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Südkreis Dem Müllmonster die Nahrung entziehen
Landkreis Südkreis Dem Müllmonster die Nahrung entziehen
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15:00 03.04.2019
Am Montag zogen die ersten drei Klassen der Grundschule Fronhausen los, um in der Gemarkung Müll einzusammeln. Die anderen Klassen folgen noch. Quelle: Götz Schaub
Fronhausen

Anja Reichel, ­Leiterin der Geschäftsstelle des Müllabfuhrzweckverbandes Biedenkopf, ist zusammen mit ihrem Kollegen Timo Leischner früh morgens zur Grundschule Fronhausen gekommen, um die ersten drei Klassen bei ihrer Müllsammelaktion in der Gemarkung von Fronhausen zu begleiten. „Es ist unser Anspruch nicht nur Müll einzusammeln, sondern auch alles dafür zu tun, die Schöpfung, die Natur um uns herum zu erhalten“, sagt Anja Reichel.

Deshalb engagiert sich der Müllabfuhrzweckverband Biedenkopf in der Erziehungsarbeit und rüstete in der Vergangenheit in seinem Einzugsgebiet hundert Kindergärten mit Informations- und Aktionskisten im Gegenwert von 350 bis 400 Euro aus, mit der Zielsetzung, den Kindern frühzeitig ein Bewusstsein für den richtigen Umgang mit Müll zu vermitteln. Nun gehe man vermehrt an die Schulen. In Fronhausen steht die Lehrerschaft der Aktion „Sauberhafte Landschaft“ sehr aufgeschlossen gegenüber. Lehrerin Monika Schmidt hatte sich des Themas schon früh angenommen und alles Weitere dazu organisiert.

Mit Mülltrennung ist noch nicht alles in Ordnung

Mittlerweile geht es nicht mehr nur um das Einsammeln von Müll in der Landschaft und vorbildlicher Mülltrennungen im Privathaushalt. Es geht verstärkt um das Thema Müllvermeidung. Reichel weiß aus Erfahrung, dass die Kinder sehr gute Antennen dafür haben und sehr wohl unterscheiden können, was gut ist für die Umwelt und was nicht.
„Machen wir uns nichts vor. Wir Erwachsenen sind doch noch geprägt von einer Wegwerfgesellschaft. Jetzt können uns die Kinder mit ihrem Wissen zum Umdenken veranlassen indem sie uns sagen, dass das nicht gut ist“, sagt Reichel.

Es sei leider ein Irrglaube, dass mit der Vorsortierung in den Gelben Sack alles in Ordnung sei, sagt sie weiter. Bisher werden 50 Prozent der Inhalte nicht recycelt sondern verbrannt. Insbesondere schwarzer Kunststoff stellt die Sortierung vor Problemen, weil dieser nicht erkannt werde.

Eine wirkungsvolle Methode die Müllberge zu verringern sei es, Müll so gut es geht zu vermeiden und auf Mehrwegbehältnisse zu setzen. Am Freitag hatte Stefan Wagner von der Nabu-Ortsgruppe Fronhausen den Schülern einiges gezeigt – auch Unangenehmes, nämlich die riesigen Müllkippen und Müll- beziehungsweise Plastikteppiche auf den Ozeanen. Er zeigte ihnen zwei Einkaufstaschen mit den gleichen Produkten, nur einmal eben nachhaltiger ausgesucht. Allein daran konnten die Kinder erkennen, wie einfach ein Anfang zur Müllvermeidung gefunden werden kann, wenn man es nur will. 

Treffpunkte sind im Wochenblatt zu finden

Die Gemeinde Fronhausen hat den Ball auch aufgenommen und den Aktionstag am Samstag groß geplant. Bürgermeisterin Claudia Schnabel freut sich über die Resonanz: „Der Kindergarten in Bellnhausen wird auch eine Aktion starten“, informiert sie zudem. Am Samstag werden viele Gruppen in allen Ortsteilen dabei sein. 85 Erwachsene haben sich schon verbindlich angemeldet.

„Jeder darf spontan noch dazustoßen“, ermuntert Schnabel. Die jeweiligen Treffpunkte wurden im aktuellen Fronhäuser Wochenblatt veröffentlicht oder können auch bei der Gemeinde telefonisch nachgefragt werden. Für jeden Teilnehmer zahlt der Müllabfuhrzweckverband Biedenkopf 3,50 Euro, das den Sammelgemeinschaften zur Verfügung gestellt wird, etwa für ein gemeinsames Abschlussessen.

Und doch gibt es auch am Samstag ein No-Go-Gebiet, wo es sich aber lohnen würde sauber zu machen. Schnabel: Gerade bei den B-3-Ab- und Auffahrten liegt sehr viel Müll. Dort hätte das DRK aufgeräumt, doch Hessen Mobil hat dies aus Sicherheitsgründen untersagt.

von Götz Schaub

Kommentar

Sauberhaft, das ist zauberhaft

Müllsammeln während der Unterrichtszeit – das ist echt gut. Die Kids kommen an die frische Luft, es fördert die Teamarbeit und das Gespür dafür, dass das Müllmonster, das auf riesigen Müllkippen in fernen Ländern oder als riesiger Plastikteppich auf den Weltmeeren lebt, hier, genau hier vor unserer Haustür, geboren wird. Die Schüler gehen nämlich nicht unvorbereitet Müll sammeln.

Sie haben sich am Freitag von Stefan Wagner vom Nabu-Fronhausen erklären lassen, wie es zu den Müllbergen kommt und was man dagegen tun kann. Das Zauberwort heißt ganz aktuell Müllvermeidung. Bis das in alle Köpfe und vor allem bei der Politik und Industrie angekommen ist, heißt es selbst aktiv werden, und das einsammeln, was Mitmenschen unachtsam und gar mutwillig, fahrlässig und durchaus manchmal mit krimineller Energie in der Landschaft entsorgt haben. Wenn sich alle Kinder nur ein paar Jahre später positiv an diese Aktion erinnern, werden sie es niemals cool finden, ihre eigene Lebenswelt zu vermüllen. Das wäre sauberhaft und zauberhaft.

von Götz Schaub