Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Klimaschutz: Marburgs Baumbestand
Marburg Klimaschutz: Marburgs Baumbestand
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:00 13.07.2019
Im Alten Botanischen Garten genießen Birte Wagener, Katharina Lampe, Lisa Wagner, Caren Onyeayana und Leonie Dylla (von links) den Schatten der Bäume. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

International tätigen Wissenschaftlern zufolge ist der Mensch weltweit für 300 Milliarden Tonnen zusätzlichen Kohlenstoff in der Atmosphäre verantwortlich – weshalb die Temperatur nicht stabil gehalten werden kann. Laut jüngsten Ökologie-Forschungen gibt es – bei dem derzeitigen Klima – die Möglichkeit, dass insgesamt 4.400 Millionen Hektar Wald auf der Erde stehen.

Um diese Marke zu erreichen, brauche es eine Aufforstung von mindestens 900 Millionen Hektar, die außerhalb von Siedlungs- oder Landwirtschaftsflächen geschehe. Und diese Fläche, ein Gebiet von der Größe der USA, gebe es.
Konkret in Russland (151 Millionen Hektar), den USA (103), Kanada (78), Australien (58), Brasilien (50) und China mit 40 Millionen Hektar.

Seien diese Wälder nach 30 bis 60 Jahren einmal gewachsen, könnten sie den Forschern zufolge 205 Milliarden Tonnen Kohlenstoff speichern. Der Trend ist ein anderer: Die Zahl der Bäume schrumpft. Jährlich gehen weltweit zehn Milliarden Stück verloren.

15.300 Bäume an Straßen, Rad- und Fußwegen

Auch in Deutschland ist das zu beobachten – weshalb das Bundesagrarministerium ein „Mehrere-Millionen-Bäume“-Programm auflegen will, um den Verlust von insgesamt 110.000 Hektar Wald auszugleichen. In der Marburger Innenstadt gibt etwa 15.300 städtische Bäume, von denen rund 5.700 an Straßen, Rad- und Fußwegen in der Kernstadt stehen. 51 verschiedene Baumarten gibt es in der Stadt, den größten Anteil machen die Gattungen Ahorn, Linde und Eiche aus.

Doch auch in der Universitätsstadt ging der Baumbestand – nicht nur wegen Sturmfolgen wie etwa am Kaffweg – zuletzt zurück, gab es Baumfällungen und Kritik an Rodungen, vor allem im Vitos-Park oder dem künftigen Tegut-Gelände am Oberen Rotenberg (die OP berichtete).

Dabei gibt es in Marburg schon seit Mitte der 2000er-Jahre, seit der Zeit von Ex-Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) ein Baumpflanz-Programm. Unter dem Titel „1.000 Bäume für die Innenstadt“ Wie die Stadt auf OP-Anfrage mitteilt, wurden seitdem an 41 Standorten 155 neue Bäume gepflanzt.

Bäume, so die damalige Argumentation, würden nicht nur optisch für Durchgrünung der Stadt sorgen, sondern auch die Luftqualität und das Mikroklima verbessern. Weitere Bäume, die aber nicht gesondert gezählt werden, wurden zudem bei Straßensanierungen neu angepflanzt – etwa in der Universitätsstraße oder am Bahnhofsvorplatz.

Pflanz-Potential in Gewerbegebieten

Abseits des durch die ZIMT-Regierung aus SPD, BfM und CDU vor zwei Jahren weitgehend gestrichenen, für 2019 über wieder mit 10.000 Euro im Haushalt angesetzten „1.000 Bäume für die Innenstadt“-Programms wurden in den vergangenen fünf Jahren 140 Bäume an neugeschaffenen Standorten gepflanzt.

Flächen, auf denen die Neuanpflanzung relativ schnell und einfach auf einer vorhandenen Grünfläche erfolgt sei – etwa bei einem Boule-Platz, an einem Parkeingang oder auf einem Kita-Gelände. Auf städtischen Flächen wurden in den vergangenen fünf Jahren 475 Alt-Bäume ausgetauscht und durch neue Bäume ersetzt.

Je nach örtlichen Voraussetzungen kostet eine Baumpflanzung im Straßenbereich etwa 2.000 Euro und auf einer Grünfläche etwa 900 Euro, heißt es von der Stadtverwaltung. Das Grünamt sieht aktuell Potential für weitere Bäume vor allem in Gewerbegebieten oder auf Parkplätzen. Außerdem gebe es Potential für Hausbesitzer, Bäume in ihren privaten Vorgärten anzupflanzen.

von Björn Wisker