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Südkreis Zunächst keine Hoffnung auf Tempo 30
Landkreis Südkreis Zunächst keine Hoffnung auf Tempo 30
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00:19 24.01.2019
Die Rother Straße in Wenkbach soll nach Wunsch der Ortsbeiräte Wenkbach und Niederwalgern für Lkw gesperrt werden. Quelle: Götz Schaub
Niederwalgern

Der „Klotz“ zwischen Niederwalgern und Wenkbach, die neu entstandene Logistikhalle, schweißt derzeit die beiden Ortsbeiräte zusammen, so dass sie nicht nur am Dienstag ihre Sitzungen ­gemeinsam abhielten, sondern auch schon eine weitere gemeinsame Sitzung im März planen. Das machen sie, um sich bei den Themen, die aus dieser Investition im Gewerbegebiet Wenkbach entstehen, direkt ­absprechen zu können.

Für beide Ortsbeiräte geht es nun darum, sich mit der neuen Situation durch den Bau der Logistikhalle auseinanderzusetzen und schon im Vorfeld des zu erwartenden zunehmenden Lkw-Verkehrs Ideen und Vorschläge zu entwickeln und umzusetzen, um die Bürger in den Orten zu schützen. Dabei gab es zunächst eine harte Ausbremsung für die Idee, die Ortsdurchfahrten als Tempo-30-Zone zu deklarieren.

Verkehrszählung über längeren Zeitraum

Da es sich dabei jeweils um eine Landesstraße handelt, nahm der Fachdienst Fahrerlaubnisse, Straßenverkehr und Kreisstraßen beim Landkreis Marburg-Biedenkopf dazu gegenüber der Gemeinde Weimar wie folgt Stellung: „Geschwindigkeitsreduzierungen dürfen nur dann angeordnet werden, wenn aufgrund der örtlichen Verhältnisse eine Gefahrenlage besteht, die durch ein entsprechendes geschwindigkeitsbedingtes Unfallgeschehen nachgewiesen ist. Die Umstände, die eine Reduzierung auf 30 km/h innerorts ohne qualifizierte Gefahrenlage ermöglichen, sind per Erlass geregelt. Der reine Zuwachs an Durchgangsverkehr fällt nicht unter die Regelungen des Erlasses. Somit gibt es keine Begründung für eine pauschale Geschwindigkeitsreduzierung.“

Niederwalgerns Ortsvorsteher reagierte mit Sarkasmus: „Das heißt übersetzt, es müssen erst ein paar hier umgenietet werden, bevor wir Tempo 30 bekommen.“ Die Ortsbeiräte kamen überein, den Nachweis über die Verkehrszunahme aktiv begleiten zu wollen, um auch Zahlen an die Hand zu bekommen, wie viele Lkw derzeit täglich durch die Orte fahren und wie viele nach der Eröffnung der Logistikhalle. Auch sollen diese Zahlen dazu beitragen, bewerten zu können, wie es sich mit der Lärmentwicklung in den beiden Orten verhält, machte Wenkbachs Ortsvorsteher Kurt Barth deutlich.

Dazu reiche es nicht aus, eine Verkehrszählung wie zuletzt durch die Gemeinde Weimar geschehen an einem Tag vorzunehmen. Die Ortsbeiräte möchten eine Zählung über einen längeren Zeitraum, etwa über eine Woche. Und sie möchten mit eingebunden werden, wo genau gezählt werden soll.

Lkw im Gewerbegebiet sollen extra gezählt werden

Generell möchte man auch ­eine Zählung der Lkw, die ins Gewerbegebiet fahren, dazu wäre es angebracht, auch dort eine Zählstelle einzurichten. Wenn man nur die in der Ortsdurchfahrt erfasst, können noch keine Aussagen über die tatsächlichen Lkw-Bewegungen im Gewerbegebiet getroffen werden. Zudem sehen sie Weimars Bürgermeister Peter Eidam in der Pflicht, ein „paar Zeichen zu setzen“.

So sei es dringend angeraten, jetzt nach der Fertigstellung des Kreisels, der die Lastwagen in das Gewerbegebiet führen soll, die Bahnhofstraße in Niederwalgern und die Rother Straße in Wenkbach für Lkw zu sperren und abfahrende Lastwagen aus dem Gewerbegebiet über eine entsprechende Beschilderung auch wieder über den Kreisel ausfahren zu lassen. „Es ist schon schlimm genug, dass die Lkw dann noch durch die Orte müssen, aber wenigstens die Bewohner der genannten Straßen könnte man schon mal effektiv entlasten“, sagte Heuser.

Generell sei es jetzt wichtig, dass die Bürger in den Orten sehen, dass jetzt in ihrem Sinne etwas getan wird. Die Zeit lasse sich nicht zurückdrehen, doch man kann es immer in Zukunft besser machen.

So sagte Dr. Thorsten Hoß, Mitglied des Ortsbeirats Niederwalgern und zugleich Gemeindevertreter, dass der Vorsitzende des Bau-Ausschusses Lars Plitt versichert habe, dass es ­unter seiner Führung keine Beschluss-Empfehlung mehr geben wird, ohne dass eine Stellungnahme der jeweils betreffenden Ortsbeiräte vorliegt.

Auch sollte durch entsprechende Beschlüsse des Parlaments verhindert werden, dass die Firma, die die Halle gebaut hat, Möglichkeiten einer Flächenerweiterung erhält, damit nicht noch mehr Lkw durch die Orte fahren, als nun schon bald erduldet werden müsse.

Die Ortsbeiräte erwarten, dass ihre weiteren Vorschläge zur Verkehrssicherheit, die in vorangegangenen Sitzungen unter anderem auch von Mitgliedern der Bürgerbewegung gegen Schwerlastverkehr auf der L 3093 artikuliert wurden, von der Gemeinde aufgegriffen und offensiv angegangen werden.

Florian Gegida, Sprecher der Bewegung, erinnerte  am Dienstag daran, dass in Wenkbach die Situation an der Bushaltestelle­ insbesondere für die jungen Schulkinder mit der Zunahme von Lkw-Verkehr nicht besser werde, sondern sicher schlechter. Schon jetzt verabreden sich Eltern, wer morgens jeweils eine Aufsicht führt, damit es an der Haltestelle, die sich direkt an der Straße befindet, zu keiner gefährlichen Situation mit dem Durchgangsverkehr kommt, auch wenn auf diesem Teilstück zu dieser Zeit Tempo 30 gilt.

von Götz Schaub