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Marburg 164 neue Lüftungsanlagen kommen, aber frühestens ab Oktober
Marburg 164 neue Lüftungsanlagen kommen, aber frühestens ab Oktober
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11:58 28.08.2021
Schulleiterin Sabine Rutke (von links), Schuldezernent Marian Zachow und Rolf Becker von der Kreisverwaltung stellen in der Grundschule Rauischholzhausen eine Lüftungsanlage vor.
Schulleiterin Sabine Rutke (von links), Schuldezernent Marian Zachow und Rolf Becker von der Kreisverwaltung stellen in der Grundschule Rauischholzhausen eine Lüftungsanlage vor. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Der Kreis setzt beim Corona-Schutz in Schulen mehr denn je auf Lüftungsanlagen und auch auf mobile Luftreiniger. Bei den zusätzlichen Lüftungsanlagen macht es sich allerdings bemerkbar, dass der Bund sein Förderprogramm dafür erst Ende Juni auflegte. So kommt es, dass 164 Lüftungsanlagen für Klassenräume wohl erst im Laufe von Oktober und November eingebaut werden können, da die Lieferfristen lang sind. Ein einziges dieser „Premiumgeräte“, wie sie Schuldezernent Marian Zachow nennt, steht allerdings bereits und zwar in der Grundschule Rauischholzhausen in einem Klassenraum, der sich nicht querlüften lässt.

Aufwendige Förderanträge

416 Belüftungsanlagen waren bereits vor der Corona-Pandemie im Einsatz und verrichten seitdem besonders gute Dienste. Bei der Vorstellung des Gerätes in Rauischholzhausen machten Zachow und Mitarbeiter der Kreisverwaltung klar, dass die Lüftungsanlagen die denkbar sicherste Variante zum Schutz der Kinder und Jugendlichen sei.

Denn diese Anlagen tauschen die Raumluft gegen Frischluft aus, sie richten ihre Leistung nach der Raumluftqualität, also dem CO2-Gehalt. Das Angenehme bei dem Rauischholzhausener Gerät bei einer kurzen Vorführung: Es ist kaum hörbar und es entsteht auch kein starker Luftzug. Schulleiterin Sabine Rutkes erster Eindruck ist sehr positiv.

Warum hat der Kreis die Geräte nicht früher geordert? „Im Oktober war die Pandemielage eine andere“, nennt Zachow einen von mehreren Gründen. Noch wichtiger allerdings: Bevor der Kreis neue Lüftungsanlagen überhaupt bestellen und die nötigen insgesamt 40 Förderanträge an den Bund überhaupt formulieren konnte, mussten alle 1600 Klassenräume von Fachleuten begutachtet werden. Lüftungsanlagen lassen sich nicht in allen Gebäuden und Räumen einsetzen, allein schon wegen der baulichen Situation.

Für jeden Förderantrag muss dargestellt werden, wie die Geräte eingebaut werden sollen. Das bindet Personal in der Kreisverwaltung, das ansonsten hätte Ausschreibungen vorbereiten können.

Hersteller leiden unter Materialknappheit

Neben den Lüftungsanlagen hat der Kreis als Schulträger außerdem noch 200 zusätzliche mobile Luftreinigungsgeräte geordert, die in der zweiten Septemberhälfte ankommen und auf die Schulstandorte verteilt werden sollen. Bei diesen Geräten ist das kontinuierliche Lüften allerdings unerlässlich, sie reinigen Raumluft, sie erneuern sie aber nicht.

Zachow machte im Gespräch mit der OP klar, dass der Kreis alleine solche Anschaffungen nicht finanzieren könnte. „Wir sind auf das Förderprogramm quasi angewiesen“, sagt er. Es geht immerhin um eine Investition von 3,5 Millionen Euro, wovon der Bund etwa 80 Prozent tragen könnte.

Den Eigenanteil von 700 000 Euro hat die Kreisverwaltung durch Umschichtungen im Haushalt zusammenbekommen. Alle Beschaffungen sind außerdem an die vorgeschriebenen Ausschreibeverfahren geknüpft, was weitere Wochen Zeitverlust bedeutet hat.

Hinzu kommt das Problem, dass auch die Hersteller von Lüftungsanlagen und Luftreinigern unter der weltweiten Materialknappheit zu leiden haben. „Deshalb sind auch die jetzigen Liefertermine noch mit Unsicherheiten verbunden“, erläutert Rolf Becker vom Fachdienst Schule und Gebäudemanagement.

Auch die Zahl der CO2-Messgeräte in den Schulen soll sich noch einmal drastisch erhöhen in diesen Tagen, so die Kreisverwaltung. Diese Geräte warnen, wenn die Luftqualität zu schlecht wird und das Lüften spätestens erfolgen muss.

Von Michael Rinde

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