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Marburg Wer Durst hat, kann ihn kostenlos stillen
Marburg Wer Durst hat, kann ihn kostenlos stillen
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19:44 26.07.2019
Maximillian Paolucci testet für die OP den Trinkwasserbrunnen am Steinweg. Hier fließt das gleiche Wasser wie zu Hause. Gefühlt ist das Wasser dort sogar am kältesten. Quelle: Maximillian Paolucci
Marburg

„Mit diesem neuen­ Flyer möchte die Stadt Marburg ihre Bürger sowie Gäste für die vielen Vorteile von Leitungswasser sensibilisieren“, sagte­ Bürgermeister Wieland Stötzel­
(CDU) bei der Präsentation. „Wir als Stadtverwaltung gehen mit gutem Beispiel voran und haben Flaschenwasser aus ­unserem Alltag gestrichen.“ Der Flyer zeigt nicht nur in einer Kartenübersicht die 16 Standorte der Trinkwasserbrunnen im Marburger Stadtgebiet; er bietet auch Informationen rund um die internationale Bewegung „Blue Community“, der sich die Stadt Marburg im Jahr 2017 angeschlossen hat.

Die vier Hauptziele der Initiative, die wörtlich mit „Blaue Kommune“ oder „Blaue Gemeinschaft“ übersetzt werden kann, sind die Anerkennung von Wasser als Menschenrecht, die Zusicherung, dass Wasserdienstleistungen in öffentlicher Hand bleiben, die Pflege internationaler Partnerschaften sowie das Bestreben, den Genuss von Leitungswasser anstelle von Flaschenwasser zu fördern.

Zu 50 Prozent aus Marburger Quellen

Dass genau in dem letztgenannten Punkt ein riesiges Potenzial liegt, hat die Universitätsstadt Marburg schnell erkannt. „Für den Transport, die Produktion und die Reinigung bei Mehrwegflaschen beziehungsweise das Recyceln bei Einwegwasserflaschen werden­ nicht nur enorme Mengen an Ressourcen verbraucht. Flaschenwasser ist auch deutlich teurer als Leitungswasser. Letzteres fließt mit 0,2 Cent pro Liter unvergleichlich günstig aus der Leitung“, betonte Stötzel auch den wirtschaftlichen Vorteil.

Das Trinken von Leitungswasser ist somit nicht nur ein enormer Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz, es spart auch Geld. Gleichzeitig ist es das in Deutschland am besten kontrollierte Lebensmittel. „Das Leitungswasser in Marburg ist sehr kalkarm und von hervorragender Qualität“, merkte Karin Brahms von den Stadtwerken Marburg an. „Und es kommt zu 50 Prozent aus Marburger Quellen“.

Der Flyer soll dazu beitragen, das Trinken von Leitungswasser noch beliebter zu machen. Die ausgewiesenen Standorte der Trinkbrunnen sollen dies fördern. Dies gilt besonders auch für Touristen, die sich vor Ort nicht auskennen. Gleichzeitig wird die Idee damit in die Welt hinausgetragen. Der auf Recyclingpapier gedruckte Flyer liegt im Rathaus, im Stadtbüro, in den Verwaltungsaußenstellen sowie weiteren städtischen Einrichtungen aus.

Ergänzt wird das Trinkwasserangebot im Stadtgebiet durch Geschäfte und Gastronomiebetriebe, die sich an dem deutschlandweiten Projekt „Refill“ beteiligen. Der Flyer stellt das Projekt vor: Teilnehmende Betriebe sind erkennbar an dem „Refill“-Aufkleber“ an ihrer Tür oder ihrem Schaufenster. Durstigen werden dort kostenlos ­ihre mitgebrachten Flaschen oder Becher mit Leitungswasser aufgefüllt.

Auch 90 Prozent der Marburger Schulen verfügen über einen Trinkbrunnen. Der städtische Fachdienst Schule hat diese gefördert. Die Philipps-Universität strebt derzeit an, Deutschlands erste „Blue University“ zu werden. „Langfristig geht es darum, das Trinken von Leitungswasser in den eigenen Alltag zu integrieren und auch Freunde und ­Familie dafür zu begeistern“, sagte Stötzel abschließend.

Vierbeiner profitieren

Im Praxistest des Trinkwasserbrunnens am Steinweg bestätigt sich das Vorhaben. „Für die Kinder ist der Brunnen ein großer Spaß und ist ideal für eine Erfrischung zwischendurch“, erzählt eine junge Familie, die im Schatten der Bäume eine Pause von ihrem Stadtspaziergang einlegt. In unserem Selbsttest zeichnet sich ein ähnliches Ergebnis ab.

Der zentral gelegene Brunnen zwischen Oberstadt und Elisabeth-Kirche lädt im Vorbeigehen geradezu dazu ein, sich zu erfrischen. Das Wasser ist angenehm kühl und bekömmlich. Nicht nur stillt es kostenlos den Durst an heißen Tagen, auch Kopf, Arme und Beine bekommen eine willkommene Abkühlung in der Mittagshitze.

Auch Vierbeiner können vom Brunnen profitieren, da das Wasser über den Brunnen hinaus und einige Meter über eine Bahn im Boden fließt. Doch Vorsicht  vor Insekten, die ebenfalls auf der Suche nach Wasser sind und sich auch gerne um die Brunnen und deren Rohre aufhalten. Nichtsdestotrotz eine deutliche Empfehlung für alle Durstigen in der Universitätsstadt, besonders zur aktuellen Sommerhitze.

Die Standorte:

  • Markt 1 – Marburger Rathaus – Erdgeschoss (auf der rechten Seite im Eingangsbereich)
  • Frankfurter Straße 21 – vor dem Haus der Jugend
  • Schneidersberg/Ecke Barfüßerstraße 49 – Bärenbrunnen
  • Heumarkt – Unterhalb des Gebäudes Barfüßerstraße 50
  • Landgraf-Philipp-Straße – Saukopfbrunnen (auf dem Weg zum Marburger Landgrafenschloss)
  • Steinweg 35 – Mönchsbrunnen (Unterer Steinweg)
  • Reitgasse (gegenüber von ­Café Vetter)
  • Ritterstraße (oberhalb der Lutherkirche, gegenüber Haus Nr. 13)
  • Am Plan 1 (Zapfstelle aus dem „Löwenkopf“ – unterhalb des großen Brunnens)
  • Wettergasse (zwischen Haus Nummer 40 und 42)
  • Weidenhäuser Straße 104 – Brunnen Weidenhausen
  • Hirschberg (gegenüber Haus Nr. 8)
  • Christa-Czempiel-Platz – am Richtsberg (derzeit defekt)
  • Am Grün 16 – vor dem BiP (Unterführung Rudolphsplatz)n Leopold-Lucas Straße 20 – Georg-Gaßmann-Stadion (derzeit in Reparatur)
  • Elisabethstraße 3 – Elisabethkirche (rechts vor dem Haupteingang).
  • von Maximillian Paolucci

von Maximillian Paolucci