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Südkreis Wenkbacher fühlen sich eingeschnürt
Landkreis Südkreis Wenkbacher fühlen sich eingeschnürt
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16:00 10.03.2022
Das Gewerbegebiet Nord direkt am Friedhof und im Hintergrund der Kiesabbau, der um 58 Hektar erweitert werden soll: Bei einer Ortsbegehung protestieren am Sonntag fast 100 Menschen gegen diese Ausgestaltung des Regionalplans.
Das Gewerbegebiet Nord direkt am Friedhof und im Hintergrund der Kiesabbau, der um 58 Hektar erweitert werden soll: Bei einer Ortsbegehung protestieren am Sonntag fast 100 Menschen gegen diese Ausgestaltung des Regionalplans. Quelle: Privatfoto
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Wenkbach

Der Weimarer Ortsteil Wenkbach kommt nicht zu Ruhe. Wieder werden die Bürgerinnen und Bürger durch äußere Einflüsse gestresst. Es geht um die Fortschreibung des Regionalplanes, der im Entwurf noch bis Ende dieser Woche offengelegt ist. In der vergangenen Woche nahm der Wenkbacher Ortsbeirat Stellung. Er möchte gerne drei Dinge geändert sehen. Am liebsten würde der Ortsbeirat einen Kiesabbau auf Höhe des Ortes auf der anderen Seite der Schienen erst gar nicht zur Ausführung kommen lassen. Doch ist dem Gremium klar, dass die Chancen dafür eher gering sind. Deshalb setzt es wenigstens darauf, dass es zu keiner weiteren Trockenauskiesung kommt, sondern zu einer Feuchtauskiesung.

Völlig überrascht zeigte sich der Ortsbeirat in Sachen Gewerbegebiet „Wenkbach Nord“. „Das kann hier niemand wollen“, befand Ortsvorsteherin Diana Rohe und erhielt von den Ortsbeiratsmitgliedern Zustimmung. Eigentlich hatte sich die Gemeindevertretung schon per Beschluss darauf geeinigt, die Fläche zur Entwicklung eines Gewerbegebiets von Wenkbach-Nord wegzunehmen und an die neue B 255 im Süden Niederweimars zu verschieben. Im Beschlusstext der Weimarer Gemeindevertretung heißt es dazu: „Die Gemeinde favorisiert die Neuausweisung eines Vorranggebietes Industrie und Gewerbe Planung nördlich der Bundesstraße B 255, westlich der Landesstraße L 3387 und südlich des Ortsverbindungswegs zwischen Niederweimar und Oberweimar.“ Doch dieser Beschluss blieb offensichtlich noch ohne Wirkung auf die Fortschreibung des Regionalplanes.

Keine Fläche für Wohnbesiedelung

Dafür stellte das Ortsgremium fest, dass in Wenkbach keine Fläche mehr für eine Wohnbesiedelung ausgewiesen ist. Das sollte sich wieder ändern. Ortsbeiratsmitglied Kurt Barth sieht in der Fläche zwischen der Siedlung am Berg in Richtung Dorf eine klassische Innenverdichtung. Ortsbeiratsmitglied Reinhard Karber ergänzte, dass es da auch einen genehmigten Flächennutzungsplan unter dem Namen „Niederfeld“ gebe. Noch zum Haushalt 2018 der Gemeinde Weimar hatte der damalige Ortsbeirat die Umsetzung dieses Baugebiets gefordert. Der Ortsbeirat kam einstimmig überein, in seiner Stellungnahme zu fordern, das Baugebiet wieder mit aufzunehmen. Die beiden anderen Flächen, Kiesabbaugebiet und Gewerbegebiet Wenkbach-Nord, wurden abgelehnt.

Florian Gediga, der in Wenkbach wohnt und dem Gemeindevorstand angehört, warf ein, dass das Gewerbegebiet Nord nur entwickelt werde, wenn es das Weimarer Parlament wolle. Derzeit wolle es das nicht. Und es bliebe auch immer in der Hand der Kommunalpolitiker.

Das wäre ja schön und gut, schütze aber nicht davor, dass vielleicht in zehn Jahren darüber anders gedacht werde, meinte Gero Braach von der Bürgerinitiative (BI) Lebenswertes Weimar. Wer überlege, in Wenkbach wohnen zu wollen, möchte sicher nicht mit der ständigen Angst leben, dass dort doch irgendwann ein Gewerbegebiet entstehen könnte.

Gegen Gewerbegebiet Nord

Die BI Lebenswertes Weimar ist deutlich gegen das Gewerbegebiet Nord, und mehr noch: Merle Drusenbaum macht gegenüber dieser Zeitung deutlich, dass man auch keine Verlegung nach Niederweimar-Süd wünsche. Sie sagt: „Uns geht es nicht um eine ,not-in-my-backyard-Politik’, sondern wir fordern in Zeiten der Klimakrise ein grundsätzliches Umdenken, was bedeuten muss, dass es keine weitere Ausweisung von Flächen mehr geben darf, die zukünftig noch versiegelt werden dürfen.“

Das wird Reinhard Ahrens, Mitglied der Grünen im Weimarer Parlament, gerne hören, denn er warnte auch in seiner Eigenschaft als Mitglied des Ortsbeirats Niederweimar davor, ein Gewerbegebiet in Richtung Niederweimar zu verlegen. Doch die Mehrheit der Bau-Ausschuss-Mitglieder empfahl während der Ausschuss-Sitzung am Dienstagabend in Roth, dass man nicht komplett auf ein mögliches Gewerbegebiet verzichten solle. Es soll aber weiterhin an die neue B 255 in Niederweimars Süden verlegt werden. Kurt Barth hatte im Ortsbeirat vorgeschlagen, heimische Mitglieder der Regionalversammlung mal nach Wenkbach einzuladen, damit sie vor Ort sehen, was ihre Entscheidungen für Wenkbach bedeuten können.

Am Wochenende hatte die BI Lebenswertes Weimar zudem interessierte Mitbürger zu einer Ortsbegehung zu den Themen Gewerbegebiet Nord und Auskiesung eingeladen, zu der gut 100 Menschen kamen. Dabei sagte Gero Braach von der BI: „Der vorliegende Regionalplan verkennt und leugnet die Klimakrise. Die Pläne stehen für ein rückwärtsgewandtes ,Weiter so’ und es wird ignoriert, dass wir unsere landwirtschaftlich hochwertigen Böden schon heute für die regionale Ernährung und als Wasserspeicher dringend benötigen.“ Im Bau-Ausschuss wurde festgestellt, dass sich die Kiesabbaufläche etwas von Wenkbach entfernt hat, es werde da laut Planentwurf ein Korridor zum Dorf hin freigehalten. Mathias Wolf vom Planungsbüro Fischer, das die Stellungnahme der Gemeinde Weimar erarbeitet hat, machte aber keine Hoffnung, dass der Abbau eingestellt werde. Gerade mangelt es im Land an Sand, der eben auch eine wichtige Zutat für Bauprojekte ist.

Von Götz Schaub