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Landkreis Wart' nur, bis der Booratz kommt...
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12:34 09.06.2010
Halloween-Masken haben etwas Gespenstisches, auch wenn sie eher komisch als angsteinflößend sein sollen. Quelle: Zaubervogel/www.pixelio.de
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Marburg. Finstere Gestalten lauerten den Kindern im Mittelhessischen praktisch an jeder Ecke auf. Vor allem in einer Zeit, als das Fernsehen noch nicht der Hort der schrecklichen Bilder war, sondern die Fantasie, wurden Gespenster und unsichtbare Gestalten auch für die Kindererziehung genutzt. Pädagogisch ist die Methode möglicherweise zweifelhaft, aber sehr effektiv. "In den Keller ging ich früher nur singend, denn im Kohlenkeller wohnte der "Kullmann", schreibt Rosa Kißling aus Anzefahr. Und beim Heumachen auf den Ohmwiesen bei Anzefahr wurden die Kinder gewarnt: "Ihr Keann, looft nidd so wait foadd, sonst langt ach de Grabbemann! - lauft nicht so weit weg, Kinder, sonst fängt euch der Grabbemann!"

Wer hat keine Angst, wenn einen im Dunkeln ein unbekanntes Wesen anfasst? Die Angst vor dem Unsichtbaren macht sich auch der "Steemann" oder der "Booratz" zunutze. Der "Ratz", in anderen Gegenden ein Synonym für "Ratte", bezeichnet in unserer Heimat den Iltis, wie Sprachwissenschaftler Heinrich Dingeldein erklärt. Und der ist etwa genauso beliebt wie die Ratte. Der Booratz verknüpft dann einfach den Iltis mit dem "Buh", dem Erschrecken. Mit einem Booratz oder Steemann kann man heute vielleicht keine Kinder mehr einschüchtern, aber auch wenn der Dialekt verschwindet, die Angst vor dem Unbekannten bleibt. Der Mann unterm Bett oder hinter dem Schrank ist wohl genauso zeitlos wie die Angst vorm Dunkeln.

von Gabriele Neumann

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