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Südkreis Stillstand und eine marode Brücke
Landkreis Südkreis Stillstand und eine marode Brücke
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19:57 23.10.2019
Die Fahrbahn auf der Brücke über die Bahn, die die B3 mit Niederweimar verbindet, ist schon wieder beschädigt. Quelle: Tobias Hirsch
Niederweimar

Keine neue Verkehrsführung, kein Kreisel, keine Verkehrsberuhigung – in Niederweimar hat sich innerörtlich rein gar nichts getan.

Das hat immerhin drei gewichtige Gründe. Im November 2012 wurde die B255-Ortsumgehung für Oberweimar und Niederweimar freigegeben.

Damit konnten dann neben den bereits ausgeführten Straßensanierungsarbeiten auch die Planungen zur Veränderung der Ortsdurchfahrt in Niederweimar beginnen. Nun, geplant wurde, gesprochen wurde auch viel, aber bisher wurde eigentlich nichts umgesetzt.

Hessen Mobil sieht's gelassen

Sehr frustrierend findet das Heinz-Peter Damm, Ortsvorsteher von Niederweimar. Die angedachte und eigentlich vom Ortsbeirat erwartete Änderung der Vorfahrtsregelung Ecke Huteweg / Herborner Straße lässt nicht nur auf sich warten. Sie wird gar nicht mehr von Hessen Mobil geplant.

Sonja Lecher, Sprecherin von Hessen Mobil, teilt diesbezüglich mit: „Aus rein verkehrstechnischer Sicht ist die Einmündung Huteweg auf die Herborner Straße leistungsfähig und bedarf keiner zwingenden baulichen Änderung. Auch das Unfallgeschehen ist unauffällig. Seitens des Baulastträgers (Landkreis Marburg-Biedenkopf) besteht somit kein Handlungsbedarf.“

Gemeinde fehlt Planungshoheit

Es bestehe aber die Möglichkeit, dass die Gemeinde durch bauliche Veränderungen verkehrsberuhigende Maßnahmen auf eigene Kosten durchführt. Eine einfache Ummarkierung für eine veränderte Vorfahrtsregelung sei aber aufgrund der vorhandenen Neigungsverhältnisse in dem genannten Knotenpunktbereich nicht möglich.

„Das ist der Stand, mit dem wir uns auseinanderzusetzen haben“, sagt Weimars Bürgermeister Peter Eidam. Er gibt zu bedenken, dass die Gemeinde in diesem Bereich nicht die Planungshoheit besitzt, weil nicht nur der Huteweg, sondern auch die Herborner Straße Richtung Gisselberg dem Kreis gehören. Anders sieht es mit dem Teilstück der Herborner Straße ab Huteweg in Richtung Oberweimar aus. Doch auch da tat sich nichts.

Positiver Effekt für Gewerbetreibende

Bürgermeister Eidam liefert den Grund: „Wir wollen zunächst am Ortseingang auf Höhe der Straße Altes Dorf einen Kreisel bauen, doch sind zuletzt die Herstellungskosten exorbitant gestiegen, sodass es sich für uns als nicht mehr wirtschaftlich abbildete. Die anstehenden Gespräche zum Haushalt 2020 werden zeigen, ob wir das Projekt im nächsten Jahr wieder angehen werden.“

Persönlich hält Eidam die Kreisellösung für die richtige. Das gemeindeeigene Teilstück der Herborner Straße großartig zu verändern, hält Eidam für problematisch. „Letztendlich wird es wohl immer so sein, dass alle, die aus Richtung Haddamshausen kommen, über Niederweimar fahren, um auf die B3 in Richtung Marburg zu fahren und umgekehrt“, meint Eidam. Das mache sich auch für die Gewerbetreibenden an der Strecke positiv bemerkbar.

Ziel sind zwei weitere 
Fußgängerüberwege

Der dritte Grund, warum sich nichts tut, ist der Fakt, dass die Brücke über die Bahn nicht mehr zu sanieren ist und es dort zu einem Ersatzneubau kommen wird. „Das muss komplett neu geplant werden“, sagt Sonja Lecher von Hessen Mobil.

Deshalb könne sie jetzt unmöglich einen Zeitkorridor nennen oder verbindlich darstellen, wie dann die Brückenanschlüsse inklusive Rad- und Fußweg aussehen werden. Wie „kaputt“ die Brücke mittlerweile ist, ist schon wieder zu sehen. Die erst im Juni vorgenommenen punktuellen Ausbesserungen an der Fahrbahn sind schon wieder Geschichte. Erneut mussten dort Baken aufgestellt werden.

Lecher dazu: „Insgesamt weist der Zustand des Brückenbauwerks gravierende Schäden auf, sodass ein Ersatzneubau vorgesehen ist. Aus diesem Grund werden auch zum jetzigen Zeitpunkt nur punktuell Ausbesserungen der aktuell aufgetretenen Schäden vorgenommen.“

Eidam regt Gespräche an

Ortsvorsteher Damm will den Kampf um die Vorfahrtsregelung noch nicht aufgeben. „Bei den Planungsgesprächen wurde diese Idee als machbare Option aufgezeigt, jetzt will man davon offenbar nichts mehr wissen, so geht das nicht.“ Der Ortsbeirat sei sehr enttäuscht, so Damm.

Eidam regt derweil noch mal Gespräche an, ob und wenn ja wie ein Fußgängerüberweg auf Höhe der Bäckerei geschaffen werden könne, um das gegenüberliegende Ärztehaus fußläufig besser beziehungsweise sicherer anbinden zu können.

Er sei sich bewusst, dass der mögliche Korridor aufgrund der Zufahrten zur Straße recht schmal ist. Der Ortsbeirat setzt zudem auf eine Querungshilfe in der gemeindeeigenen Herborner Straße auf Höhe der Schreinerei und des Fotogeschäfts.

von Götz Schaub