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Südkreis Schüler sammeln 10.000 Euro für Kinder in Kenia
Landkreis Südkreis Schüler sammeln 10.000 Euro für Kinder in Kenia
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14:00 03.01.2022
10.000 Euro haben Schülerinnen und Schüler der GSE, hier vertreten durch Marie (vorne links) und Emely, gemeinsam mit Lehrkräften und Schulleitung gesammelt und konnten die Spende nun an Vertreter des Vereins „Wir helfen in Afrika“ überreichen.
10.000 Euro haben Schülerinnen und Schüler der GSE, hier vertreten durch Marie (vorne links) und Emely, gemeinsam mit Lehrkräften und Schulleitung gesammelt und konnten die Spende nun an Vertreter des Vereins „Wir helfen in Afrika“ überreichen. Quelle: Ina Tannert
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Heskem

Die Pandemie-Ausnahmesituation im vergangenen Jahr hat die Nerven von Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern strapaziert, aber so manche Einschränkung hat auch ganz besondere Blüten getrieben. Etwa an der Gesamtschule Ebsdorfergrund, wo neue Ideen zu mehr Bewegung und zu guten Taten führten.

Schüler und Lehrkräfte setzten sich den ganzen Sommer und Herbst über mit verschiedenen Projekten für Kinder und Familien in Afrika ein und sammelten Spenden für den Verein „Wir helfen in Afrika“ mit Sitz in Gelnhausen. Dieser initiiert in Kenia Bildungs-, Gesundheits- und Infrastrukturprojekte, finanziert unter anderem im Ort Mamba Village bei Mombasa eine Schule oder sorgt für medizinische Behandlungen.

Etwa bei Erkrankungen durch Parasitenbefall wie den „Jiggers“ – das sind Sandflöhe, die insbesondere Fußsohlen, Zehen und Hände angreifen. Dort bohrt sich der weibliche Floh unter die Haut, brütet Eier aus und schwillt ballonartig an, was zu schweren, schmerzhaften Entzündungen führen kann. Besonders Kinder sind davon betroffen. Heilen lässt sich ein Befall mit geringem finanziellem Aufwand durch Fußbäder und Salben, die sich die meisten Menschen vor Ort aber kaum leisten können.

Den Kampf gegen die Parasiten in Südkenia unterstützt auch die GSE, die dazu im Mai die Aktion „Joggen gegen Jiggers – Bewegt euch“ auf die Beine stellte: Die ganze Schulgemeinde war aufgerufen, gemeinsam 10 000 Kilometer – die Strecke von Heskem nach Mamba Village – zu Fuß, mit dem Rad oder auf Inlinern zurückzulegen. Alle Beiträge wurden dokumentiert und zugleich Spenden gesammelt. Mit Erfolg, schon im Sommer waren die ersten 4 000 Kilometer und die 10 00er-Spenden-Marke erreicht.

Über 700 Schüler gestalten Sporttag

Doch auch nach den Sommerferien wurde weiter gejoggt und gesammelt, nicht mehr nur jeder für sich, sondern gemeinsam. Die Idee entstand nicht zuletzt aus der Intention heraus, die Homeschooling-geplagten Schüler zu mehr körperlicher Betätigung zu motivieren. Der Schulsport fiel lange Zeit flach, sich in großen Gruppen an der Schule zu versammeln ebenfalls. Also drehten Lehrerinnen und Lehrer den Spieß um und besuchten ihre Schüler am letzten Schultag vor den Herbstferien in den jeweiligen Wohnorten, holten sie von den Bildschirmen weg auf die Straße und in die Natur.

Der Sporttag gegen Jiggers war geboren, der dezentral in zahlreichen Dörfern stattfand, wo sich Lehrer und Schüler zum Joggen, Wandern, Radfahren oder zur Inliner-Tour grüppchenweise versammelten. „Das war so ein schönes Erlebnis, wir haben Schüler getroffen, die wir noch nicht kannten und sind zusammen mit dem Rad von Amöneburg nach Homberg/Ohm geradelt“, erzählt Lehrer Ralf Pelka und lobt seine Rad-Gruppe.

Auch die anderen Gruppen waren gut besucht: „Wir sind bis zur Wittelsberger Warte gewandert, das hat echt Spaß gemacht“, freut sich etwa die Neuntklässlerin Marie. Praktisch alle Schüler waren dabei, rund 730 Kinder und Jugendliche beteiligten sich an der sportlichen Aktion. Im Vorfeld mit ins Boot geholte Sponsoren spendeten für jeden Einsatz weiteres Geld für die Afrika-Hilfe. Am Ende wurde das Ziel noch übertroffen, insgesamt kamen mehr als 12 100 Kilometer und 10 000 Euro für den Kampf gegen Jiggers zusammen.

Sozialprojekt für Patenkind in Kenia

Und parallel lief auch noch ein Sozialprojekt der achten Klasse, das von Ethik- und Religionsschülern ins Leben gerufen wurde: Sie sammelten mit verschiedenen Aktionen weitere Spenden, entwarfen etwa eigene Flyer und verteilten diese an die Haushalte. Oder sie bauten auf dem Parkplatz des Rewe-Marktes ein Spendenglücksrad auf und luden einen ganzen Tag lang Kunden zum Mitmachen ein. „Etwa 80 Prozent der Leute haben gespendet, wir haben 800 Euro gesammelt, das ist echt ordentlich“, freut sich Schülerin Luisa. Durch die Sozialprojekte kamen 2 000 Euro für das Patenkind der Schule zusammen: Die GSE hat die Patenschaft für den siebenjährigen Lubando Tsuma aus Mamba Village übernommen, der durch die Unterstützung zur Schule gehen kann.

Ein regelrechter Projekt-Marathon hat nun vorerst ein Ende gefunden, „wir schließen heute etwas ganz Besonderes ab, alle haben toll mitgemacht und eine große Summe erreicht“, lobte Schulleiter Mirko Meyerding die gesamte Schulgemeinde. Er überreichte gemeinsam mit Schülern und Lehrern den Scheck über 10 000 Euro an den Partnerverein. Mit einer Spende in dieser Höhe hatte der nicht gerechnet, „es ist einfach Wahnsinn, was hier geschafft wurde, jeder Cent ist extrem wichtig für die Menschen und das war wirklich eine große Leistung“, freute sich Joachim Sinsel vom Vorstand des Vereins.

Von Ina Tannert