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Südkreis 3D-Drucker hilft im Kampf gegen Corona
Landkreis Südkreis 3D-Drucker hilft im Kampf gegen Corona
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20:59 14.04.2020
Juri Busch montiert die Schutzmasken, deren Teile bei Zahntechnik Wagner in Wittelsberg mit einem 3D-Drucker hergestellt werden. Quelle: Thorsten Richter
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Wittelsberg

Schutzmittel gegen eine Übertragung von Corona-Viren sind derzeit Gold wert. Ob nun Masken der Einstiegsklasse für den Eigenbedarf, mit denen man Mitmenschen vor einer potenziellen Ansteckung schützen kann, oder Artikel höherer Schutzklassen, mit denen sich Angehörige von Risikoberufen vor einer Ansteckung mit dem Virus schützen können.

Beides ist derzeit schwer zu beschaffen und das bedroht folglich auch die Arbeitsplätze in nachgeordneten Betrieben wie zum Beispiel Zahntechnikern. Was passiert, wenn Zahnärzte und Kieferorthopäden ihre Patienten nicht mehr behandeln, weil sie sich nicht ausreichend schützen können?

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Das war eine der Fragen, die Volker Wagner seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie beschäftigte und natürlich auch die, wie er seinen Kunden und Auftraggebern helfen könne, sich und ihre Angestellten, aber auch Arbeitnehmer, die in anderen Heilberufen tätig sind, zu schützen.

Erste Werkstatt entstand in Garage

Der 60-jährige Wagner überlegte, ob Schutzmasken mittels eines 3D-Druckers herstellbar sind. 3D-Drucker, die Dinge dreidimensional ausgeben können, sind schon seit einiger Zeit ein Thema in Laboren, deren Arbeitsweise sich stetig vom rein Handwerklichen entfernt, berichtet der gebürtige Wittelsberger.

Auch Fräsmaschinen und die CAD-/CAM-Fertigung hielten schon vor einiger Zeit Einzug in die Arbeitsweise von Zahntechnikern. Um seine Ideen zu verwirklichen, gab Volker Wagner vor rund neun Jahren seinen Posten als Geschäftsführer eines großen Labors in Marburg auf und gründete mit seiner Ehefrau Martina das Unternehmen, dessen Ursprung bilderbuchmäßig eine Garage war. Mittlerweile zählt die Firma 30 Mitarbeiter und hat als Sitz ein im Jahr 2015 errichtetes Laborgebäude, das schon zweimal erweitert wurde.

Kostenlose Druckdatei gibt’s im Internet

Mittels 3D-Drucker müsse es doch nicht nur möglich sein, Schutzmasken herzustellen, sondern auch, durch den Einsatz von Hobbybastlern, die einen 3D-Drucker besitzen, die hergestellte Menge zu erhöhen, um den Bedarf von Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeheimen zu stillen, meinte Wagner.

Es fehlte also nur noch die Vorlage, um Schutzmasken drucken zu können. Die fand Wagner kostenlos im Internet: „Kollegen in anderen Bundesländern stellen schon solche Masken her.“ Das, was man zur Produktion von Schutzmasken noch benötigt, sind ein Filament-Drucker mit den notwendigen PLA-Grundstoff (Polylactide, umgangssprachlich auch Polymilchsäuren) „von der Rolle“ sowie Gummibänder und Kunststoffplatten für die Visiere.

Erlös soll Corona-Helden zugutekommen

Der Nachschub an Kunststoffplatten und Gummibändern stockt derzeit zwar etwas, aber Wagners zwei Drucker laufen auf Hochtouren. Der eine seiner Filament-Drucker schafft einen Kopfring, der andere drei innerhalb von drei Stunden.

Ein Mitarbeiter schneidet die Visiere aus den Kunststoffplatten aus und setzt die Einzelteile zusammen. Wagner verbreitete seine Idee via Facebook, um Hobbybastler zum Herstellen zu überzeugen, kann sich aber selbst vor Aufträgen – die Lieferfrist beträgt derzeit rund eine Woche – nicht retten.

Den Gesamterlös aus dem Verkauf der Schutzmasken wird die Wagner Zahntechnik GmbH später als Gesamtsumme an Berufsgruppen und Vereinigungen spenden, die während der Pandemie-Zeit Besonderes leisten.

Von Gianfranco Fain

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