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Südkreis „Es gibt hier kein wahr oder falsch“
Landkreis Südkreis „Es gibt hier kein wahr oder falsch“
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13:58 21.08.2021
Das Parlament Fronhausen hat in einer Sondersitzung entschieden, dass die Planungen für das Sportzentrum vorerst weitergehen. Mehr als 40 Zuhörer verfolgten die Sitzung.
Das Parlament Fronhausen hat in einer Sondersitzung entschieden, dass die Planungen für das Sportzentrum vorerst weitergehen. Mehr als 40 Zuhörer verfolgten die Sitzung. Quelle: Ina Tannert
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Fronhausen

Dermaßen gut besucht ist eine Parlamentssitzung höchst selten, wie es die Sondersitzung der Gemeindevertretung Fronhausen am Donnerstagabend war. Die Sitzung in der Sommerpause hatte nur das eine Thema, das die Gemüter in der Gemeinde bewegt: Sollen die begonnenen Planungen rund um ein neues Sportzentrum erst einmal weiterlaufen oder nicht?

Es ging (noch) nicht darum, ob das polarisierende Bauprojekt am Ende durchgeführt wird, denn dazu fehlt die endgültige, vor allem finanzielle Entscheidungsgrundlage. Das hoben alle Fraktionen an dem Abend hervor, die sichtlich darauf bedacht waren zu betonen, dass abweichende Meinungen bei dem sensiblen Thema völlig verständlich seien und die Debatte friedlich vonstatten gehen müsse.

Grundlage dafür waren die in der vorangegangenen Ausschuss-Sitzung bereits gestellten, leicht redaktionell aufbereiteten Änderungsanträge, einer von der CDU, ein gemeinsamer von SPD und der IF (die OP berichtete). Letzterer wurde nochmal angepasst, so dass nun beide Fraktionen im Zeitstrahl des Förderprogramms noch einen Schritt zurücktreten und die Planungen nur bis zur sogenannten „Leistungsstufe 2“ fortsetzen wollen.

Das bezieht sich darauf, wie viel Geld die Gemeinde in die Hand nehmen soll, um Unterlagen und Antragstellung für die Bundesförderung vorzubereiten. Für die Leistungsstufe 3 wären das etwa 70000 Euro, in der Phase würden auch bereits die Bauunterlagen erstellt. Für die vorherige Stufe 2 brauche es etwa 30000 Euro, dabei geht es um die Aufstellung der Antragsunterlagen.

Zumindest bis dahin sollen die Planungen nach Ansicht von SPD und IF weitergehen, auch um die hohe Förderung – die Gemeinde rechnet mit einer Million Euro – nicht zu gefährden. Es bringe nichts, das Ganze von vornherein zu stoppen, um am Ende „den Spatz in der Hand zu halten“, hob Heiko Fischer (SPD) seine persönliche Meinung hervor. Alle Ansichten zum Thema Sportzentrum, ob Neubau oder Sanierung des Bestands, hätten dabei „ihre Berechtigung, es gibt hier kein wahr oder falsch“.

Die endgültige Entscheidung werde das Parlament zu einem späteren Zeitpunkt treffen. „Wir stimmen heute nicht über ein Sportzentrum ab, wir stimmen für eine Planung ab“, betonte auch Martin Wenz (IF). Ebenfalls im Antrag enthalten ist eine Kostenschätzung für die grundhafte Sanierung von Hart- und Rasenplatz. Das sei notwendig, um im doppelten Sinne die Kostenlage einschätzen zu können, sowohl für eine Ertüchtigung des Bestands wie für den Neubau eines neuen Kunstrasenplatzes.

„Ich weiß nichts über die Kosten, deswegen würde ich heute nie die Hand heben, um ein Sportzentrum zu beschließen“, so Wenz. Wenn denn einmal die Finanzierungspläne vorliegen, „dann setzen wir uns hier zusammen und beschließen darüber“. Neu in den Antrag aufgenommen wurde nun auch eine 100-Meter-Sprintstrecke, die in die bisherigen Pläne integriert werden soll.

CDU möchte Pläne vorerst auf Eis legen

Die CDU hob hervor, dass auch die anfallenden Gemeindemittel für den Unterhalt dringend Teil der Kostenanalyse werden sollten. Die Fraktion spricht sich als Einzige dafür aus, die Planungen, Ausschreibungen und Vorbereitungen für den Förderantrag „vorerst nicht weiter zu verfolgen“. Stattdessen solle geprüft werden, ob der erhoffte Zuschuss auch noch für die Sanierung von Rasen-, Hartplatz und Leichtathletikanlage akquiriert werden könnte.

„Wir wollen diese Plätze, so wie sie jetzt sind, erhalten“, betonte Ulrich Zick (CDU). Seiner Meinung nach könne sich die Gemeinde außerdem den Neubau sowie die Erhaltung des geplanten Kunstrasenplatzes nicht leisten. Investitionen sollten eher in den jetzigen Bestand gesteckt werden, damit die Vereine als Nutzer davon profieren könnten.

In Richtung Erhaltung des Status quo gingen auch Stellungnahmen von Vereinen, etwa der SG Fronhausen, wobei die Fußball- und Leichtathletikabteilung verschiedener Meinung sind, die Fußballer einen neuen Platz begrüßen würden. Schützenverein und Verkehrs- und Verschönerungsverein stehen dem Neubau kritisch gegenüber, Vertreter beider Vereine hatten die Pläne zuletzt abgelehnt, befürchten mögliche Störungen des Vereinsbetriebs.

Im SPD/IF-Antrag enthalten ist ebenfalls die Erstellung eines Bodengutachtens für das derzeitige Sportgelände am Stollberg. Das kritisierte Zick, er könne diesen Punkt nicht nachvollziehen, „das Geld könnten wir uns eigentlich sparen“. Dem widersprach Heiko Fischer: Der Verkauf des Geländes an den Hainbuchen als Bauland sei eine Grundlage für die Finanzierung der Sportzentrum-Pläne. Mehr als 50 Prozent der Gesamtkosten sollen über den Verkauf gedeckt werden. Ob das realisierbar ist, soll gerade das Gutachten prüfen. Es sei denn, man wolle den Plan direkt wieder verwerfen, betonte Zick.

Das wollen SPD und IF nicht von vornherein ausschließen, was am Ende in der Abstimmung deutlich wurde: Der CDU-Antrag wurde bei sieben Ja-Stimmen, 13 Nein-Stimmen und einer Enthaltung abgelehnt. Der gemeinsame Beschlussvorschlag von IF und SPD wurde mit 14 Ja-Stimmen, einer Nein-Stimme und sechs Enthaltungen angenommen.

Bis wann die geforderte Kostenschätzung vorliegen wird, steht noch nicht fest. Bis zur regulären Sitzung des Parlaments am 9. September wohl nicht, schätzt Bürgermeisterin Claudia Schnabel. Die ersten Pläne müssten im November schriftlich vorliegen. Da die Zeit dränge, könnte es also auf eine weitere Sondersitzung im Oktober hinauslaufen.

Von Ina Tannert

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