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Südkreis Saugute Bedingungen für Bio-Ferkel
Landkreis Südkreis Saugute Bedingungen für Bio-Ferkel
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10:00 23.10.2019
Keine Stunde nach ihrer Ankunft haben es sich die Ferkel in ihrem neuen Domizil eingerichtet. Über eine automatische Anlage werden die Tiere 16 Mal am Tag mit einer frischen Ladung Stroh versorgt.  Quelle: Thorsten Richter
Leidenhofen

Es war buchstäblich eine Punktlandung. Am Abend vor dem Eintreffen der ersten Ferkel wurde der neue Stall für die Tiere fertig, sagt ­Andreas Fritz-Emmerich, der nun hauptverantwortlich das Sagen auf dem Hof hat. Sein Vater hat ihm jegliche Unterstützung zugesagt und ihm freie Hand gelassen, wie er die Zukunft des Hofes ausgestalten will.

Andreas Fritz-Emmerich entschied sich für die Umstellung auf Bio. Dazu mussten die Schweineställe erweitert und umgebaut werden. Denn Bio-Ferkel müssen mehr Platz zur Verfügung gestellt bekommen. Das hat in den vergangenen Monaten richtig viel Arbeit verursacht, doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Als nun die „Vorhut“ von 88 Ferkeln eintraf, füllte sich der Stall schnell mit Leben.

Der Stall ist in mehreren nebeneinanderliegenden Buchten unterteilt, in jede Bucht kamen 22 Ferkel. So ist gewährleistet, dass jedes Tier ausreichend Platz hat. Die Tiere können es sich im Stallinneren im Stroh gemütlich machen, aber auch quasi „vor die Tür treten, denn jede Bucht hat auch einen Zugang nach draußen. In den kalten Monaten kann dieser natürlich geschlossen werden, eine Bodenheizung sorgt für die notwendige Wärme und im Sommer bei hohen Temperaturen für Kühlung im Stall.

Überhaupt setzt Andreas Fritz-Emmerich auf High-Tech: Futter und Wasser sind immer verfügbar, der Nachschub automatisch gesteuert. Dabei wird das Wasser bei niedrigen Temperaturen immer in Bewegung gehalten, damit es nicht gefrieren kann.

Nach einer ersten Verpflegung kommen die Ferkel langsam zur Ruhe. Fast alle haben ihre neue Bleibe inspiziert und auch den Teil unter freiem Himmel ausprobiert. Dann, wie auf Kommando, ziehen sich die Tiere in allen Buchten gleichzeitig zurück ins Stallinnere auf das frische Stroh. Dort kann es ihnen gar nicht eng genug sein. Sie graben sich teils ein und liegen dann eng aneinander gekuschelt friedlich da oder schlafen eine Runde.

Hintergrund

Filmautorin Barbara Petermann erstellt zusammen mit Jürgen Lieber (Ton) und Bernd Götz (Kamera) im Auftrag des HR einen Film über die Umstellung eines landwirtschaftlichen Hofes von konventioneller Landwirtschaft auf Bio-Landwirtschaft.

Dazu hat sie sich den Hof von Andreas Fritz-Emmerich ausgesucht. Ihr 45-Minuten-Film „Erlebnis Hessen: Bauernhof im Umbruch“ wird wohl im Januar im Hessenfernsehen zu sehen sein.

Das Eintreffen der ersten Ferkel am Freitag war der sechste und wohl letzte Besuch des kleinen Filmteams auf dem Hof. Die drei haben alle Stationen filmisch festgehalten, um später anschaulich darstellen zu können, wie so ­eine Umstellung funktionieren kann.

Aufgrund der Umstellung auf Bio sind selbst im vergrößerten Stall bei Vollbesetzung knapp 100 Tiere weniger als vorher da. 500 werden es insgesamt sein.

Die Tiere werden nun rund 110 Tage nach Bio-Standard gehalten und ernährt, ehe es dann für sie zum Schlachter geht. Dieser Weg führt sie nach ­Bochum. Fritz-Emmerich hofft sehr, dass es bald einen kürzeren Weg geben wird, doch für Bio-Tiere braucht es eben auch eine Bio-zertifizierte Schlachterei. Eine Direktvermarktung des Fleisches ab Hof ist nicht vorgesehen.

von Götz Schaub