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Südkreis Der Dorfladen schließt am Monatsende
Landkreis Südkreis Der Dorfladen schließt am Monatsende
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09:59 20.09.2018
Sebastian Ziegler (von links), Dorfladen-Mitarbeiter Ulrich Tüllmann, Martin Kaufmann und Karl Klefenz bedauern, dass der Markt bald schließen wird. Quelle: Dominic Heitz
Niederwalgern

Noch im Frühjahr hatte der Ortsbeirat an die Einwohner Niederwalgerns appelliert, mehr in dem Lebensmittelmarkt in der Dorfmitte einzukaufen. Vergeblich, denn bis jetzt ist der Umsatz nicht so weit gestiegen, dass der Betrieb wirtschaftlich sichergestellt werden könnte. So heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung des St. Elisabeth-Vereins und der Interessengemeinschaft Dorfladen.

Deshalb haben die Verantwortlichen gemeinsam entschieden, den Markt zum Ende dieses Monats zu schließen. „Es ist uns nicht gelungen, den Laden auf zukunftsfähige Füße zu stellen“, sagte Karl Klefenz vom St. Elisabeth-Verein. Der Laden spiele einfach nicht genug ein; lediglich ein Drittel des für einen wirtschaftlichen Fortbestand nötigen Umsatzes generiere der Markt derzeit. Viel zu wenig, meinen die Betreiber. Und Besserung sei auch noch nicht in Sicht.

Erlös deckt die Kosten nicht

Martin Kaufmann vom St. Elisabeth-Verein ist enttäuscht, weil er und seine Mitstreiter vieles versucht haben, um den Laden in Schwung zu bringen. „Wir haben die Preise angepasst und das Sortiment attraktiver gestaltet“, sagt er. Ein Trend hin zu besseren Zeiten sei aber nicht zu sehen. Maximal 27.000 Euro Umsatz habe der Markt im Monat eingespielt, ein einziges Mal bislang. „Wir müssen mit einer Marge von rund zehn Prozent kalkulieren“, sagt Kaufmann. Das bedeutet, dass bisher nie mehr als 2700 Euro als Erlös hängengeblieben waren. Auch das sei viel zu wenig, um Personal und andere Kosten zu decken.

Hinzu komme, dass in den Markt eigentlich investiert werden muss, um Kunden einen zeitgemäßen Standard bieten zu können, sagt Kaufmann. „Der Markt müsste komplett neu gestaltet werden.“ Der Laden sei beispielsweise nicht barrierefrei zu erreichen. Auch Parkplätze gebe es praktisch keine.

Und so steht das Projekt jetzt vor dem Ende. Sechs Menschen sind dort beschäftigt, geringfügig oder in Teilzeit. Sie alle verlieren dort ihren Arbeitsplatz. Und auch Niederwalgern verliert, und zwar eine ganze Menge, wie Sebastian Ziegler von der Interessengemeinschaft Dorfladen glaubt.

Einige Bürger sind auf das Angebot angewiesen

Nicht nur das Angebot an Dingen des täglichen Bedarfs falle weg, sagt Ziegler. Der Markt markiere auch so etwas wie die Ortsmitte, ein Platz, wo sich Menschen begegnen können, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Einen solchen Ort gebe es zukünftig nicht mehr, was sich nach Zieglers Meinung nachteilig auf die weitere Entwicklung Niederwalgerns auswirken könnte. Vielleicht sei das Dorf dann auch nicht mehr so attraktiv für andere Gewerbe oder etwa Ärzte, ganz zu schweigen von jungen Familien, die darüber nachdenken, in den Weimarer Ortsteil zu ziehen.

Zudem gebe es in Niederwalgern Menschen, die auf den Markt angewiesen sind, sagt Ziegler. Zum Einkaufen müsse man nun nach Fronhausen oder Niederweimar fahren. Das könne aber nicht jeder.

Eigentlich waren die Initiatoren des Projektes davon ausgegangen, dass es in dem Ort genügend Kaufkraft und Bedarf gebe, um einen solchen Laden betreiben zu können. „Vielleicht waren wir etwas blauäugig, als wir in das Projekt gingen“, sagte Karl Klefenz vom St. Elisabeth-Verein.
30 Euro pro Besuch nötig

Verkaufsoffener Samstag am 29. September

Vor einem halben Jahr hatte Klaus Heimann noch vorgerechnet, dass jede Familie des Dorfes für rund 30 Euro pro Woche in dem Laden einkaufen müsste, damit er sich trägt. Hei­mann ist so etwas wie ein Dorfladen-Experte und berät in ganz Deutschland Dörfer bei solchen Projekten.

Martin Kaufmann vom St. Elisabeth-Verein hat nachgerechnet, wie es sich in Niederwalgern tatsächlich verhält: Im Schnitt für zehn Euro pro Besuch wurde in dem Laden eingekauft. Da überrascht die Analyse einer Marburger Unternehmensberatung nicht weiter, die auf Basis einer Umfrage feststellte, dass es in dem Dorf „unter dem Strich ein ungewöhnlich geringes Interesse für den Laden“ gab.

Der Dorfladen wird in den kommenden Tagen seine Warenbestände herunterfahren. Der letzte verkaufsoffene Tag wird Samstag, der 29. September sein.

von Dominic Heitz