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Südkreis Vater lässt Betrüger auflaufen
Landkreis Südkreis Vater lässt Betrüger auflaufen
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17:58 12.10.2021
Gerold Bender aus Ebsdorf erhielt vor wenigen Tagen einen Schockanruf, ging den Betrügern aber nicht auf den Leim.
Gerold Bender aus Ebsdorf erhielt vor wenigen Tagen einen Schockanruf, ging den Betrügern aber nicht auf den Leim. Quelle: Ina Tannert
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Ebsdorf/Wittelsberg

Diesen Moment möchte niemand erleben – die Hiobsbotschaft am Telefon, dass das eigene Kind schwer krank ist, einen Unfall hatte, in Lebensgefahr schwebt. Unabhängig davon, wie alt das Kind ist. Dass auch Eltern oder Gr0ßeltern im hohen Alter nach einer solchen Nachricht nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht, in dem Moment nicht mehr rational denken können, ist verständlich. Besonders perfide ist dann die Betrugsmasche, diese elterliche Sorge und Hilflosigkeit mancher Opfer rabiat auszunutzen und Geld zu ergaunern.

Das kommt seit Wochen verstärkt im Landkreis vor. Gerade ältere Menschen erhalten immer wieder sogenannte Schockanrufe, in denen unbekannte Anrufer auf gut Glück das Blaue vom Himmel herablügen, dabei sehr überzeugend auftreten, so dass manche alarmierten Angerufenen ihr Erspartes zur vermeintlichen Rettung eines Angehörigen herausrücken und einem Fremden übergeben.

Ende September überließ eine Seniorin aus Wittelsberg falschen Polizisten mehrere tausend Euro, angeblich nach einem tödlichen Unfall, in den ihre Tochter verwickelt sein sollte. Der Anrufer hatte die Frau massiv unter Druck gesetzt und das Geld als Kaution zur Freilassung ihres Kindes gefordert, was die tatsächliche Polizei niemals tun würde. Vergangene Woche traf es dann einen über 80 Jahre alten Mann, der von einem falschen Arzt angerufen wurde – seine Tochter sei schwer verunglückt. Der besorgte Senior gab dem Betrüger 16000 Euro für vermeintlich lebensrettende Medizin. Diese und weitere dreiste Lügen sind mittlerweile an der Tagesordnung, die Polizei spricht von einem „rücksichtslosen und skrupellosen Vorgehen“.

Letzte Woche erhielt auch Gerold Bender aus Ebsdorf einen ähnlichen Anruf, dieselbe Betrugsmasche mit leicht veränderter Geschichte, die seit der Pandemie auftritt: Sein Sohn sei schwer an Covid-19 erkrankt und in ein Klinikum eingeliefert worden, teilte ihm ein vermeintlicher Mediziner mit angeblichem Professor- und Doktortitel am Telefon mit, der dem Vater direkt Hoffnungen auf Rettung machte. Zu seinem Glück gebe es dieses besonders wirksame Medikament, das allerdings aus der Schweiz eingeflogen werden müsse. 19000 Euro wollte der „Arzt“, Bender müsse in Vorkasse treten, könne das Geld später von der Krankenkasse erstattet bekommen.

Die Sache ist nur die – Bender hat gar keinen Sohn, sondern zwei Töchter. Er wurde sofort hellhörig und schaltete schnell, „ich habe mir gedacht, ich spiele einfach mit“, erzählt der 64-Jährige lachend. Er bot dem Betrüger an, er könne auf die Schnelle 15000 Euro auftreiben und ihm übergeben. Während der auf der Festnetzleitung seine Geschichte weiter erzählte, rief Bender über das Handy die Polizei an und schaltete auf Lautsprecher. Er wollte, dass die Beamten mithören und den Treffpunkt zur Geldübergabe mitbekommen.

Nur merkte das der falsche Arzt dann an einem Geräusch und wurde misstrauisch, habe sich dann noch selber aufgeregt. Kurios: „Sie legen mich nicht rein“, sagte er daraufhin. Bender kann dasselbe sagen, denn er ging dem Anrufer nicht auf den Leim und beendete den Anruf. Er hofft, dass das auch andere Betroffene machen und nicht den Kopf verlieren.

Polizei klärt im Grundtreff über Betrug auf

Um über die kursierenden Betrugsmaschen weiter aufzuklären bietet die Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle Marburg-Biedenkopf in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Ebsdorfergrund einen Vortrag im Grundtreff in Wittelsberg an: Am 20. Oktober wird ab 10.30 Uhr der Kriminalpolizeiliche Berater Jan-Oliver Karo in den Grundtreff kommen, um über den Enkeltrick und andere Betrugsmaschen zu informieren. Dabei legt er den Schwerpunkt auf Informationen und Tipps, die gerade älteren Menschen helfen sollen. „Denn ob Enkeltrickbetrug, falsche Polizeibeamte oder Trickdiebe, wer die Maschen dieser Täter kennt, kann sich schützen“, sagt Karo. Das Angebot richtet sich an Senioren, aber auch an Angehörige und alle weiteren Interessierten.

Unter anderem das Beispiel aus Wittelsberg zeige, wie Betrüger vor allem ältere Menschen unter Druck setzen. „Information und Aufklärung sollen den Senioren und allen anderen helfen, kein Opfer von Straftaten zu werden“, so Karo. Er weist darauf hin, dass jene, die bereits Opfer geworden sind, bei der zuständigen Polizeidienststelle Anzeige erstatten sollten.

Anmeldung bis Freitag, 15. Oktober, unter Telefon 06424/3533 (vormittags oder Anrufbeantworter) oder per E-Mail an: grundtreff@ebsdorfergrund.de. Für die Veranstaltung gilt die Corona-3-G-Regel.

Von Ina Tannert