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Marburg 181 Einzelprojekte für das Radwegenetz
Marburg 181 Einzelprojekte für das Radwegenetz
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19:00 26.04.2020
Ein Radschnellweg wie hier bei Egelsbach soll zwischen Göttingen und Münchhausen entstehen. Quelle: FOTO: ARNE DEDERT/DPA
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Marburg

Um Menschen zu motivieren, mehr auf das Fahrrad zu steigen, bedarf es eines überregionalen Plans, der auch mal Visionen entwirft, ohne sofort vor den Kosten zu kapitulieren. Mit diesem Ansatz startete der Landkreis Marburg-Biedenkopf vor sechs Jahren ein durchaus ambitioniertes Projekt. Herausgekommen ist ein Maßnahmenkatalog mit 181 Betätigungsfeldern. „Ein solches Vorhaben lässt sich nicht von heute auf morgen erstellen“, sagt Landrätin Kirsten Fründt, zumal es ihr ein Anliegen war, dass die Projekte auch durch eine direkte Bürgerbeteiligung entwickelt werden sollten.

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Im Vorfeld ihrer Wiederwahl wurde ihr immer wieder vorgeworfen, in Sachen Radwege habe man ja nur sechs Jahre lang geredet, aber nichts umgesetzt. Das will sie auch gar nicht so sehr abstreiten, aber sie will das „Reden“ nicht als „Nichtstun“ interpretiert wissen. Es sei notwendig gewesen, um überhaupt eine verlässliche, belastbare Planung erstellen zu können. Denn es gelte bei jeder einzelnen Maßnahme, viele Interessen und Anliegen unter einen Hut zu bekommen. Will man eine konkrete Strecke neu erstellen, sagt denn auch Kreis-Radverkehrsplaner Thomas Meyer, könne es leicht passieren, sich mal mit hundert verschiedenen Grundstückseigentümern einigen zu müssen. Im Laufe der zurückliegenden Jahre wuchs aber die Liste der möglichen Maßnahmen kontinuierlich an. Einige Projekte wurden schon erledigt, angefangen oder stehen in diesem und nächsten Jahr zur Umsetzung an.

Der Kreistag hat dabei den Weg freigemacht, dass in der Tat auch sinnvoll „geklotzt“ werden kann, sprich ausreichend Geld vorhanden ist, wünschenswerte Verbindungen tatsächlich auch finanzieren zu können. So fließt ein Drittel der Summe, die für den Straßenbau im Kreishaushalt vorgesehen ist, immer in das Radwegenetz. Zudem bemüht sich der Kreis darum, mit den Städten und Gemeinden gemeinsam Projekte auf den Weg zu bringen. Als Projektunterstützer habe der Kreis dabei noch die Möglichkeit, mehr Fördergelder zu beantragen, insbesondere, wenn es sich letztendlich um Projekte überregionaler Bedeutung handelt. In ihrer zweiten Amtszeit werde es auch sichtbare Ergebnisse geben, sagt Fründt.

Die Planungen des Kreises haben die Gesamtheit im Blick, also gute Verbindungen von Ort zu Ort, aber auch von Kommune zu Kommune bis in die Nachbarkreise hinein. „Dabei verfolgen wir den Ansatz, das Streckennetz sowohl für Freizeit und Tourismus attraktiv zu gestalten, wie auch für Alltags-Radfahrer“, sagt Fründt. Freizeit-Radfahrern steht beispielsweise die neue „Höfe-Radeln“-Route zur Verfügung, die zu Direktvermarktern im Südkreis führt. Alltagsradfahrer sollen sich beispielsweise auch darauf verlassen können, möglichst sicher und schnell zu einem Bahnhaltepunkt kommen zu können, um eben für diese Strecke auf das Auto zu verzichten. Damit auch die Räder am Bahnhaltepunkt sicher vor Langfingern sind, sollen an 17 Bahnhöfen im Kreis Abstellplätze entstehen. Und das jeweils an einer Stelle, die im Fall der Fälle noch zu erweitern geht. Auch werde man auf einen Sicherheitsstandard achten, so Meyer, da viele Radfahrer qualitativ hochwertige Räder besitzen, beziehungsweise E-Bikes, die sehr oft für einen vierstelligen Betrag gekauft wurden.

In diesem Jahr gehen ziemlich viele Projekte in die konkrete Planung, die Umsetzungen sind teilweise auch schon für nächstes Jahr vorgesehen. Planungs- und Baukosten sind dabei auch schon fixiert. Da bei geht es oftmals um den Ausbau bestehender landwirtschaftlicher Wege als ortsteilverbindende Radwege. Etwa zwischen Marburg-Ginseldorf und Cölbe-Bürgeln oder Kirchhain-Emsdorf und Stadtallendorf. Auch zwischen Roth und Niederwalgern soll an der K 59 ein Radweg entstehen. In diesem Zusammenhang wird weiterhin versucht, mit der DB Netz eine Einigung darüber zu erzielen, dass eine Unterführung der Bahnstrecke Marburg-Frankfurt gebaut werden kann, um einen direkten Zugang zum Bahnhof Niederwalgern über diesen Radweg zu erreichen.

Zudem ist der Landkreis dabei, für verschiedene Kernorte umfassende Radwegekonzepte zu erarbeiten, die dann den jeweiligen Kommunen zur Umsetzung angeboten werden sollen. Im Fokus stehen da Biedenkopf, Kirchhain und Wetter. Tja, und dann beginnt in diesem Jahr noch die Planung für ein Mega-Projekt. So soll im Zuge des Neubaus der B 252 die jetzige Bundesstraße zwischen Lahntal-Göttingen und Münchhausen einen Radschnellweg erhalten. Die Topografie könnte dabei nicht besser sein. „Die gesamte Strecke hat keine nennenswerten Steigungen und verläuft immer parallel zur Burgwaldbahn“, sagt Meyer. Die Ausgestaltung steht noch nicht fest. Je nach Breite der jetzigen Straße sind verschiedene Ausbauten möglich. Die Planungskosten belaufen sich derzeit auf 435 000 Euro, die Umsetzung sieht aktuell einen Kostenrahmen von 3,34 Millionen Euro vor. Der Kreistag wird gemäß seines Beschlusses aus dem Jahr 2017, einen jährlichen Bericht zur Radverkehrsentwicklung zu erhalten, wohl in seiner nächsten Sitzung im Mai über alle Projekte dezidiert unterrichtet.

von Götz Schaub

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