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Südkreis So surfen Kinder sicher im Netz
Landkreis Südkreis So surfen Kinder sicher im Netz
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14:50 09.02.2020
Ein Mädchen schaut sich Kinderseiten im Internet an. Das sichere Surfen für Kinder ist an der Grundschule Wittelsberg Teil des ­Unterrichts – das Konzept stellt die Schule am Montag den Eltern vor. Quelle: Thorsten Richter
Wittelsberg

Kinder wachsen heute ganz natürlich mit dem Internet auf, bekommen mit zehn Jahren – oder auch früher – ihr erstes Smartphone, arbeiten in der Schule spätestens in der Mittelstufe mit digitalen Medien. Um den Nachwuchs darauf vorzubereiten und dessen Internetkompetenz schon möglichst früh zu stärken, bringt die Grundschule Wittelsberg schon dem dritten und vierten Jahrgang spielerisch die Grundlagen des Surfens näher, klärt auf über die nützlichen wie gefährlichen Seiten des World Wide Webs.

„Kinder müssen sich heute schon früh mit dem Thema beschäftigen, sie sollen lernen, den Computer als Arbeitsmittel zu nutzen, aber auch zum Spaß und dabei sicher sein – wir wollen verhindern, dass sie in eine Falle tappen“, erklärt Lehrerin Isabelle Schmidt.

Dafür nutzt die Grundschule ein spezielles Unterrichtskonzept für Kinder und hat sich schon im letzten Jahr zur „Internet-ABC-Schule“ qualifizieren lassen, den Titel dieses Jahr erneuert. Schmidt nahm dafür an einer Fortbildung teil und vermittelt den Schülern etwa im Sachkundeunterricht Basiswissen rund ums sichere Surfen.

"Prävention ist so wichtig"

Denn das Internet biete bereits für Grundschulkinder attraktive Seiten, Apps, Spiele, Filme, Musik, Chats und mehr. Mobiles Surfen im Netz, ob per Smartphone oder Tablet, solle dabei auch Spaß machen, doch Kinder – und ebenso Eltern – müssten die Tücken des Internets kennen. „Das Thema wird von vielen unterschätzt, dabei ist Prävention so wichtig“, betont Schmidt.

Sicher chatten, Datenschutz und das richtige Recherchieren im Netz sind daher einige der Unterrichtsinhalte. Ebenso wie potenzielle Stolperfallen und Gefahren und die seien für Kinder „nicht immer sichtbar“. Vom fragwürdigen Youtube-Video bis zur ungewollten Kontaktaufnahme von Fremden.

„Wie gehe ich mit E-Mails und Chats um, wie erkenne ich anzügliche Inhalte, darf ich Bilder einfach weiter verschicken, wie verhalte ich mich selber und wie erkenne ich Grenzen von anderen?“, nennt die Pädagogin nur einige der Fragestellungen.

Ungleichgewicht beim Wissensstand der Kinder

Der Wissensstand der Schüler sei dabei sehr unterschiedlich, „manche Kinder kennen sich schon mit dem Internet aus, andere noch gar nicht, je nachdem wie die Eltern zu Hause damit umgehen.“ Dieses „Ungleichgewicht“ solle im Unterricht verschwinden, alle erlernen erst einmal die Grundlagen. 

Und das sei wichtig, alleine lassen dürfe man die Schüler damit nicht: „Manche Kinder werden in die Online-Welt quasi hineingeworfen und müssen dann plötzlich alleine damit umgehen – ab Klasse fünf wird von ihnen auch erwartet, dass sie Internet-Recherche beherrschen, wir setzen da vorher schon an, als Vorbereitung für weiterführende Schulen“, sagt Schmidt. Das „Internet-ABC“ gilt für die Klassen drei und vier – langfristig mache das Thema sicheres Surfen jedoch in allen Jahrgänge Sinn. 

Aufgebaut ist das Konzept auf dem Programm des Portals „Internet-ABC“ (www.internet-abc.de) – eine Medienkompetenz-Initiative der deutschen Landesmedienanstalten. Das Angebot des Ratgebers richtet sich sowohl an Pädagogen, Eltern wie Kinder, die über interaktive Lernmodule, Spiele oder Rätsel einen kindgerechten Einstieg in das Internet erhalten und am Ende einen „Führerschein fürs Netz“ erhalten. 

Laut des gleichnamigen Vereins sollen über die Plattform sowohl Kinder wie Erwachsene beim Erwerb und der Vermittlung von Internetkompetenz unterstützt werden.

Schulamt bietet Berater-Ausbildung an

Das Thema Medienkompetenz für Schüler hat auch das staatliche Schulamt Marburg-Biedenkopf auf der Agenda und bietet dazu unter anderem seit sieben Jahren die „Jugendmedienschutz-Berater-Ausbildung (Jumba) für alle Schulformen an. Diese werden auf breiter Ebene im Medienschutz geschult, sind untereinander und mit Experten rund um Internetsicherheit vernetzt und bauen an ihren Schulen eigene Lehr- und Präventionsangebote auf. Die Themen reichen von Fake-News, Internet- und Spielsucht bis zum Cybermobbing und Sexting.

Auch über andere Programme, etwa in Zusammenarbeit mit der Polizei oder Vereinen wie Make-IT-Safe, werden neue Konzepte für Schüler aller Schulformen entwickelt. Jumba-Lehrer finden sich mittlerweile an den meisten Schulen im Landkreis, „rund 150 Lehrkräfte haben das Qualifizierungsprogramm in den letzten Jahren durchlaufen“, berichtet Ulrich Müller vom Schulamt. Bei der Vermittlung von Medienkompetenz ziehen die Schulen immer mehr nach, mittlerweile auch die Grundschulen. „Es gibt Schulen, die da sehr aktiv sind, aber auch solche, die noch nicht so einen großen Handlungsbedarf sehen – diese werden aber weniger“, sagt Müller.

Sicheres Surfen in allen Bereiche sei „ein Dauerbrenner und das muss es heute auch sein, in den Schulen, aber auch in den Familien“, betont Müller. Denn nicht nur in der Schule, auch zu Hause sollten Kinder frühzeitig auf die Chancen, aber auch auf die Gefahren der Onlinewelt aufmerksam gemacht werden, „ohne dabei das Internet zu verteufeln“.

von Ina Tannert

Eltern-Kind-Nachmittag

Am Montag, 10. Februar, findet an der Grundschule Wittelsberg für die Eltern der dortigen Schüler der dritten und vierten Klasse ein kostenloser Internet-ABC-Eltern-Kind-Nachmittag statt. Von 15.30 bis 18.30 Uhr können Eltern sich mit Lehrern und Experten des Vereins „Blickwechsel“ zum Thema und sinnvolle Sicherheitsmaßnahmen austauschen, mit ihren Kindern gemeinsam surfen und am Tablet kreativ werden. Einen eigenen PC oder ein Tablet zu Hause zu haben, ist keine Voraussetzung. Der Infotag wird von der LPR Hessen (Hessische Landesmedienanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien) finanziert.