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Südkreis Täglich fließen 1,3 Terabyte durch Leitung
Landkreis Südkreis Täglich fließen 1,3 Terabyte durch Leitung
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20:38 29.10.2020
Freuen sich gemeinsam über die Digitalisierung der Gesamtschule Ebsdorfer Grund: Schüler, Vertreter des Fördervereins, des Schulelternbeirats und des Kollegiums um Schulleiter Mirko Meyerding (Zweiter von rechts) sowie der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (sitzend).
Freuen sich gemeinsam über die Digitalisierung der Gesamtschule Ebsdorfer Grund: Schüler, Vertreter des Fördervereins, des Schulelternbeirats und des Kollegiums um Schulleiter Mirko Meyerding (Zweiter von rechts) sowie der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (sitzend). Quelle: Foto: Götz Schaub
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Wo ein Wille ist, dort ist auch ein Weg. Auch wenn der steinig, staubig, steil und von einer Dornenhecke umgeben ist. Die Gesamtschule Ebsdorfer Grund hat diesen Weg seit den vergangenen Osterferien zurückgelegt und gilt seit dem Beginn des Schuljahres als zu 100 Prozent digitalisiert. Das bedeutet, überall in der Schule ist W-LAN verfügbar und alle Lehrer wie auch alle Schülerinnen und Schüler verfügen über ein mobiles Endgerät, in diesem Fall über ein iPad.

Schulleiter Mirko Meyerding ist darauf sehr stolz. Auf dem Weg zur Digitalisierung war für ihn völlig klar, kein Stückwerk betreiben zu wollen, etwa nur einzelne Klassen mit Geräten auszustatten. „Wenn, dann alle“, sagt er. Unter dieser Zielsetzung begann dann die Arbeit. Denn eins war auch klar: Ohne die Unterstützung der Eltern wäre das auch nicht zu machen gewesen. Deshalb wurde auf Transparenz geachtet, jeder sollte wissen, wo die Reise hingehen soll. Letztendlich verzeichnete Meyerding ein einstimmiges Ergebnis für das Vorhaben in der Gesamtkonferenz und in der Schulkonferenz. Damit war der Weg frei für die eigentliche Arbeit, die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass die Schülerinnen und Schüler in diesem Schuljahr damit beginnen können, digitales Lernen als neuen Alltag zu begreifen und anzunehmen.

Eltern ins Boot geholt

Meyerding gibt aber auch zu, dass es viel Arbeit kostete, wirklich alle Eltern mit ins Boot zu bekommen. Gerade auch unter dem Gesichtspunkt der Finanzierung der Geräte. „Da wurden sehr individuelle Lösungen gefunden. Man stelle sich nur vor, eine Familie hat gerade drei Kinder auf der Schule, die mal eben so jeweils ein iPad benötigen“, sagt Meyerding. Er berichtet auch von einem Einzelfall, bei dem es eigentlich, aber vehement und unversöhnlich, nur um die Marke ging. Auch dort wurde eine Lösung gefunden. Die vorgeschaltete Elternumfrage erbrachte eine Zustimmung von 88,7 Prozent. „Damit war klar, dass wir es versuchen können“, sagt der Schulleiter und freut sich, dass es geklappt hat. Er möchte auch betonen, dass es keine Beziehungen zur ausgesuchten Firma der Endgeräte gibt, aber die Wahl musste ja auf irgendeins fallen. Wichtig war ihm nur, dass alle die gleichen technischen Voraussetzungen und mit den gleichen Programmen arbeiten können.

Nun, mit Wiedereinstieg nach den Herbstferien sind die Schüler schon sehr weit im Umgang mit dem iPad gekommen. Was alles mit den Geräten möglich ist, zeigten die Schüler Frauke und Lea aus der 9. Klasse und Juliano aus der 7. Klasse. So gab es die Geschichte von Ikarus als selbst kreierten „Comic“ zu sehen und den Zauberlehrling von Goethe als kleinen Trickfilm, der aus unzähligen Fotos zusammengebaut wurde. Natürlich sieht die Alltagsarbeit schon ein bisschen anders aus. Dabei geht es darum, dass alle Schüler alle Lernmaterialien bequem abrufen können, immer wissen, wo sie ihre Aufgaben finden und bearbeiten können.

