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Marburg Zehn Verkehrstote im Landkreis 2019
Marburg Zehn Verkehrstote im Landkreis 2019
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17:10 01.06.2020
Dieser Unfall ereignete sich am 11. September 2019 an der Zollbuche. Quelle: Cudi Altay
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Marburg

Fünfmal in zehn Jahren blieb die Zahl der Verkehrsunfalltoten im Landkreis Marburg-Biedenkopf einstellig, dreimal waren es zehn Personen, zweimal zwölf.

Der Tiefststand waren fünf Tote im Jahr 2016. Neun der zehn verstorbenen und 122 der 174 schwer verletzten Menschen im vergangenen Jahr sind Verkehrsunfällen zuzuordnen, die sich auf Straßen außerhalb von Ortschaften ereigneten. Mit großem Abstand war die Geschwindigkeit die Hauptunfallursache.

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„Der Anstieg der Verkehrsunfälle mit Personenschäden und die Zunahme der bei diesen Unfällen verunglückten Menschen zeigt die Notwendigkeit von Verkehrspräventionsprojekten und leider auch die der konsequenten Ahndung von Verstößen gegen Verkehrsregeln.

Ich wünsche mir mehr Vorsicht, mehr Verantwortungsbewusstsein und mehr Rücksicht für mehr Verkehrssicherheit“, analysiert Gaby Häuser, die Leiterin der Polizeidirektion Marburg-Biedenkopf, die nun vorliegenden Zahlen.

Das Rasen begünstigt jeden vierten Unfall

Thorsten Samsa, Leiter des Regionalen Verkehrsdienstes Marburg-Biedenkopf sagt: „Ohne gegenseitige Rücksichtnahme und ein hohes Verantwortungsbewusstsein geht es nicht. Ablenkung, Risikobereitschaft, bewusstes Missachten von Verkehrsregeln oder einfach pure Selbstüberschätzung dienen eben nicht der Verkehrssicherheit, sondern bewirken genau das Gegenteil.“

Er ergänzt mit einem Blick auf die Statistik: „Jeder sollte sich darüber im Klaren sein, dass bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h acht von zehn Fußgängern einen Unfall mit einem Auto überlebe, wohingegen bei 65 km/h acht der zehn Fußgänger sterben.“

Überhöhte Geschwindigkeit war bei 181 der 719 Verkehrsunfälle mit Personenschäden eine Hauptunfallursache. Das entspricht einem Anteil von 25 Prozent. Der Anteil der Hauptunfallursache Geschwindigkeit liegt bei Berücksichtigung aller erfassten Unfälle bei knapp acht Prozent.

Fast 27 Prozent begehen Unfallflucht

Bei den Unfallursachen sind „Hindernisse“ mit 30 Prozent führend, darunter fallen Tier auf der Straße. Direkt dahinter mit 29,75 Prozent folgten „Sonstige Ursachen“. Also Ursachen, die sich nicht nachweisen lassen wie Unaufmerksamkeit, Ablenkung durch Handybenutzung oder Bedienen der Bordelektronik während der Fahrt.

Immer noch weit verbreitet ist die Tatsache, dass sich Unfall-Verursacher aus der Verantwortung stehlen und Fahrerflucht begehen. 1.299 Unfallfluchten bei einer Gesamtunfallanzahl von 4.834 bedeuten einen Anteil von 26,87 Prozent. „Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt! Jeder, der einen Unfall verursacht und flüchtet, riskiert eine bis zu dreijährige Haftstrafe und außerdem seinen Führerschein“, stellt die Marburger Polizeidirektorin klar.

Drei junge Menschen starben

Die „Jungen Fahrer“ waren im Jahr 2019 an 1.039 Verkehrsunfällen beteiligt. Bei 113 dieser Unfälle waren berauschende Mittel im Spiel. 47 dieser 113 Unfälle endeten mit Personenschäden. Die Zahl der insgesamt Verunglückten jungen Menschen stieg von 193 im Jahr 2018 auf jetzt 206 an.

Drei junge Menschen starben, 36 erlitten schwere und 167 leicht Verletzungen. 515 der 1039 Unfälle verursachten die „Jungen Fahrer“ selbst. 25 Mal stand dabei der Unfallverursacher unter dem Einfluss von Alkohol und beziehungsweise oder anderen berauschenden Mitteln.

Vorausschauendes Fahren kann helfen

Der Anstieg der an Unfällen beteiligten Radfahrer von 91 im Jahr 2017 auf 99 im Jahr 2018 setzte sich leider auch im Jahr 2019 mit 111 Beteiligungen fort. Kein Radfahrer verlor sein Leben, 16 Radfahrer erlitten schwere und 72 leichte Verletzungen.

Die Unfälle unter Beteiligung von motorisierten Zweirädern, darunter fallen auch E-Bikes, blieb gleich. Nach 125 Unfällen im Jahr 2016 und 115 Unfällen im Jahr 2017 waren es in den Jahren 2018 und 2019 jeweils 106. Bei diesen Unfällen gab es aber 2019 drei Tote, 26 schwer und 55 leicht Verletzte.

„Wenn es um die Verkehrssicherheit geht, müssen alle mithelfen. Jeder kann durch vorausschauendes Fahren, durch mehr Vorsicht, durch Zurückhaltung und mehr Rücksicht für mehr Sicherheit sorgen und so einen erheblichen Beitrag für mehr Verkehrssicherheit leisten“, sagt Polizeidirektorin Gaby Häuser abschließend.

Von Götz Schaub

Unfallstatistik für den Landkreis Marburg-Biedenkopf 2019 Quelle: Polizei

Zahlen und Fakten für den Landkreis

Alle 109 Minuten ereignet sich ein Verkehrsunfall, alle 6 Stunden ein Wildunfall, alle 7 Stunden eine Unfallflucht. Alle 8,5 Stunden verunglückt ein Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren.

Alle 9 Stunden gibt es eine verletzte Person durch einen Verkehrsunfall. Alle 11 Stunden ereignet sich ein Unfall mit einem Fahrer, einer Fahrerin der Generation 65+.

Alle 4 Tage stand eine unfallbeteiligte Person unter Alkoholeinfluss beziehungsweise Drogeneinfluss.

Alle 7 Tage verunglückte ein Jugendlicher oder eine Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren. Alle 9 Tage verunglückte ein Kind unter 14 Jahren. Alle 37 Tage endete ein Verkehrsunfall tödlich.

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