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Marburg 100 Prozent für Nadine Bernshausen
Marburg 100 Prozent für Nadine Bernshausen
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11:06 30.11.2020
Nadine Bernshausen während ihrer Bewerbungsrede zur Kandidatur als Oberbürgermeisterin für Marburg. Quelle: Andreas Schmidt
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Marburg

Mit einem, wie sie selbst sagt, „phänomenalen Ergebnis“ wird Nadine Bernshausen im kommenden Jahr für die Marburger Grünen in den OB-Wahlkampf ziehen: 100 Prozent der Mitglieder gaben ihr dafür während des Listenparteitags ihre Stimme.

Schon bevor Nadine Bernshausen ihre Bewerbungsrede hielt, hatte Hessens Wissenschaftsministerin Angela Dorn der Kandidatin große Vorschusslorbeeren mit auf den Weg gegeben: Sie sei sich sicher, so Dorn, „dass wir mit Nadine Bernshausen einen Aufbruch für Marburg bekommen können“. Bernshausen sei eine hartnäckige Kämpferin, eine aufmerksame Zuhörerin und „eine Person, die die Menschen mitnehmen kann“ – außerdem habe sie sich von Begin an die soziale Gerechtigkeit auf die Fahne geschrieben. „Ich bin sicher, dass die Menschen mit ihr endlich eine echte Wahl haben“, so Dorn.

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Bernshausen betonte in ihrer knapp 20-minütigen Rede, dass sie überzeugt sei, der „dringend notwendige Wechsel“ werde den Grünen gelingen. Zwar sei sie „grün denkend und grün handelnd“, wolle aber eine Oberbürgermeisterin für alle sein. „Als Richterin bin ich es gewohnt, Menschen mit unterschiedlichen Ansichten zuzuhören, mit anderen zu kooperieren, abzuwägen und schließlich klare, fundierte Entscheidungen zu treffen – das werde ich auch als Oberbürgermeisterin tun“, sagte sie.

Die derzeitige Politik in der Stadt zeichne sich dadurch aus, „dass sie Freund und Feind ohne jede Diskussion vor vollendete Tatsachen stellt – eine solche Basta-Politik wird mit mir keine Zukunft haben“, so Bernshausen.

Einige drängende Probleme zeigte sie auf: So benötige Marburg mehr Sozialwohnungen und ein niedrigeres Mietniveau, auch die sozialverträgliche energetische Sanierung wolle sie zu ihrem Schwerpunkt machen. „Die Frage nach bezahlbarem und gutem Wohnraum darf nicht alleine dem Markt überlassen werden“ – vielmehr müsse sie im Fokus der Kommunalpolitik stehen.

Ein weiterer Schwerpunkt solle die Kinderbetreuung sein – auch, wenn dort bereits viel erreicht worden sei. So gelte es, bei dem stark gestiegenen Angebot auch die Qualität sicherzustellen, „Familien sind keine Bittsteller“, so die Mutter dreier kleiner Kinder. Naturnahe pädagogische Angebote seien wichtig, „dringend notwendig ist auch, dass wir Kinder aus wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen und Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund besser fördern – denn wer Chancengleichheit fordert, muss allen Kindern eine Chance geben“.

Der Magistrat habe 2017 versprochen, die Krippengebühren zu streichen, dies aber 2018 nicht umgesetzt – „was für ein schlechter Stil“, so Bernshausen. „Gegebene Versprechen müssen eingelöst werden“, sagte sie – auch im Hinblick auf steigende Politikverdrossenheit bei den Bürgern.

Die Digitalisierung an den Schulen müsse jetzt umgesetzt werden – nicht erst bis zum Jahr 2024, wie es der Magistrat jetzt plane. Auch die „Blockade der Stadt gegen das Landesprogramm zur besseren Nachmittagsbetreuung werden wir beenden“, versprach Bernshausen.

Ein weiterer zentraler Punkt: Der Klimaschutz. „Wir verstehen unsere Verantwortung darin, dass wir auch lokal versuchen, mit großen Anstrengungen die Klimaneutralität bis zum Jahr 2030 zu erreichen“, sagte die Kandidatin. Der Klimanotstand sei zwar ausgerufen – die konkreten Aktionen seither seien jedoch „mehr als enttäuschend“, es seien „keine ernsthaften Anstrengungen zu erkennen, wie die Klimaziele erreicht werden sollen“. Auch das wolle sie ändern – mit mehr energetischer Sanierung, mehr Energieeffizienz und mehr erneuerbarer Energie. Viel zu selten würden Dachflächen etwa für Solarenergie genutzt, „es gilt, sofort und schnell zu handeln“.

Ein weiteres zentrales Anliegen seien die gute Zusammenarbeit zwischen Stadt und Universität, „aber auch die gute Entwicklung Marburgs als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort“. Dazu gehöre auch Handel und Handwerk.

„Wir wissen alle: Irgendwann ist es Zeit für einen Wechsel. Und diese Zeit ist jetzt“, so Bernshausen.

Geradezu harmonisch lief die Wahl der Listenplätze zur Kommunalwahl in die Stadtverordnetenversammlung ab – ohne große Überraschungen auf den vorderen Plätzen.

Die Kandidaten der Kommunalwahl

Folgende Kandidatinnen und Kandidaten wurden auf die ersten zehn Plätze der Liste für die Wahl zur Stadtverordnetenversammlung gewählt:

  1. Nadine Bernshausen
  2. Christian Schmidt
  3. Dr. Elke Neuwohner
  4. Dietmar Göttling
  5. Katharina Rink
  6. Lena Frewer
  7. Madelaine Stahl
  8. Hans-Werner Seitz
  9. Marion Messik
  10. Marco Nezi.

Von Andreas Schmidt

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