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Südkreis „Werden Firma in seinem Willen weiterführen“
Landkreis Südkreis „Werden Firma in seinem Willen weiterführen“
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09:58 29.06.2021
Kamila Vogel mit einem Foto ihres verstorbenen Mannes Wilfried. Er hatte das Unternehmen Werkzeug-Vogel 1959 in Fronhausen gegründet und starb kurz vor seinem 80. Geburtstag.
Kamila Vogel mit einem Foto ihres verstorbenen Mannes Wilfried. Er hatte das Unternehmen Werkzeug-Vogel 1959 in Fronhausen gegründet und starb kurz vor seinem 80. Geburtstag. Quelle: Foto: Andreas Schmidt
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Fronhausen

Schock und Trauer sitzen bei Kamila Vogel noch tief: Vor vier Wochen verstarb – knapp drei Wochen vor seinem 80. Geburtstag – ihr Ehemann Wilfried Vogel. Der Groß- und Außenhandelskaufmann und Diplom-Industriekaufmann hatte nach seiner Lehre zunächst bei einem Wetzlarer Unternehmen gearbeitet, „sich aber dann schnell selbstständig gemacht“, sagt Kamila Vogel.

Im Jahr 1959 gründete Wilfried Vogel die Firma Werkzeug-Vogel, war damals hauptsächlich Großhändler. Der Handel lag ihm im Blut: Schon als Jugendlicher hat er nach dem Krieg Kupfer gesammelt, das dann verkauft – „und ist mit dem Geld dafür direkt zum Metzger gelaufen, hat Fleischwurst gekauft – das war dann für die ganze Familie ein Festmahl.“

Entsprechend lief auch Werkzeug-Vogel an. „Mein Mann hat mehr Zeit auf der Straße als zu Hause verbracht, fuhr morgens weg und kam abends zurück.“ Denn Wilfried Vogel war der Kontakt zu seinen Kunden immens wichtig. Daher lieferte er Bestellung gerne persönlich aus. Millionen von Kilometern hat der Geschäftsmann im Auto zugebracht, „anfangs war er noch mit einer Ford Badewanne in Rot mit weißem Dach unterwegs – und später dann immer im Mercedes“. Denn für ihn stand fest: Nicht nur die Werkzeuge, die er verkaufte, mussten wie auch seine Firma zuverlässig sein – sondern auch seine Autos.

„Der letzte Mercedes ist jetzt zwölf Jahre alt und ist in den letzten vier Jahren nicht viel gefahren“, sagt Kamila Vogel. Dennoch hat er weit mehr als 800 000 Kilometer „auf der Uhr“. „Wenn er dem Kunden etwas zugesagt hatte, dann ist er beispielsweise nach Bayern gefahren, hat dort die Ware geholt und sie dem Kunden dann auf den Hof gebracht.“ Das sei noch immer Firmenphilosophie.

Lager im Keller

In der Zeit, bevor der Markt in Fronhausen entstand, befand sich das Lager übrigens im Wohnhaus der Vogels: im Keller. Das führte dazu, dass auch immer mal Handwerker vorbeigekommen seien, um Ware abzuholen. „Irgendwann platzte der Keller aus allen Nähten, obwohl das Haus groß ist.“ Also fiel 2003 die Entscheidung, im ehemaligen Edeka-Markt nicht nur ein Lager, sondern auch einen Verkauf einzurichten – Grundstein für Werkzeug-Vogel, wie die Firma heute bekannt ist. Zur Eröffnung kam sogar Fußballer Wolfgang Overath vorbei. Denn Wilfried Vogel war begeisterter Fußballer.

Vor drei Jahren hat sich Wilfried Vogel aus gesundheitlichen Gründen bereits aus dem Geschäft etwas zurückgezogen. In der Folge richtete sich seine Ehefrau eine Büro-Ecke im Haus ein. „Er war aber geistig immer noch voll da – und gedanklich bei der Firma bis drei Tage vor seinem Tod.“ Am 28. Mai ist Wilfried Vogel dann verstorben. Gut vier Wochen ist das nun her – und Kamila Vogel ist immer noch extrem mitgenommen.

„Manchmal denke ich, dass der Herrgott jemanden verwechselt und den Falschen zu sich gerufen hat. Wir haben immer alles gemeinsam gemacht, waren nie getrennt“, sagt sie. Dennoch müsse es nun weitergehen, und sie habe nun die Geschäftsführung übernommen. „Das hatten wir beide so festgelegt: Wer den anderen überlebt, übernimmt die Firma.“ Sie wolle diese genau im Sinne ihres Mannes fortführen, „das habe ich ihm versprochen“. Dabei kommt es ihr zupass, dass sie schon seit jeher mitgearbeitet hat. „Ich springe nicht ins kalte Wasser“, sagt sie. Dennoch ist sie nun quasi Gründerin – mit 57 Jahren. „Ich bin durchaus stolz darauf. Aber leider sind es die falschen Gründe.“ In der Firma kann sie derzeit noch nicht arbeiten, zu groß ist die Trauer.

Wie lange will Kamila Vogel die Geschäfte führen? „Das weiß ich noch nicht so genau“, sagt sie. Noch sei es nicht an der Zeit, sich zurückzuziehen. Dennoch habe sie großes Glück. Denn: Beide Töchter und beide Schwiegersöhne arbeiten bei Werkzeug-Vogel mit – eine Tochter mit ihrem Mann im Außendienst, eine Tochter mit wiederum ihrem Mann im Verkauf. „Die sind schon sehr fit.“ Die Weichen seien also gestellt, Werkzeug-Vogel ganz im Sinne des Gründers Wilfried Vogel fortzuführen.

Von Andreas Schmidt

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