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Südkreis Spontane Hilfe nach Vandalismus-Fall
Landkreis Südkreis Spontane Hilfe nach Vandalismus-Fall
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16:25 11.07.2021
Die frisch sanierten Bänke probierten aus: Tobias Kindermann (von links), Pierre Schauzer und vom Ebsdorfer Ortsbeirat Ralf Lemmer, Marita Staubitz, Mario Luther und Klara Kaiser.
Die frisch sanierten Bänke probierten aus: Tobias Kindermann (von links), Pierre Schauzer und vom Ebsdorfer Ortsbeirat Ralf Lemmer, Marita Staubitz, Mario Luther und Klara Kaiser. Quelle: Ina Tannert
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Ebsdorf

Während die Kinder auf den Spielgeräten toben, können Eltern nun wieder entspannt Platz nehmen und den Schatten der Bäume auf dem Spielplatz in Ebsdorf hinter der Grundschule genießen. Die beiden Bank-Tisch-Kombinationen stehen dafür nun wieder frisch repariert bereit.

Ende März sah das noch ganz anders aus, da kam es zu einem Vandalismus-Fall auf dem Spielplatz: Unbekannte hatten dort an verschiedener Stelle gewütet, Teile der massiven Holzbänke und andere Gegenstände zerstört, Schaukelsitze angesägt und auf dem Gelände Scherben verteilt, vom Boden bis zur Rutsche. Wutentbrannt hatte Ortsvorsteher Mario Luther aufgeräumt und dann im Namen des Ortsbeirats über den Fall in den sozialen Netzwerken berichtet – und er erhielt prompt ein Hilfsangebot.

Tobias Kindermann aus Stadtallendorf fand den Beitrag im Netz und bot sofort an, das nötige Holz für die Reparatur der Bänke bereit zu stellen und auch die Montage zu übernehmen. Mithilfe von Kumpel Pierre Schauzer entfernte er dann auch gleich alle alten Latten und brachte neue Fichtenbretter an. Das kostete Zeit, die beide Männer gerne in mehreren Arbeitseinsätzen für die gute Sache opferten, „etwa 20 Stunden und drei Kisten Bier hat uns das gekostet“, berichtet Kindermann grinsend. Allerdings auch etwas mehr, das Material war nicht billig und kostete – gerade bei der derzeitigen Marktlage – rund 600 Euro, die der Stadtallendorfer samt Arbeitsstunden spendete.

Frust am Spielplatz ausgelassen

Kindermann tut das mit einem Schulterzucken ab: „Ich hab das gerne gemacht, das ist mein Ding, ich bin eben so erzogen worden.“ Als er den „Wut-Artikel“ im Netz sah, reagierte er sofort, „denn so etwas geht gar nicht und dann auch noch auf einem Spielplatz“, ärgert er sich über die Zerstörungswut der weiterhin unbekannten Täter. „Jeder denkt nur noch an sich, die Pandemie hat das nicht besser gemacht, eher schlechter – ich fürchte, das war nicht das letzte Mal.“

Das abseits und etwas versteckt gelegene Gelände habe anscheinend dazu eingeladen, den eigenen Frust am Spielplatz auszulassen, seitdem sei nichts mehr passiert. „Vielleicht haben sich einige gedacht, dass hier nun erst recht ein Auge drauf geworfen wird“, berichtet Luther.

Frisch lasiert und wieder mit stabilem Sitz stehen die Bänke nun an ihren angestammten Plätzen und sind „fast wie neu – im Namen aller Nutzer des Spielplatzes sagen wir Danke“, freut sich der Ortsvorsteher. Bei der Übergabe der Bänke gab es als Geschenk für den hilfsbereiten Handwerker noch eine Werkzeugkiste, die, so hoffen alle Beteiligten, trotzdem nie für neue Reparaturen auf dem Spielplatz zum Einsatz kommen muss.

Von Ina Tannert