Das hat dann schon weitreichende Konsequenzen. Verschiedene Ausreden-Klassiker bei vergessenen Hausaufgaben ziehen dann einfach nicht mehr. Schwer vorstellbar, dass der Hund das iPad zerfleddert hat. Niemand kann mehr sagen, dass man ihm dies oder das nicht gesagt habe, wenn es doch jederzeit über die bekannten Kanäle abrufbar ist. So viel zu den „Nachteilen“ für Schüler.

Die Vorteile: Es wächst ein neues Lernverständnis, eine neue Lernkultur heran. Wissen wird nun mehr denn je im Team angeeignet. Die Zeiten, in denen man sich im Mathe-Unterricht bequem zurücklehnte und einige wenige engagierte mit der Lehrkraft irgendwelche komplizierten Aufgaben an der Tafel rechnen ließ, sind Vergangenheit. Jetzt hat jeder die Aufgabe auf seinem digitalen Gerät und muss mitrechnen, was ja im besten Fall dazu führt, dass man dabei das Rechenprinzip versteht und tatsächlich bei anderen Aufgaben dann anwenden kann. So sieht das auch Meyerding. Über den Wissensempfang und der Verarbeitung entsteht die Möglichkeit der Anwendung. Ein Stück weit muss jedem Schüler klar sein, auch selbstständig zu lernen. Für Fragen stehen die Lehrer nach wie vor zur Verfügung. „Siri“ bleibt in jedem Fall ausgeschaltet.

In jedem Klassenraum gibt es neben der klassischen Tafel nun auch einen großen Bildschirm, auf dem die Arbeitsschritte und Themen zu sehen sind, die gerade bearbeitet werden. Über diesen Monitor können Schüler auch ihre Ergebnisse anderen präsentieren, Referate und Powerpoint-Präsentationen halten.

Meyerding dankt nicht nur den Eltern, sondern auch dem Förderverein für die finanzielle Unterstützung. „Wir haben alle mitgenommen, es ist wegen der Digitalisierung kein Schüler von der Schule genommen worden, es ist kein Lehrer deswegen gegangen.“ Als ein kleines Wunder bezeichnet er die technische Umstellung an der Schule. „Vor zwei Jahren hatten wir hier eine 16-MB-Leitung für die ganze Schule. Jetzt fließen hier 1,3 Terabyte täglich durch die Leitung.“

Die Schule will sich aber nicht nur als eine Digital-Insel sehen, sondern auch die Verbundschulen mitnehmen, die weiterführende Schule, aber auch die zuführenden Grundschulen. Damit die Schüler auch fundiert unterstützt werden können, haben sich schon viele Lehrer wie Christine Simon, Mitglied der AG Digitalisierung, frühzeitig weiterbilden lassen, damit der Wissenstand im Kollegium auch hoch ist. Simon ist begeistert, wie schnell die Schüler das Lernen mit dem neuen Gerät für sich entdecken.

Es bleibt noch viel zu tun

Und trotzdem bleibt noch sehr viel Arbeit übrig. Denn wenn strukturell gelernt werden soll, muss auch die Organisation auf den Geräten stimmen. Da trauen sich einige noch ein bisschen zögerlich ran. Marian Zachow, als Erster Kreisbeigeordneter auch Schuldezernent, freut sich über die Entwicklung an der Gesamtschule Ebsdorfer Grund: „Wir müssen und wollen die Digitalisierung gestalten und voranbringen.“ Er sieht in der Digitalisierung der Schulen einige neue pädagogische Chancen, Schüler effektiv zu fordern und zu fördern.

Und die Digitalisierung in diesem Umfang hat noch ein Vorteil, der gerade jetzt wichtig ist: Durch das iPad und die Programme bleiben alle Schüler und Lehrer miteinander vernetzt, egal, ob sie zu Hause sind oder in der Schule.

Von Götz Schaub

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