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Südkreis Die Mülltonne, die mitdenkt
Landkreis Südkreis Die Mülltonne, die mitdenkt
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15:58 12.08.2021
Wie trennt man Müll richtig? Dieser Frage ging Sophie Herrmann gemeinsam mit einem Team ihrer Schule nach. Heraus kamen eine intelligente Mülltonne – und der zweite Platz beim Deutschen Gründerpreis für Schüler.
Wie trennt man Müll richtig? Dieser Frage ging Sophie Herrmann gemeinsam mit einem Team ihrer Schule nach. Heraus kamen eine intelligente Mülltonne – und der zweite Platz beim Deutschen Gründerpreis für Schüler. Quelle: Foto: Andreas Schmidt
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Niederwalgern

Die Idee ist spannend: Ein Abfalleimer erkennt anhand von Kameras und künstlicher Intelligenz (KI), welcher Müll eingeworfen werden soll – und öffnet die entsprechende Klappe, ermöglicht so eine sortenreine Mülltrennung. Gibt’s doch gar nicht? Stimmt. Aber erfunden ist das System schon – Schülerinnen und Schüler der Internatsschule Schloss Hansenberg in Geisenheim haben „SepaCAN“ entwickelt und damit den zweiten Platz beim Deutschen Gründerpreis für Schüler gewonnen. Mit dabei: Sophie Herrmann aus Niederwalgern.

Wie kommt man auf eine solche Idee? „Eigentlich fing alles mit Bio-Müll an“, erinnert sich die 18-Jährige. Denn das Internat lege viel Wert auf Nachhaltigkeit, es gebe sogar einen Nachhaltigkeits-Wettbewerb, „bei dem es etwa Punkte für die Mülltrennung gibt“, sagt Sophie Herrmann. Doch gibt es an der Schule keine Bio-Mülltonne. Wohin also damit? „Dadurch ist uns in der WG aufgefallen, dass wir gar nicht genau wussten, wie wir Müll richtig trennen.“ Kommt eine Dose ins Recycling, in den Restmüll – oder ist der Grüne Punkt drauf? „Das will man ja nicht jedes Mal googlen“, sagt Herrmann.

Dann kam der Gründerpreis – und es kam den Schülern die Idee, „dass es ja nicht nur uns so geht mit dem Müll“. Also wurden zunächst die Mitschüler befragt, dann ging es in die Recherche. „Und dabei haben wir festgestellt, dass Mülltrennung ein sehr großes Problem ist. Denn die Fehlwurfquoten sind immens hoch“, weiß Sophie Herrmann. Mehr als die Hälfte der Abfälle in Deutschland landen in der falschen Tonne – was dazu führt, dass Recycling nicht funktioniert, die Umwelt Schaden nimmt und weit mehr Ressourcen verbraucht werden, als nötig. Durch die Recherche wurde dem Team „Separe“, bestehend aus Sophie Herrmann, Emma-Josephine Werner, Anna-Luisa Weil, Magnus Saurbier und Paulina Hedler klar, dass das Problem der Mülltrennung hauptsächlich den öffentlichen Abfall betrifft. „In Privathaushalten klappt das ganz gut“, weiß die Niederwalgernerin. „Aber in öffentlichen Mülltonnen etwa in der Stadt landet alles durcheinander.“ Ausnahmen seien beispielsweise Bahnhöfe oder Flughäfen, wo es getrennte Müllfächer gebe. Doch das reicht „Separe“ nicht.

Doch wie kann ein Abfalleimer dabei helfen, das Mülltrennungsproblem im öffentlichen Raum zu lösen?

Fotos und KI helfen beim Erkennen des Mülls

Durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Denn der High-Tech-Mülleimer erkennt mithilfe von Fotosensoren und der KI, welcher Müll eingeworfen werden soll – und öffnet die richtige Klappe. Dadurch landet alles genau dort, wo es hingehört.

Die Idee war also geboren – doch der Weg dahin nicht leicht. Denn zunächst musste der Abfalleimer ja intelligent werden. „Magnus hat die Erkennung programmiert“, erzählt die Schülerin. Und auch die Technik entwickelt: An der Mülltonne gibt es eine Ausbuchtung, in die derjenige, der etwas wegwerfen möchte, den Müll hält. Zwei Kameras erfassen diesen, machen einen Abgleich mit „Muster-Müll“, der gespeichert ist – und entscheiden dann, ob es beispielsweise eine Bananenschale ist und die Klappe für Bio-Müll geöffnet wird – oder es sich um einen zerknüllten Zettel handelt, der im Altpapier landen muss.

Muster vergleichen heißt, dass es auch Vorlagen geben muss. Also hat „Separe“ ewig lange verschiedene Arten von Müll in verschiedenen Winkeln vor die Kameras gehalten. „Wir haben der KI also erklärt: Das ist Bio-Müll, so sieht Plastikmüll und so Papiermüll aus. Und da sie selbstlernend ist, kann sie auch neue Dinge anlernen“, erklärt Sophie Herrmann. Die „Müll-Shootings“ seien also die Basis für die KI gewesen. Dennoch gibt es weiterhin Müll, denn die „SepaCAN“ nicht zuordnen kann. Dieser landet dann im Fach für Restmüll. „Denn wir haben gesagt, dass das besser ist, als wenn er in die Gegend geworfen wird.“ Und: Die Mülltrennungsquote sei dennoch sehr hoch.

Die Ideen des Teams „Separe“ kamen auch bei der Jury des Deutschen Gründerpreises für Schüler sehr gut an – und zwar so gut, dass das Team auf dem zweiten Platz landete. Kurioserweise hinter „Hyclean“, die von derselben Schule stammen und eine Seife entwickelt haben, die die Haut mit verträglicher Lebensmittelfarbe kurzzeitig blau färbt. So wird sichtbar, an welchen Stellen noch gründlicher gewaschen werden muss, um nicht nur die blaue Farbe, sondern auch Erreger und Keime abzuwaschen – besonders wichtig zu Corona-Zeiten.

Klar, gewonnen hätte auch „Separe“ gerne. „Aber wir haben uns für und mit unseren Schulkameraden riesig gefreut. Wir haben nicht den ersten Platz verloren, sondern den zweiten Platz gewonnen. Und das von 770 Teams – das ist einfach unfassbar. Wir können alle total stolz sein.“ Als Preis gibt es die Teilnahme am „Future Camp 2021“ in Berlin – ein viertägiges Persönlichkeits- und Managementtraining mit hochkarätigen Workshops der Gründerpreis-Partner.

War es das also für die „SepaCAN“? Nein. Denn das Team entwickelt das Projekt noch weiter. Zunächst in der Theorie, „denn wir nehmen mit der Idee auch noch am Wettbewerb ,Startup Teens’ teil“, sagt sie. Doch sie könnte sich auch vorstellen, dass eine reale „SepaCAN“ das Licht der Welt erblickt. Dank Business-Plan ist alles schon durchgerechnet – inklusive Material-, Herstellungs- und Personalkosten, „es fehlt nur am Kapital“, sagt Sophie Herrmann. Gut 660 000 Euro bräuchte das Team „Separe“, um den intelligenten Abfalleimer nicht nur zu entwickeln, sondern auch herzustellen. „Wir würden jetzt noch keinen Kredit bekommen“, sagt Sophie Herrmann. Doch jetzt stehen zunächst Abitur und auch Studium an. „Die Planungen, die wir gemacht haben, sind aber sehr realitätsnah – es gab sogar schon Anfragen, etwa von der Stadt Hanau, wo sie unsere ,SepaCAN’ denn kaufen können“, freut sie sich.

Von Andreas Schmidt

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