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Südkreis Umweltschützer besetzen Kieswerk
Landkreis Südkreis Umweltschützer besetzen Kieswerk
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20:00 26.03.2021
Demonstranten hatten am Freitag Fördertürme im Kieswerk Niederweimar besetzt.
Demonstranten hatten am Freitag Fördertürme im Kieswerk Niederweimar besetzt. Quelle: Foto: Andreas Schmidt
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Niederweimar

Am Freitagmorgen haben Umweltschützer zwei Fördertürme im Kieswerk des Unternehmens LaFargeHolcim in Niederweimar besetzt – mit dem Ziel, das Kieswerk lahmzulegen. Doch warum? Dazu sagt Aktivist „Momo“ im Gespräch mit der OP: „Wir haben damit ein Zeichen der Solidarität in die Schweiz geschickt.“ Genauer in die „Zone à défendre da la Colline“ – das sei eine besetzte Zone, die nun geräumt werden solle, weil dort „Holcim – die Firma, die auch hier Kies schöpft – einen Kalkbruch erweitern möchte und dafür einzigartiges Naturhabitat zerstören möchte“, so Momo.

Am frühen Morgen gegen 6 Uhr seien fünf Personen auf zwei der Fördertürme geklettert. „Sie haben somit den Betrieb lahmgelegt, haben Transparente aufgehangen und lautstark Solidarität bekundet“, sagt Momo. „Wir wollen damit ein Zeichen setzen, dass es so nicht weitergehen kann, wie es gerade läuft“, sagt er – „Konzerne wie Holcim gehören der Vergangenheit an. Es kann nicht sein, dass weiter aus Profitinteressen der Planet weiter ausgebeutet wird, vor allem von einem Unternehmen, das sich auf den Bau der Trump-Mauer beworben hat“, sagt Momo. Deshalb die Besetzung – verbunden mit einer Mahnwache.

Die Polizei sei gegen 6 Uhr informiert worden, dass sich Personen auf dem Gelände aufhalten. „Bis zum Eintreffen der ersten Polizeistreife hatten fünf Personen zwei Förderbänder erklommen. Auf einem Transparent nehmen die Menschen Bezug auf eine Waldbesetzung beziehungsweise Waldräumung bei Lausanne in der Schweiz“, teilte Polizei-Pressesprecher Guido Rehr mit. Dieses Transparent wurde gegen 8.45 Uhr bereits entfernt – Polizisten standen auf dem ersten der beiden Fördertürme und versuchten, die Besetzer zur Aufgabe zu bewegen. Eine Person wurde entsprechend auch von einem Podest auf dem Förderturm geholt und – ohne Gewalt – über einen Weg neben dem Förderband nach unten geführt.

Hätten dafür nicht Kräfte der Höhenrettung eingesetzt werden müssen? Polizeisprecherin Yasmine Hirsch sagte dazu im Gespräch mit der OP: „Zu diesem Zeitpunkt hatte der Betreiber des Kieswerks vor, Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs zu erstatten.“ Also hätten die Beamten aufgrund des hohen Geländers sowohl um das Plateau des Förderturms als auch neben des Weges parallel zum Förderband entschieden, dass es sicher sei, die Demonstrantin, „die sich auch nicht angekettet hatte“, von dem Podest zu ziehen. Sie sei dann freiwillig auf dem gesicherten Gitterweg mit den Polizisten nach unten gegangen. Die Polizisten hätten sie mit zur Wache genommen, um die Identität festzustellen. In der Zwischenzeit habe das Unternehmen jedoch gesagt, dass sie keine Anzeige erstatten würden – daraufhin hätten die weiteren vier Demonstranten eigenständig die Fördertürme verlassen. Kurz nach 10 Uhr löste sich die Solidaritätsbekundung dann auf.

Und was sagt das Unternehmen zu der Aktion? „Ich bin zunächst froh, dass diese Aktion ohne Unfälle und ohne Gewalt verlaufen ist. Wir legen an all unseren Standorten größten Wert auf Sicherheit. Mit dem ungesicherten Erklimmen von Produktionsanlagen in unserem Kieswerk haben sich die Demonstranten hier selbst in größte Gefahr gebracht“, sagt Dr. Jens Marquardt, Leiter der Unternehmenskommunikation.

Auch zum Thema Umweltschutz nimmt er Stellung: „Bei Holcim Deutschland und auch unserer Muttergesellschaft LafargeHolcim teilen wir die Überzeugung, dass die Klimakrise eine der größten Herausforderungen ist, vor denen wir stehen.“ Die Pandemie habe die Notwendigkeit unterstrichen, eine bessere Normalität zu schaffen, mit einem gerechten Aufschwung, der für alle Menschen funktioniere und die Lasten nicht ungerecht verteile. „Wir glauben, dass dies etwas ist, das wir alle gemeinsam im Dialog angehen müssen – es geht darum, mit Gesellschaft, Regierung und anderen Unternehmen in Partnerschaft zusammen zu arbeiten“, so Marquardt. Sowohl bei LafargeHolcim als auch bei der Landesgesellschaft Holcim Deutschland „arbeiten wir daran, eine nachhaltigere Zukunft zu schaffen. Aus diesem Grund haben wir uns verpflichtet, ein Netto-Null-Unternehmen zu werden und unseren Teil dazu beizutragen, die globale Erwärmung auf unter 1,5 Grad zu begrenzen“, erläutert Marquardt.

Es liefen auch in Deutschland bereits verschiedene Klimaschutzmaßnahmen, „und wir planen hier konkret weitere wichtige Zukunftsprojekte“.

Von Andreas Schmidt

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