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Südkreis Ein Duo fürs Leben
Landkreis Südkreis Ein Duo fürs Leben
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10:00 10.04.2021
Die Zwillinge Christian (links) und Stefan Reißenweber sind seit 37 Jahren unzertrennlich.
Die Zwillinge Christian (links) und Stefan Reißenweber sind seit 37 Jahren unzertrennlich. Quelle: Ina Tannert
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Ebsdorf

Heute ist Tag der Geschwister, zwar kein offizieller Feiertag, dafür ein Tag, an dem die besondere Beziehung zwischen Geschwistern gewürdigt wird. Zwar geraten Schwestern und Brüder auch gerne mal aneinander, eine enge Verbindung bleibt aber meist von Geburt an. So war und ist es bis heute zumindest bei den Zwillingen Stefan und Christian Reißenweber.

Die 37-Jährigen sind ihr ganzes Leben schon unzertrennlich, Kindheit, Jugend, Schule, selbst Ausbildung und Beruf – alles haben sie im Duo bestritten, führen heute sogar gemeinsam ein Unternehmen. „Wir haben immer alles zusammen gemacht und schon als Kinder immer aufeinander gehangen“, erzählt Christian Reißenweber lachend. Beide sind von klein auf große Fußballfans, kickten viele Jahre in verschiedenen Vereinen, von Ebsdorf bis Wehrda, und teilten auch andere Hobbys.

Die gebürtigen Ebsdorfer traten immer und überall gemeinsam auf, hatten dasselbe Spielzeug – nur eben doppelt – und trugen häufig auch noch dieselbe Kleidung. Sie sind zweieiige Zwillinge, sehen sich dennoch zum Verwechseln ähnlich, „alle im Dorf kennen uns, verwechseln uns aber bis heute, wenn nur einer von uns da ist“, sagt Stefan Reißenweber.

Gab es in der Kindheit nicht auch geschwisterliche Reibereien? „Selten, wir haben uns schon mal gestritten, aber nach fünf Minuten war alles wieder gut.“ Selbst die Jugendzeit konnte sie nicht trennen, beide teilen auffallend viele Interessen und verfolgten selbst im Beruf denselben Weg, gingen gemeinsam bei der Marburger Firma Schütz in die Lehre zum Maler und Lackierer.

Auch als fertige Gesellen blieben sie als Kollegen in dem Betrieb. Auch da kam es noch zu kuriosen Situationen, an eine kann sich Stefan Reißenweber noch gut erinnern: Vor Jahren schickte ihn seine damalige Chefin zum Architektengespräch auf eine Baustelle, Pläne wurden besprochen, alles schien geklärt. Der Zufall wollte es, dass ihn am nächsten Tag dann der noch nicht eingeweihte Bruder vertreten musste.

Die Brüder leiten heute

gemeinsam ein Unternehmen

Der Architekt bemerkte den Unterschied nicht und war mehr als irritiert, dass sein Gegenüber scheinbar ein löchriges Gedächtnis hat. Zumindest bis zur witzigen Auflösung des Ganzen, „dann hat er meine Chefin gefragt, ob die ihre Mitarbeiter jetzt schon klonen würde“. Heute sind die Brüder ihre eigenen Chefs, Stefan Reißenweber gründete 2011 ein Kleingewerbe, vorerst alleine. Drei Jahre später kam der Bruder dazu und 2015 hoben beide die gemeinsame Firma Raumästhetik Reißenweber aus der Taufe. Darauf sind sie stolz, die Firma laufe heute mit 11 Mitarbeitern sehr gut, vor zwei Jahren gründeten sie noch einen Hausmeisterservice als zweites Standbein. Die Eigenständigkeit liege beiden, sie ergänzen sich nicht nur im Privatleben, sondern auch im Job.

Denn auch wenn sie sich derart ähnlich sind, haben beide ihre Eigenarten. „Ich bin eher der ruhige, bedachte Typ und dadurch vielleicht auch etwas kräftiger“, verrät Stefan Reißenweber grinsend. Der Bruder war da immer schon „der Draufgängertyp, er gab immer Vollgas“. Im Alltag wie im Job sehen sich die beiden ständig, auch wenn sie nicht im selben Ort wohnen – Stefan Reißenweber lebt mit Frau und Kindern in Ebsdorf, Bruder Christian mit Familie im benachbarten Leidenhofen.

Krankheit schweißt

noch enger zusammen

Viele Gemeinsamkeiten soll ja gerade bei Zwillingen auch zu einer Art geistiger Verbindung führen. Das können die Männer allerdings nicht bestätigen, auch wenn beide öfter zeitgleich dasselbe denken. Und dann gab es da doch diese schlimme Zeit in ihrem Leben, die beide gleichermaßen schockiert hat und vielleicht noch enger zusammen schweißte: Mit 25 Jahren wurde bei Stefan Reißenweber Krebs festgestellt, ein Schock für ihn und auch den Bruder.

Zudem ging auch noch eine erste Operation schief, es kam zu inneren Blutungen, nur eine sofortige Not-OP verhinderte Schlimmeres. „Das war eine einschneidende Geschichte für uns beide, ich glaube, er hat noch mehr damit zu Kämpfen gehabt als ich“, erzählt Stefan Reißenweber mit Blick auf seinen Bruder. Der nickt zustimmend, „das war richtig schlimm, zum Glück ist alles gut gegangen“.

Mit dem „Gefühlschaos“ hatten die Männer eine Weile zu kämpfen, haben das heute überwunden. Beide sind stolze Väter, haben zwei Kinder, jeweils ein Junge und ein Mädchen. Keines davon übrigens Zwilling, es heißt ja eigentlich auch, dass Mehrfachgeburten eine Generation überspringen – bei Reißenwebers sind die Brüder bisher allerdings das einzige Zwillingspaar.

Dennoch verbindet auch die Kinder viel: Lukas, der erstgeborene Sohn von Christian, und Stefans Tochter Lara haben am selben Tag Geburtstag, am 7. Dezember. Lukas kam 2004 zur Welt, sieben Jahre später dann Lara. Deren Bruder Till wurde wiederum 2017 geboren – um sieben Minuten nach sieben. Die Zahl sieben kommt bei Reißenwebers auffallend oft vor, natürlich sind auch die Väter am 7. Juli 1983 geboren.

Beide Familien sind nahezu so eng verbandelt, wie die beiden. Ihre Ehefrauen Sabine und Nicole Reißenweber arbeiten beide mit im Familienunternehmen. Und Lukas plant dort bereits eine Ausbildung. Privat und beruflich sehen sich alle sehr oft, Probleme gebe es dennoch nicht, „das ist einfach so gewachsen, sehr familiär und klappt sehr gut“, betont Christian Reißenweber. Beide können es sich auch anders nicht vorstellen, „wir verstehen uns einfach alle, und wir beide waren sowieso immer schon zusammen, und das bleibt auch so.“

Von Ina Tannert