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Marburg Schnelles Netz für Schulen und Gewerbe
Marburg Schnelles Netz für Schulen und Gewerbe
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11:00 26.07.2020
Insgesamt lässt sich der Landkreis den Breitbandausbau 12,5 Millionen Euro kosten. Quelle: Thorsten Richter/Archiv
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Marburg

Mehr Bandbreite für Schulen und Unternehmen – an Planung und Ausbau der Breitband-Infrastruktur arbeitet der Landkreis bereits seit Jahren, nun ging die Umsetzung die nächsten Schritte. Mitte Mai hatte der Haupt- und Finanzausschuss per Eilentscheidung anstelle des Kreistags über eine dringliche Beschlussvorlage entschieden, um die finanzielle Förderung des Breitbandausbaus in Gewerbegebieten sicherzustellen. Das ist lange geplant und läuft bereits, bisher fehlte noch der endgültige Beschluss zur Finanzierung des Eigenanteils. Der ist nun erfolgt: Damit es planmäßig weitergehen kann, erhält das Ausbauprojekt der Breitband Marburg-Biedenkopf GmbH 1,25 Millionen Euro. Das ist der Finanzierungsanteil des Kreises, der nach Abzug der Förderung durch Landes- und Bundesmittel übrig bleibt. Dafür sprachen sich alle Fraktionen im Ausschuss einstimmig aus. Der Kreistag wurde darüber während der Sitzung Ende Juni unterrichtet.

Rückblick: In 2015 wurde der Breitband-Erstausbau im Kreis mit einer Versorgung von 95 Prozent für die Haushalte und Unternehmen mit einer Bandbreite von mindestens 25 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) abgeschlossen. Im vergangenen Jahr startete dann das Erweiterungsprojekt zum Ausbau der noch unterversorgten Gebiete – jene mit Bandbreiten von unter 30 Mbit/s. Parallel werden auch alle Schulen mit Glasfaser versorgt.

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Breitbandausbau kostet 12,5 Millionen Euro

Der Gewerbeausbau hat es in sich: Insgesamt sollen 122 Kilometer Glasfaserverbindungen im Tiefbau verlegt und 100 neue Netzverteiler aufgestellt werden. Kreisweit sind dafür insgesamt 3.336 unterversorgte Unternehmen in 75 Gewerbestandorten angemeldet, die von dem Ausbau profitieren sollen. Darunter vor allem kleine und mittlere Unternehmen, die sich in ausgewiesenen Gewerbeflächen befinden – Unternehmen in Mischgebieten sind von der Bundesförderung ausgenommen, über die auch Bundesmittel in das Projekt fließen.

Insgesamt sind 12,5 Millionen Euro für das Projekt veranschlagt. Dafür wurden über die Breitbandgesellschaft, in der sich alle Kreis-Gemeinden und Städte außer Marburg verknüpfen, Fördermittel aus dem Sonderprogramm Gewerbegebiete des Bundes beantragt, um sich 6,25 Millionen Euro und damit die Förderquote von 50 Prozent zu sichern. Gleichzeitig verhandelte der Kreis mit dem Land über eine zusätzliche Ko-Finanzierung des Gewerbe-Netzausbaus. Im Februar dieses Jahres signalisierte dann das Land mit dem sogenannten „Letter of intent“ die erforderliche Absichtserklärung und stellte fünf Millionen Euro und damit 40 Prozent der Mittel bereit. Im Mai folgten dann auch die vorläufigen Zuwendungsbescheide vom Bund.

Mit dem Beschluss über die restlichen zehn Prozent Eigenanteil des Kreises wäre nun die Finanzierung der vorläufigen Kosten gesichert. Der Beschluss wurde per Dringlichkeitsantrag gefasst, da nur noch die rechtlich abgesicherte Finanzierung des Eigenanteils offen war und die für den weiteren Ausbau nötigen Ausschreibungen auf den Weg gebracht werden sollten. Da die Sitzung des Kreistages im Mai ausgefallen war, wurde der Beschluss im Haupt- und Finanzausschuss gefasst. Das ist durch die Neufassung der Hessischen Landkreisordnung möglich, die wegen der Corona-Pandemie durch ein Eilentscheidungsrecht für die Finanzausschüsse ergänzt wurde, die dieses Recht in dringenden Fällen ausüben können, wenn eine Entscheidung des Kreistags nicht eingeholt werden kann.

Projekt trotz Corona im Zeitplan

Die nächsten Ausbau-Schritte sind bereits auf dem Weg, derzeit werde „in Kooperation mit den Kommunen das Projektgebiet beziehungsweise der Projektumfang final abgestimmt“, teilt der Landkreis auf Nachfrage mit. Als nächster Schritt sei dann die Veröffentlichung der Ausschreibung vorgesehen. Eine Vereinbarung mit einem Telekommunikationsunternehmen solle bis Ende des Jahres erfolgen.

Das Erweiterungsprojekt soll bis Herbst 2020 abgeschlossen sein, daran habe auch die Corona-Krise nichts geändert: „Alle Schulen werden bis Herbst mit Glasfaseranschlüssen und die weißen Flecken mit höheren Bandbreiten versorgt sein. Die Planungen und Genehmigungen liegen weitestgehend vor, sodass ein Projektabschluss im Herbst trotz der aktuellen Ausnahmesituation realistisch ist“, teilt die Pressestelle mit. Das Projektgebiet ist in sieben Ausbaustufen unterteilt, aktuell werde in zweien noch gebaut, in zwei weiteren noch Montagegruben geschlossen und Restmontagen erledigt. Im letzten Ausbaugebiet gehe es jetzt ebenfalls mit dem Tiefbau los.

Schulen und Gewerbe werden im Rahmen des Ausbaus mit FTTH-Anschlüssen („Fibre-To-The Home“), also mit Glasfaser bis in das Gebäude versorgt. Für private Haushalte ist ein FTTC-Ausbau („Fibre-To-The-Curb“ – Glasfaser bis an den Bürgersteig) vorgesehen. Dort bleibt die Kupferleitung vom Multifunktionsgehäuse bis zum Gebäude bestehen. Die möglichen Bandbreiten werden dort mit Vectoring oder mit Supervectoring auf bis zu 250 Mbit/s verbessert.

Von Ina Tannert

25.07.2020
25.07.2020