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Südkreis Steine, die Familiengeschichte erzählen
Landkreis Südkreis Steine, die Familiengeschichte erzählen
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14:38 30.09.2020
Gunthram Schenk zu Schweinsberg (von links) , Ehefrau Beate, Bürgermeisterin Claudia Schnabel, Peter Eidam von der Region Marburger Land und Restaurator Jan Trautmann in der neu gestalteten Dauerausstellung von historischen Grabsteinen. Quelle: Götz Schaub
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Fronhausen

Alte Grabsteine erzählen Familiengeschichten. Es lassen sich Tragödien ablesen, aber auch mal ein glücklicher Kindersegen. Die Steine, die, aus welchen Gründen auch immer, weit über ihre übliche Zeit auf den Friedhöfen verblieben sind, gelten heute als „historisch“ und werden nicht selten geschichtlich, etwa für die Erstellung einer Dorfchronik, als „Quelle“ genutzt.

Je nach Lagerungsort weisen insbesondere die Grabsteine aus Sandstein zahlreiche Beschädigungen auf. So auch in Fronhausen. Dort fristen sie aber nicht mehr ein unbeachtetes Dasein und sind auch nicht mehr Wettergelüsten ausgesetzt, die ihnen bisher mehr oder weniger arg zugesetzt haben.

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Ganz im Gegenteil, sie bilden jetzt zusammen den Kern einer kleinen Ausstellung. Und die ist in der ehemaligen Abfallgrube neben der evangelischen Kirche eingerichtet worden. Die Grube wurde geleert und mit einem neuen Kopfsteinpflaster-Boden überbaut, ehe sie auch noch überdacht wurde.

An den Wänden sind nun die Grabsteine befestigt und können dort eingehend betrachtet werden. Bildhauer Jan Trautmann aus Marburg-Hermershausen, der zugleich Restaurator ist, hat in zahlreichen und langwierigen Arbeitsschritten die Steine auf ihrem Ist-Stand „eingefroren“. Das bedeutet, sie sind nicht erneuert und im Schriftbild verbessert worden, sondern eben so geblieben, wie sie sind, allerdings ohne weiter Gefahr zu laufen, in nächster Zeit mehr Schaden zu nehmen.

Bürgermeisterin sieht Beitrag zur Identität

„Zum Teil war der Zustand der Steine sehr schlecht, sie waren bröselig und von Rissen durchzogen“, sagt Trautmann. Jetzt sind sie wenigstens stabilisiert. Ihre Übersiedlung in den geschützten Raum wird zudem dazu beitragen, dass sie jetzt alle Zeit der Welt haben, richtig historisch zu werden.

Die Steine sollen zugänglich sein, wenn die Kirche, die am Programm „Offene Kirche“ teilnimmt, selbst geöffnet hat. Der von der evangelischen Kirchengemeinde eingesetzte Projektbeauftragte Gunthram Schenk zu Schweinsberg ist sehr froh über die Lösung, dass die Hälfte der Herstellungskosten in Höhe von 30.000 Euro über die Region Marburger Land gefördert wurde.

Die politische Gemeinde Fronhausen, so Bürgermeisterin Claudia Schnabel, sieht in dem Projekt auch einen Beitrag, die eigene Identität in Fronhausen zu wertschätzen. Sie sagt: „Es sind für Betrachter von auswärts sicher attraktive Grabsteine, für uns Fronhäuser sind sie aber auch Teil unserer eigenen Geschichte.“

Stein mit Novalis-Gedicht zu sehen

Oftmals gebe es noch Nachfahren in Fronhausen von jenen Menschen, die auf den Grabsteinen genannt sind. Die kleine Ausstellung soll einladen, sich auch die Zeit zu nehmen, über Leben und Tod nachzudenken, und so gehört als Gegengewicht zu den Grabsteinen auch das alte Taufbecken der Kirche zur kleinen Ausstellung.

„Es ist schön, wenn solche Projekte aus der Dorfgemeinschaft heraus entstehen“, sagt Peter Eidam, nicht als Bürgermeister der Nachbargemeinde Weimar, sondern als Vorsitzender der Region Marburger Land. Welchen Stellenwert diese Ausstellung für die Fronhäuser hat, wurde zudem deutlich, als eine Familie einen bei sich gelagerten Grabstein für diese Dauer-Ausstellung zur Verfügung stellte. Zu sehen gibt es dort übrigens auch den Stein mit dem Novalis-Gedicht.

Im nächsten Jahr, so kündigt Gunthram Schenk zu Schweinsberg an, sollen weitere Informationen zu den Grabsteinen über einen QR-Code direkt aufs Handy gebracht werden können. Weitere interessante Grabsteine lassen sich auch noch außen am Chor der Kirche finden. Diese wurde vor gut 20 Jahren aufwendig restauriert.

Von Götz Schaub

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