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Südkreis Seepark-Chef beklagt Corona-Auflagen
Landkreis Südkreis Seepark-Chef beklagt Corona-Auflagen
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19:55 17.05.2020
So funktioniert das mit der Wakeboardanlage in Corona-Zeiten: Der Griff wird hinter einem Spuckschutz mit einem Stab angereicht. Quelle: Fotos: Nadine Weigel
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Niederweimar

Ratlos schaut Lucien Gerkau auf den See. Wolken spiegeln sich in der Wasseroberfläche. Es ist still. Nur das leise Surren der Wakeboardanlage ist zu hören. Seit vergangenem Wochenende hat der Betreiber des Niederweimarer Sees den Park wieder für Wassersportler geöffnet – unter strengen Corona-Auflagen.

Die Duschen und Umkleiden sind geschlossen. Stattdessen sind im Strandbereich Bänke aufgestellt, auf denen sich die Wassersportler umziehen können. Außerdem gibt es noch eine Open-Air-Umkleide. Auf dem Boden an der Wakeboardanlage sind Abstandsmarkierungen angebracht, der Handlauf des Seils wird mit einem Stab angereicht. „Alles kein Problem“, sagt Gerkau. Das sehen wohl auch die drei jungen Leute so, die gerade unter den veränderten Bedingungen Wakeboard fahren und trotzdem Spaß haben.

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Gerkau hofft auf Ausnahmegenehmigung

Dennoch: Es herrscht eine gespenstische Leere im Hotsport-Seepark. Und das macht Gerkau zu schaffen. Denn für Badegäste darf er den See nicht öffnen. „Für mich überhaupt nicht nachvollziehbar“, sagt er. „Indoor-Fitnessstudios werden erlaubt, aber die gesündeste Sportart der Welt – Schwimmen an der frischen Luft – ist verboten“, beklagt er und schüttelt den Kopf.

Gerkau hat viel Verständnis für die Einschränkungen, schließlich hat er selbst Menschen, die zur Corona-Risikogruppe gehören, in seinem nahen Umfeld. Aber dass sein See rechtlich mit einem Schwimmbad gleichgesetzt wird, empfindet er als „Irrsinn“. Im Wasser sei genügend Fläche vorhanden, um Abstand zu halten.

Er rechnet vor: „Der Niederweimarer See bietet 13 .000 Quadratmeter Fläche zum Schwimmen und ist damit 30 mal so groß wie das Außenbecken des Aquamar, das 416,5 Quadratmeter zur Verfügung hat.“

Und auch die Fläche an Land bietet in Gerkaus Augen mit einer Fläche von 11 .500 Quadratmetern ausreichend Platz für Menschen. Ließe er 200 Personen in den Seepark, hätte eine Person 57 Quadratmeter Platz zur Verfügung – so seine Rechnung.

Für den Fall der Fälle, dass er doch für Badegäste öffnen kann, hat Lucien Gerkau schon einmal alles vorbereitet. Auf der Liegewiese stehen in weitem Abstand zueinander kleine, weiße Weidepfosten mit Nummern drauf. Dort könnten in gehörigem Abstand von drei bis fünf Meter zueinander Besucher liegen.

Der Clou daran: Durch sein neues digitales Einlass-System ist jedem Gast eine Nummer zugeordnet. „Im Falle einer Corona-Infektion könnten wir dem Gesundheitsamt genau sagen, wer um diesen Besucher herumgelegen und eventuell Kontakt gehabt hätte“, so Gerkau, der sein komplettes Kassensystem umgestellt hat. Eintritt ist nur über ein Online-Reservierungs- und Vorab-Bezahlsystem möglich. Es gibt eine beschränkte Einlasszeit.

Jeder Besucher bekommt zwei bis drei Stunden zugewiesen. Eine Anmeldung der Badegäste funktioniert nur mit E-Mail und Handynummer. Den per E-Mail erhaltenen QR-Code kann der Besucher am Eingang des Parks ganz einfach einscannen und kommt so in den Park. Alles kontaktlos.

„Ich hoffe wirklich, dass wir eine Ausnahmegenehmigung bekommen und bald für Schwimmer öffnen können“, betont Gerkau. Für ihn ist nicht nachvollziehbar, dass er laut Verordnung das Schwimmen weiterhin verbieten muss, aber Individual-Outdoor-Sport wieder anbieten darf. Neben Wakeboard und Wasserski gehört da in Niederweimar auch Stand-up-Paddling, Kanu, Aquapark und Tauchen (die OP berichtete) dazu.

„Das ist einfach unverständlich und unlogisch und nährt die Wut der Bürger“, meint der Seepark-Besitzer. Zudem sei für viele Menschen aufgrund ihrer körperlichen Konstitution wie Übergewicht, Rückenleiden oder Gelenkbeschwerden das Schwimmen eben auch der einzige Sport, den sie überhaupt machen könnten, weiß Gerkau.

Auch den Gastronomie-Bereich hat Gerkau nun umgestaltet, am Samstag will er das Restaurant mit Seeblick wieder öffnen. Ob dann viele Menschen kommen, kann er nicht sagen. Aber er hofft, dass zumindest das Geschäft langsam wieder anläuft. Falls nicht, wird es sehr schwer sein für seine Familie, den einzigen Seepark im Landkreis Marburg-Biedenkopf halten zu können.

Von Nadine Weigel

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