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Südkreis Das nächste Ziel heißt Südtirol
Landkreis Südkreis Das nächste Ziel heißt Südtirol
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00:17 15.05.2019
Die frühere Dirigentin Martina Ferreira Vera (Zweite von links) hat ihre alten Kollegen zusammengetrommelt, unter den rund 30 Aktiven sind auch Martina Klein (von links) mit Tochter Milena sowie Sandra Claar. Quelle: Tobias Kunz
Leidenhofen

Wenn Martina Ferreira Vera an den Jugendspielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Leidenhofen zurückdenkt, erinnert sie sich vor allem an drei Fahrten zu einem ganz bestimmten Ort. In Sarnthein im Südtiroler Sarntal haben die jungen Musikanten in den 1980er- und 1990er-Jahren ihre schönste gemeinsame Zeit erlebt. „Sarnthein ist unser Zuhause“, sagt Ferreira Vera. Dort zelteten, spielten und lachten die jungen Leidenhofer mit den Einheimischen – und das bei mitunter sehr schlichten Verhältnissen. Das Waschhaus beispielsweise, erinnert sich Ferreira Vera, war ein provisorischer Holzverschlag am durch den Ort verlaufenden Fluss Talfer. „Das ist heute unvorstellbar“, sagt sie.

Rund 13 Jahre lang dirigierte Ferreira Vera den Jugendspielmannszug, hob den Tambourstab im Takt auf und ab. Zwischenzeitlich musizierten mehr als 50 Menschen zusammen in Leidenhofen. Doch 1998 löste die Feuerwehr den Spielmannszug etwa 21 Jahre nach der Gründung wieder auf. Der Grund: Aus den jungen Musikern waren mittlerweile Erwachsene geworden, die andere Verpflichtungen hatten und nicht mehr genügend Zeit der Musik widmen konnten.

Das gemeinsame Musizieren hörte auf, der Kontakt brach untereinander aber nicht ab – auch wenn viele mittlerweile nicht mehr in Leidenhofen wohnen. „Immer wenn wir uns irgendwo gesehen haben und dort ein Marsch gespielt wurde, haben unsere Augen gestrahlt“, sagt Ferreira Vera. Und so nahm die frühere Dirigentin ein spezielles Jubiläum zum Anlass, ihre ehemaligen Kollegen wieder zusammenzutrommeln.
Frühere Dirigentin: „Ich hatte Tränen in den Augen“

Ziel: Zum Jubiläumsfest wieder auftreten

Im vergangenen Jahr feierten die Leidenhofer das 1 000-jährige Bestehen ihres Ortes. Zwei Jahre zuvor versammelte Ferreira Vera ihre alten Kollegen in der Leidenhofer Gastwirtschaft Kutsch. Mehr als 30 kamen. „Ich hatte Tränen in den Augen“, sagt Ferreira Vera. In der Kneipe hatte der Jugendspielmannszug 1978 seinen ersten Auftritt.

An diesem Abend entschlossen sich die Anwesenden, den Spielmannszug neu aufzulegen. Das Ziel: Am Jubiläumsfest wollten sie wieder zusammen auf der Bühne stehen. Zum Glück für die Musikanten hatten viele Instrumente den Ort nie verlassen. Einige tauchten bei Privatleuten wieder auf. Den größten Fund machte Ferreira Vera jedoch bei einer Hausräumung.

Nachdem Konrad Otto, der den Jugend-Spielmannszug von 1977 an betreut hatte, gestorben war, entdeckte Ferreira Vera in dessen Haus zehn nagelneue Flöten – und ihren Tambourstab, mit dem sie selbst die Musikanten dirigiert hatte. Weitere Instrumente liehen sich die Leidenhofer bei befreundeten Gruppen.

Seit 2016 proben sie wieder wöchentlich. Und das mit schnellem Erfolg. Das musikalische Können sei schnell wieder aufgeblitzt, sagt Ferreira Vera. Eine Lyra-Spielerin beispielsweise habe nach zwei Versuchen ein Lied direkt aus dem Kopf spielen können.

Und so verwundert es auch nicht, dass das Ziel, bei der 1 000-Jahr-Feier zu spielen, voll auf ging. Die Musikanten traten sogar an mehreren Tagen auf. Der Höhepunkt: Beim ersten Mal spielten sogar zwei Gäste aus Sarnthein mit.

Übungsleiter wird gesucht

Aktuell besteht der Spielmannszug aus zwanzig Erwachsenen, die auch früher aktiv waren, sowie sieben Kindern. Die Musikanten gehören mittlerweile zum Heimat- und Kulturverein, finanzieren sich vorrangig aber durch Spenden. Von der Firma Kress erhielten sie T-Shirts, die Jacken finanzierten das Pflegeheim „aus gutem Grund“, Raumästhetik Reißenweber, der Elektriker Matthias Kuhl, der Schaustellerbetrieb Ahlendorf sowie die Gemeinde.

Vieles ist bereits da, doch eins fehlt den Musikanten noch: ein Übungsleiter. Fünf Märsche von früher haben sie sich zwar selbst beigebracht, bei neuen Stücken wünscht sich Ferreira Vera aber Unterstützung. Zum Beispiel bei „Dem Land Tirol die Treue“.

Das Stück üben die Musikanten für ihr nächstes Ziel: Im August wollen sie wieder nach Sarnthein fahren, mit rund 20 Personen; etwa 27 Jahre nach dem letzten Besuch. Ferreira Vera nennt es „die vierte Klassenfahrt“. Geht es nach ihr, sollen weitere folgen.

von Tobias Kunz