-Kits’ für 20 D-Mark kaufen“, schildert sie. Zudem habe es vergoldete Pfennig-Münzen und vergoldete D-Mark-Münzen gegeben. „Ich habe selbst noch einen Zehn- und einen Fünf-Mark-Schein und auch noch alte Münzen. Werde diese nicht eintauschen und behalte sie lieber als Erinnerung“, so Anneliese Körl. Bis heute werden „Starter-Kits“ zum Beispiel auf der Handelsplattform Ebay gehandelt, teils mit deutlichem Preisaufschlag.

In der Neujahrsnacht 2002 gab es das neue Bargeld in zwölf EU-Staaten. Noch als die Böller knallten, bildeten sich Schlangen an Geldautomaten. Fast 15 Milliarden Euro-Banknoten waren zum Start gedruckt, rund 52 Milliarden Euro-Münzen geprägt worden. Aneinander gereiht hätten diese Banknoten zweieinhalbmal zum Mond und zurück gereicht, wie die Europäische Zentralbank (EZB) vorrechnet.

OP-Redakteur Andreas Schmidt erinnert sich noch an seine erste Euro-Begegnung: „Ich hatte Silvester mit Freunden in Wuppertal gefeiert, brach am 1. Januar relativ früh in Richtung Marburg auf. Es war ein sehr nebliger Morgen. Und auf dem Weg zur Autobahn tauchte plötzlich am Straßenrand der beleuchtete Preismast einer Tankstelle aus dem Nebel auf – mit quasi halbierten Spritpreisen. Da war mir klar: Der Euro ist da.“

Kulinarische Erinnerung

Miriam Seip aus Marburg schreibt: „Als zwölfjähriges Mädchen wurde ich mit dem ,Starter-Kit’ in den Supermarkt Penny in Kirchhain zum Einkaufen geschickt. War ich stolz! Die Erinnerung bleibt für immer.“

Roman Achtziger verbindet indes eine kulinarische Erinnerung mit der Euro-Einführung: „Nutella hatte erstmalig ein Zwei-Kilo-Glas herausgebracht. Auf dem goldfarbenen Deckel stand: ,Die Mark geht, der Euro kommt.’ Außerdem erinnere ich mich daran, dass es gefühlt in jedem Supermarkt ein Sammelbuch zu kaufen gab. Dort konnte man dann die unterschiedlichen Euro- und Cent-Münzen eines jeden Landes einstecken und verschiedene Prägungen mit ihren Bedeutungen anschauen.“

Jana Natusch schrieb der OP auf Facebook: „Ich war da erst elf Jahre“ – doch könne sie sich noch an das Starter-Kit erinnern, „mit den ersten paar Euro. War aber an sich nichts Besonderes. Euro = Teuro“, steht für sie fest.

Ob der Euro in der Tat ein Teuro ist, wird die OP demnächst im Expertengespräch beleuchten.

Fakten rund um den Euro

Der 1. Januar 1999 um Mitternacht ist die eigentliche Geburtsstunde des Euro. Denn ursprünglich handelte es sich um eine rein elektronische Währung, die hauptsächlich von den Banken und Finanzmärkten genutzt wurde.

Am 1. Januar 2002 wurde der Euro dann auch als Bargeld eingeführt – bereits am 17. Dezember 2001 wurden jedoch die Euro-Starter-Kits von den Banken ausgegeben. Alleine im Landkreis holten sich 70 000 Menschen damals die ersten Euro-Münzen.

Bei der Namensgebung standen auch Florin, Ducat und Franken in der engeren Auswahl, man entschied sich allerdings dagegen, weil die Begriffe einen starken Bezug zu nationalen Währungen haben.

Die Banknoten-Serie zeigt ein Porträt der Europa, eine Gestalt aus der griechischen Mythologie und die Namensgeberin unseres Kontinents. Das Abbild stammt von einer Vase, die über 2 000 Jahre alt ist. Sie wurde in Süditalien gefunden und ist nun im Louvre von Paris ausgestellt.

Als die Euro-Banknoten und -Münzen am 1. Januar 2002 in Umlauf kamen, wurden dafür 14,9 Milliarden Banknoten gedruckt. Wenn diese aneinandergereiht würden, dann entspräche das einer Strecke von zweieinhalb Mal zum Mond und wieder zurück.

Es wurde auch bereits ein Schein aus dem Verkehr gezogen: 2016 hat die EZB entschieden, den Druck der 500-Euro-Banknote dauerhaft einzustellen und sie auch nicht mehr in die Euro-Serie aufzunehmen.

Mit dem „Eurobarometer“ gibt es eine Umfrage, die unter anderem die Zustimmung der Europäer zum Euro misst. Laut der Eurobarometer-Umfrage vom Herbst 2018 liegt die Zustimmung zur gemeinsamen Währung im Euroraum bei 75 Prozent, dem höchsten Wert seit 2004.

Auch außerhalb der EU gilt der Euro als Zahlungsmittel: Wer nach Mayotte oder nach La Réunion reist, kann sich den Geld-Umtausch sparen. Die beiden Inseln im Indischen Ozean sind Übersee-Departements Frankreichs, daher ist der Euro dort Landeswährung.

Im Inneren des Grundsteins des EZB-Hauptgebäudes in Frankfurt befinden sich ein Satz Euro-Banknoten, jeweils ein Satz Euro-Münzen aus den 16 Ländern, die bei der Grundsteinlegung im Jahr 2010 EU-Mitglied waren, Tageszeitungen aus den Mitgliedsländern, ein Satz Baupläne und eine Münze der Stadt Frankfurt.

Von Andreas Schmidt und unserer Agentur