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Marburg 1 000 Studierende weniger an der Uni
Marburg 1 000 Studierende weniger an der Uni
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17:09 05.04.2021
Semsterstart an der Uni Marburg im vergangenen Jahr: Vorlesungen mit Abstand im Hörsaal. am Fachbereich Geographie im Audimax
Semsterstart an der Uni Marburg im vergangenen Jahr: Vorlesungen mit Abstand im Hörsaal. am Fachbereich Geographie im Audimax Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Schon im Wintersemester 2020/21 waren statt 25 000 Studierenden im Jahr zuvor nur noch 24 000 Studierende verzeichnet. Und auch im Sommersemester, in dem es traditionell deutlich weniger Studierende gibt, wird die Zahl voraussichtlich gegenüber dem Vorjahr deutlich nach unten gehen, erläuterte die Marburger Uni-Vizepräsidentin Professorin Evelyn Korn auf Anfrage der OP. Nach Schätzungen Korns wird zum Stichtag im Mai voraussichtlich eine Zahl von 21 500 Studierenden erreicht, die an der Marburger Universität eingeschrieben sind. Das wären dann rund 1 000 Studierende weniger als im Mai 2020.

Studentenzahlen: Pandemie spielt entscheidende Rolle

Zu den aktuell eingeschriebenen Studierenden zählen nach den jetzigen Schätzungen wenige Tage vor dem offiziellen Semesterstart wohl auch rund 290 Studienanfänger weniger im ersten Fachsemester. Die Frauenquote bei rund 60 Prozent und die Ausländerquote bei immer noch mehr als 10 Prozent (davon viele coronabedingt aus ihren Heimatländern im reinen Digitalstudium) bleibe wohl relativ gleich gegenüber den Vorjahren.

Als Begründung für die geringere Studierendenzahl führt Korn gleich ein ganzes Bündel an Gründen an, wobei die Corona-Pandemie durchaus eine entscheidende Rolle spiele. So könne die Corona-Lage dazu führen, dass einige Studierende jetzt ein Freisemester einlegen. Zudem gebe es schwierigere Bedingungen für ausländische Studierende in Corona-Zeiten. Aber auch potenzielle Erstsemester aus dem Inland hätten mittlerweile entdeckt, dass ein Studienstart mitten in Pandemiezeiten nicht ideal sei und dass Studieren jetzt wesentlich weniger Spaß mache als in der Vor-Corona-Ära. Immerhin seien die Studierenden auch in Marburg „nicht völlig abgeschreckt“ vom Studium. „Die Verluste in Sachen Studierendenzahlen könnten schlimmer sein“, meint die für Studium und Lehre zuständige Uni-Vizepräsidentin im Gespräch mit der OP.

Und ein gewisses „Abschmelzen“ des Studentenberges aus den Rekordjahren in den „Zehner-Jahren“ ist aus Sicht der Uni-Leitung auch nicht unbedingt eine schlechte Nachricht. „Die Universität platzt räumlich immer noch aus allen Nähten. Und wir könnten auch nicht unbedingt mehr Studierende aufnehmen“, sagt Evelyn Korn.

Die gute Botschaft: Wenn es zu der jetzt prognostizierten Studierendenzahl kommt, dann wird die im aktuellen Hochschulpakt mit dem Wissenschaftsministerium ausgehandelte Mindest-Zielgröße von Studienanfängern nicht unterschritten. Das ist dafür wichtig, dass die Höhe der Landeszuweisungen für die Philipps-Universität nicht gekürzt wird.

Auf jeden Fall ist sich die Vizepräsidentin sicher, dass die Marburger Hochschule auch weiterhin eine Präsenz-Universität bleiben werde und nicht zu einer Fern-Universität mutiert. „Denn Marburg ist eine Universitätsstadt, die auch von der Begegnung lebt. Und wir haben immer noch ein Bildungsangebot, das Studierende interessiert“, betont Evelyn Korn. Zudem werde die Lage Marburgs wegen der Nähe zur Metropol-Region Frankfurt mit ihrem größeren ulturangebot auch in der Nach-Corona-Zeit weiterhin attraktiv sein.

Allerdings werden sich die Studierenden auch im bevorstehenden Sommersemester in den Orientierungseinheiten (OE) erst einmal nicht auf die klassische Weise begegnen. Wegen der Corona-Vorgaben im aktuellen verschärften Lockdown fallen alle OE-Parties und auch die früher einmal beliebten Stadtrallyes durch die Oberstadt mit anschließenden Kneipenabenden ins Wasser.

In dieser Woche finden eine Woche vor dem Semesterstart so gut wie alle OE-Tage digital statt. Organisiert haben das wiederum die studentischen Fachschaften, die mittlerweile in Sachen „OE digital“ bereits Erfahrungen gesammelt haben. „Study Buddies“ und studentische Tutoren sollen den Neuanfängern vermehrt Hilfsangebote geben, dass sie sich im Uni-Dschungel zurechtfinden.

Für die Lehre im Sommersemester 2021 hat die Uni-Leitung ein Drei-Stufen-Konzept entwickelt, das an die Härte der aktuell geltenden Corona-Vorgaben angepasst ist. In der momentan geltenden Stufe 3 sind fast alle Lehrangebote digital, im Präsenzformat sollen fast nur die ganz dringend notwendigen Labor-Praktika stattfinden.

In Stufe 2 wären dann auch Seminare oder Kolloquien in kleiner Besetzung möglich, in Stufe 1 könnten dann auch größere Hörsäle wie das Audimax (dann mit einer Auslastung bis zu 140 Hörern) wieder genutzt werden. Aber natürlich hofft nicht nur das gesamte Marburger Uni-Präsidium darauf, dass möglichst wieder in einer Post-Corona-Ära die Stufe Null erreicht wird.

Von Manfred Hitzeroth