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Südkreis Schilder legen Geschichten der Häuser offen
Landkreis Südkreis Schilder legen Geschichten der Häuser offen
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17:01 18.09.2021
Die Kirche ist sicher eines der ältesten Gebäude in Oberwalgern. Die genaue Entstehungszeit ist nicht überliefert, liegt aber wohl in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Ein Schild am Eingang informiert über das Gebäude.
Die Kirche ist sicher eines der ältesten Gebäude in Oberwalgern. Die genaue Entstehungszeit ist nicht überliefert, liegt aber wohl in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Ein Schild am Eingang informiert über das Gebäude. Quelle: Götz Schaub
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Oberwalgern

Die 1250-Jahr-Feier haben sich die Bewohnerinnen und Bewohner von Oberwalgern sicher anders vorgestellt. Doch Corona ließ es weder im Jubiläumsjahr 2020 noch in diesem Jahr wirklich zu, ausgelassen und frei von Einschränkungen ein Fest zu begehen. Und doch wurde im Hintergrund immer weiter gearbeitet. Im März 2022 soll das Jubiläum unter dem Zusatz „plus 2“ wieder aufgenommen werden mit dem ersten Grenzgang.

Am vergangenen Freitag gab es ein kleines Brücken-Event, damit die Zeit des Wartens nicht zu lang wird. Hans Christian Malzahn, Vorsitzender des Fördervereins 1250 Jahre Oberwalgern, lud im Auftrag des Vereins alle interessierten Mitbürgerinnen und Mitbürger zu einer besonderen Feierstunde ein, die in der Ringstraße begann. Anlass war die Ausstattung der ältesten und geschichtsträchtigsten Häuser im Dorf mit ganz besonderen Schildern, die über die jeweilige Hausgeschichte informieren.

Im Ganzen sind es 33 Schilder, die zusammen eine sehr interessante öffentliche Chronik ergeben. Die Ringstraße wurde nicht zufällig ausgewählt. Dort erinnert nun ein Schild an ein Haus, das es nicht mehr gibt, das in den 50-er Jahren abgerissen wurde. Ab 1902 hatte dort die jüdische Familie Löwenstein gewohnt, denen im Dritten Reich wie Familien aus Fronhausen, Roth und Argenstein ein schlimmes Schicksal beschieden war. Nur ein Familienmitglied überlebte den Holocaust.

Ursprung der Kirche liegt im 13. Jahrhundert

Professor Siegfried Becker vom Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Philosophie der Philipps-Universität Marburg kommt aus dem Weimarer Nachbarort Niederwalgern und stellte in einer kurzen informativen Rede heraus, dass es schon etwas Besonderes war, dass in Oberwalgern eine jüdische Familie etwas abseits der Gemeinschaften in Fronhausen und Roth wohnte. Fronhausens Bürgermeisterin Claudia Schnabel und Oberwalgerns Ortsvorsteher Thomas Pusch enthüllten dann das Schild und hoben hervor, dass gerade vor dem Hintergrund aufkommenden Antisemitismus in Deutschland das Schicksal dieser Familie niemals vergessen werden dürfe. Sie sei ein Teil des Dorfes gewesen.

Pfarrer Wolfgang Gerhardt erinnerte sehr beeindruckend mit einem musikalischen und einem gesanglichen Beitrag an jüdisches Leben in Oberwalgern. Andere Schilder beziehen sich auf weiter existierende Wohnhäuser, natürlich auch auf die Kirche und das Backhaus. Am Backhaus gibt es übrigens auch einen Info-Punkt, wo man einen Flyer findet, der Aufschluss über die Standorte der beschilderten Häuser gibt.

Die Schilder haben Annemarie Schlag aus Fronhausen, Professor Becker, Susanne Gerschlauer aus Daubringen und Andreas Schmidt aus Wettenberg ausgestaltet. Finanziert wurden sie über die Ehrenamtspauschale des Landkreises und die Gemeinde Fronhausen. Susanne Gerschlauer führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Feierstunde noch einmal um die Kirche und gab dabei Erläuterungen zu markanten Stellen, die etwas Aufschluss über die Baugeschichte des Gebäudes geben können, dessen Baustart nicht bekannt ist. Die Forschung geht davon aus, dass der Ursprung der Kirche in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts liegt.

Von Götz Schaub

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