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Südkreis Wenn der Chip mal versagt …
Landkreis Südkreis Wenn der Chip mal versagt …
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16:35 13.11.2020
Das Elektroauto der Schönstädterin Heidrun Wolf blieb in Fronhausen an der Ladesäule stehen, weil der Chip nicht funktionierte. Der rettende QR-Code war zu diesem Zeitpunkt an der Säule nicht vorhanden.
Das Elektroauto der Schönstädterin Heidrun Wolf blieb in Fronhausen an der Ladesäule stehen, weil der Chip nicht funktionierte. Der rettende QR-Code war zu diesem Zeitpunkt an der Säule nicht vorhanden. Quelle: Foto: Götz Schaub
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Fronhausen

Es gibt sie einfach, diese Tage, an denen vieles schief geht und man sich fragt, womit man das verdient hat. Heidrun Wolf aus Schönstadt kann da eine Geschichte erzählen. Alles begann damit, dass ihr Auto nicht wie sonst immer vollgetankt – nein, nicht vollgeladen war. Sie fährt nämlich ein Elektroauto.

Mit ihrem Mann Winfried, der den Wagen auch gerne nutzt, kam sie überein, dass es für Gießen und zurück auf alle Fälle reichen würde. Doch wurde die Frau bei Gießen, um ihren Zielort zu erreichen, über eine ausschweifende Umleitungsstrecke geschickt. Mit diesen zusätzlichen Kilometern auf dem Tacho war ihr klar, dass es zurück nach Schönstadt knapp werden würde. Sie beschloss, bei den Gießener Stadtwerken nachzuladen. „Ich rief extra dort an und fragte nach, ob das möglich wäre, weil es ja ein anderes System ist. Man sagte mir, dass es für solche Fälle einen QR-Code an der Ladesäule gebe.“ Doch damit kam sie nicht zur Freischaltung. Warum, ist ihr bis heute unklar. Ein vor Ort gefragter Pförtner wusste auch keine Antwort darauf zu geben.

Heidrun Wolf erinnerte sich, dass in Fronhausen am Bahnhof eine Ladestation der Marburger Stadtwerke steht. Als Kundin glaubte sie, damit eine Lösung gefunden zu haben, um nicht auf freier Strecke stehenzubleiben. „Das ist keine Schnell-Ladestation. Für 50 Kilometer muss man da auch drei bis vier Stunden stehen. Es war mir also klar, dass ich mich abholen lassen musste“, schildert sie.

Dann die unangenehme Überraschung: Die Ladesäule erkannte ihren Chip nicht. Also rief sie die Telefonnummer an, die auf der Ladesäule steht und Hilfe verspricht. Mit der freundlichen Person der Stadtwerke ging sie nochmal durch, was zu tun sei. Sie probierte es erneut. Der Chip blieb weiter unerkannt. Sie ließ sich schließlich abholen, der Wagen blieb an der Ladestation zurück, ohne dass er aufladen konnte. Am nächsten Tag wollte sie ihren Chip einfach wieder freischalten lassen und ging zu den Stadtwerken Marburg. Auch dort wollte der Chip nicht. Also bekam sie einen neuen Chip.

Damit ging es dann zum Auto nach Fronhausen. Allein, der neue Chip ließ sich über das Handy nicht registrieren. Also rief sie erneut die Störungsnummer an. Dort sagte man ihr dann, dass sie es über den QR-Code versuchen solle, der auf der Ladestation vorhanden sei. Nun, um die Sache „perfekt“ zu machen, war tatsächlich kein QR-Code zu finden. Sie rief nicht mehr die Nummer an. Am Ende des Tages holte ihr Mann den Wagen mit einem Anhänger aus Fronhausen ab und brachte ihn in seine Heimatgarage in Schönstadt, wo er an der Steckdose wieder geladen wurde. Winfried Wolf musste zum Glück nur Zeit investieren, den Anhänger besitzt er selbst.

Sarah Möller, Sprecherin der Stadtwerke Marburg sagt dazu: „An jeder Ladesäule befindet sich eine Störungsnummer, unter der man die Stadtwerke Marburg bei Problemen und Störungen erreichen kann. Das hat die betroffene Kundin auch getan. Da sie uns nach der neuen Registrierung allerdings nicht erneut kontaktiert hat, können wir leider noch nicht feststellen, warum das Laden mit der neuen Registrierung nicht funktioniert hat.“ Das ist aber nur die eine Hälfte der möglichen Hilfe. Die zweite funktioniert so: „Der nächste Schritt, um der Kundin kurzfristig zu helfen, wäre gewesen, dass die Kolleginnen und Kollegen der Stadtwerke oder auch vom Servicepartner Elektro Peil zur Ladesäule fahren und sie mit einem auf uns registrierten Plugsurfing-Chip freischalten. Dies ist das gängige Vorgehen, wenn die Freischaltung einer Ladesäule mit dem Kundenchip beziehungsweise QR-Code nicht funktioniert und das Weiterfahren ohne Ladung nicht möglich ist.“ Die Schönstädterin reagiert etwas überrascht: „Im Nachhinein denke ich, ich hätte viel konsequenter um Weiterhilfe bitten sollen.“ Dann wäre bestimmt auch jemand nach Fronhausen gekommen, meint sie.

Zum neuen Chip sagt sie: „Ich habe inzwischen nochmal alles am PC neu geladen und den neuen Chip erfolgreich registriert, was am Handy nicht möglich war.“ Allerdings hat sie ihn noch nicht ausprobiert. In der Regel ist der Wagen jetzt auch wieder immer voll geladen, wenn eine Fahrt ansteht. Und diese ist dann auch immer so berechnet, dass ein Zwischenstopp nicht notwendig wird.

Das Laden müsste grundsätzlich einfacher gestaltet werden, findet das Schönstädter Ehepaar. Trotz dieser Erfahrung hält es am E-Auto fest, weil es eine gute Sache sei. Die beiden würden es sehr begrüßen, wenn es flächendeckend in Deutschland einheitliche Ladesysteme gebe, die Bezahlung simpel über EC-Karte erfolgen könnte. Sarah Möller bestätigt die Unterschiede: „Die Stadtwerke Gießen arbeiten an ihren Ladesäulen nicht mit Plugsurfing, sondern mit einem anderen Abrechnungsdienstleister. In der Ladesäulenverordnung ist vorgeschrieben, dass Anbieter von Elektroladesäulen auch punktuelles Laden, also einmaliges Laden ohne Registrierung, ermöglichen müssen.“ Und zu Fronhausen sagt sie: Grundsätzlich haben wir an allen Ladesäulen QR-Codes angebracht, auch an der Ladesäule in Fronhausen. Bei der letzten Kontrolle der Ladesäule waren die QR-Codes noch vorhanden, weshalb man davon ausgehen muss, dass sie jemand entfernt hat. An der Ladesäule in Fronhausen werden die QR-Codes so schnell wie möglich wieder angebracht.“ Die OP schaute nach: Jawohl, der QR-Code ist unübersehbar an der Ladesäule angebracht worden.

Von Götz Schaub