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Südkreis Windkraft weht Geld in die Gemeindekasse
Landkreis Südkreis Windkraft weht Geld in die Gemeindekasse
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17:00 26.01.2022
Ein Windrad steht auf einer Anhöhe. In und rund um Ebsdorfergrund nehmen verschiedene Windpark-Projekte Formen an. Das kann sich die Gemeinde nun gut durch freiwillige Zuschüsse bezahlen lassen.
Ein Windrad steht auf einer Anhöhe. In und rund um Ebsdorfergrund nehmen verschiedene Windpark-Projekte Formen an. Das kann sich die Gemeinde nun gut durch freiwillige Zuschüsse bezahlen lassen. Quelle: Boris Roessler/dpa
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Ebsdorfergrund

Mit der Windkraft hatte die Gemeinde Ebsdorfergrund wie andere Kommunen auch in den letzten Jahren nicht immer gute Erfahrungen gemacht, zu sehr spaltet das Thema die Gemüter. Finanzielle Anreize sollen das nun ein Stück weit ändern und Bürgern wie der Politik Windräder auf dem eigenen Gemeindegebiet oder in direkter Nachbarschaft schmackhafter machen.

Das regelt das im Juni 2021 aktualisierte Erneuerbare-Energien-Gesetz. Dieses ermöglicht es Firmen, die Windkraftprojekte umsetzen wollen, die Kommunen in der Umgebung (Umkreis von zweieinhalb Kilometern) freiwillig mit einem fixen Anteil am Erlös von Windparks zu beteiligen. Mehrere dieser Angebote liegen Ebsdorfergrund nun vor, mit denen sich am Montag (24. Januar) das Parlament befasste.

Erstens: Eines bezieht sich auf das bisher einzige konkreter geplante Windkraft-Projekt auf Gemeindegebiet, der Windpark bei Roßberg, wo die Firma Juwi AG auf der Windenergie-Vorrangfläche sieben Anlagen plant. Das Projekt wird indes noch durch die Behörden geprüft, nach letztem Stand war eine Realisierung im Jahr 2023 geplant.

Darlehen für gemeinsame Energie-Gesellschaft

Sollte das Vorhaben wie geplant umgesetzt werden, könne auch Ebsdorfergrund daran partizipieren und rechnet mit einem Anteil an den jährlichen Einnahmen von geschätzt 109 000 Euro für voraussichtlich die nächsten 20 Jahre. Das hatte die Firma angeboten, „wir hoffen hiermit die Akzeptanz vor Ort für das Projekt fördern und einen Beitrag für die Entwicklung der Gemeinde Ebsdorfergrund leisten zu können“, heißt es dazu in einem Schreiben der Firma an das Rathaus.

Zweitens: Darüber hinaus informierte sich das Parlament über den Stand des Windparks Rabenau, wo Juwi ebenfalls in der Gemarkung Rüddingshausen den Bau von zwei neueren Windkraftanlagen plant, um die existierenden fünf älteren Windräder zu ersetzen, berichtete Bürgermeister Andreas Schulz. Bei diesem Projekt ist Ebsdorfergrund nicht direkt, aber als Nachbar betroffen, erhält somit weniger Prozente aus dem gesamten Anteil aller Kommunen. Das wären im Jahr 6 000 Euro für die nächsten 20 Jahre.

Drittens: Auch in Homberg (Ohm) bei Deckenbach will die Juwi AG im Windpark „Amöneburg III“ eine Windkraftanlage errichten und bietet der Gemeinde eine Beteiligung von jährlich etwa 2 000 Euro an. Alle diese finanziellen Anreize richten sich dabei nach den prognostizierten Erträgen des Unternehmens – ohne Gewinn gehe auch die Gemeinde leer aus, so Schulz. Er rechnet zudem in den nächsten Jahren mit weiteren Angeboten von Windkraft-Firmen.

Darüber hinaus gibt es im Falle des Windparks bei Roßberg auch noch die Windenergiedividende, über die wiederum das Land die Kommunen an den Pachteinnahmen aus Windenergieflächen im Staatswald beteiligt. Was diesen Zuschuss angeht, war wegen der Beteiligung am Windpark in Staufenberg nicht klar, ob das für die Gemeinde als Ausschlusskriterium gilt. Nach einer rechtlichen Prüfung stehe nun fest, dass dem nicht so sei und Zuschüssen des Landes nichts entgegenstehe, berichtete Finanzwirt Norbert Mai, Direktor der J+P Gruppe.

Die Gemeindevertretung sprach sich am Ende jeweils einstimmig dafür aus, alle finanziellen Angebote der Windpark-Projektierer bei Amöneburg, Rabenau wie über die geplanten Anlagen bei Roßberg – sofern diese umgesetzt werden – anzunehmen und gab damit grünes Licht, entsprechende Verträge aufzusetzen.

Gemeinde gewährt Darlehen in Höhe von 350 000 Euro

Weiteres Windkraft-Thema war die Beteiligung an der Windpark Lumdatal GmbH (WPL) – Tochterfirma der Energiegesellschaft Lumdatal (EGL). Dieser gewährt die Gemeinde als eine der zehn Mit-Gesellschafterinnen nun ein Darlehen in Höhe von 350 000 Euro, die im Haushalt 2023 eingeplant werden. Denn die GmbH möchte laufende Bankkredite ablösen und die Finanzierung des geplanten Windparks Staufenberg über Eigenkapital der Gesellschafter decken. Das, um sowohl Zinsen zu sparen, als auch das Projekt komplett „in die eigene Hand“ zu nehmen, betonte Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller, der im Parlament das Vorhaben vorstellte. Alle als Gesellschafter beteiligten Kommunen – Ebsdorfergrund hat Anteile von 5 Prozent – beteiligen sich daran.

Auch diesem Vorhaben stimmte das Parlament mit 24 Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen zu. Und noch ein weiteres Gesellschafterdarlehen für die EGL – dieses mal zum Thema Solarenergie – brachte das Parlament auf den Weg: Weitere 50 000 Euro können aus Ebsdorfergrund an die Solarpark Fernwald GmbH als Beteiligung an dem Solarpark Buchenberg, für den die Gesellschaft ebenfalls durch eigene Mittel Fremdkapital ablösen will, fließen.

Von Ina Tannert

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