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Südkreis Direkte Gespräche sollen Lösungen bringen
Landkreis Südkreis Direkte Gespräche sollen Lösungen bringen
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12:16 21.07.2020
Markus Decher (von links), Roman Schmattloch und Uwe Herrmann sind drei Bürger, die den Runden Tisch zur weiteren Entwicklung des Gewerbegebiets zwischen Wenkbach und Niederwalgern als beratende Einrichtung in Weimar etabliert haben. Quelle: Götz Schaub
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Niederwalgern

Uwe Herrmann, Markus Decher und Roman Schmattloch hat eine Idee, eine Vision zusammengeführt: Sie wollten als ganz normale Bürger der Gemeinde Weimar erreichen, dass die mitunter aufgeheizte Diskussion um die Entwicklung des Gewerbegebiets zwischen Wenkbach und Niederwalgern versachlicht wird.

Alle, die sich dafür interessieren, sollen in einen Dialog treten, um zum einen Gerüchten vorzubeugen und zum anderen Lösungen zu erarbeiten, die den Bürgern eine gewisse Lebensqualität in den Dörfern sichert.

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Den drei Bürgern war sofort klar, dass sie dazu alle beteiligten Personen, die sich mit der Entwicklung des Gewerbegebiets beschäftigen, an einen Tisch bekommen müssen – egal, wie unterschiedlich deren Vorstellungen und Interessen diesbezüglich sind.

Dabei ging es den drei Bürgern nie darum, bestimmte Meinungen durch zufällige Mehrheitsverhältnisse bei den Gesprächen einzudämmen und kleinzureden.

Pfarramt dient als neutraler Ort

„Das, was wir als Basis haben wollen, ist das offene Gespräch. Dass jeder weiß, was er von den anderen zu erwarten hat, wie die Ideen und Visionen aussehen. Weil dabei aber auch sehr sensible Themen angesprochen werden, muss den Teilnehmern eine hundertprozentige Vertraulichkeit zugesichert werden können“, sagt Roman Schmattloch.

Decher, Herrmann und er sind deshalb in erster Linie Pfarrer Wolfgang Gerhardt dankbar, dass er für die Treffen des „Runden Tischs“ die Räume des Pfarramtes als neutralen Ort zur Verfügung gestellt hat. Das überzeugte auch die Führungsriege der Bürgerinitiative, die sich gegen zunehmenden Schwerverkehr in den beiden Orten ausspricht, wie auch die Vertreter der Fraktionen aus dem Gemeindeparlament, Bürgermeister wie auch den Investor, der zuletzt zwischen den beiden Orten eine Logistikhalle errichtete. „Unsere Idee vom Runden Tisch hat sich so durchgesetzt“, freut sich Schmattloch.

BI zahlte erste Mediationssitzung

Mittlerweile sei aber auch ein Punkt erreicht, an dem sich die Gesprächsführung am Runden Tisch verändern müsse. Will heißen, es sollte keiner, der eine Meinung vertritt und letztendlich versucht, diese so gut es geht durchzusetzen, gleichzeitig das gesamte Gespräch leiten.

So kam über die Bürgerinitiative die Idee auf, die weiteren Treffen am Runden Tisch mit einem Mediator anzubieten. „Dafür sind wir der BI dankbar. Auch, dass sie die Kosten für die erste Sitzung unter Mediation übernommen hat. Es ist auch ein gutes Signal, dass die Gemeindevertreter, wenn auch knapp mit zwölf zu elf Stimmen, sich dafür ausgesprochen haben, für die Mediation ein finanzielles Kontingent zur Verfügung zu stellen. Das zeigt, welchen Stellenwert wir mittlerweile erreicht haben“, sagt Schmattloch.

Decher und Schmattloch: nicht ewig Zeit

„Dabei bleibt es oberste Regel, dass alles, was dort gesagt wird, zunächst einmal verlässlich im Raum bleibt“, sagt Markus Decher. Weil aber natürlich auch die Bürgerschaft interessiert ist, was am Runden Tisch geschieht, müsse man auch einen Weg finden, wie man den Stand der Dinge öffentlich darstellen kann.

Die drei Männer setzen dabei auf eine Erklärung, die ausnahmslos von allen Teilnehmern stammt und auch von allen genehmigt wurde. So müsse niemand befürchten, dass Dinge plötzlich anders dargestellt würden oder Dinge, die zwar gesagt, aber noch längst nicht spruchreif sind, zu früh in die Öffentlichkeit gelangen und für unnötige Reaktionen sorgen. Herrmann, Decher und Schmattloch ist aber auch klar, dass sie nicht ewig Zeit haben. Für die Entwicklung der Restflächen müsse ein Plan erarbeitet werden.

Gewerbegebiet bringt Einnahmen

Dass dabei weder sie noch der Runde Tisch Entscheidungsgewalt haben, ist ihnen natürlich auch bewusst. Sie setzen darauf, dass die, die letztendlich die Entscheidung herbeiführen, durch den Runden Tisch mit den bestmöglichen Informationen versehen wurden, um diese für alle Bürger der beiden Orte durchaus weitreichende Entscheidungen treffen zu können.

Sicher müsse auch bedacht werden, dass die Gemeinde Weimar über die Entwicklung von Gewerbegebieten wichtige Einnahmen erzielt, um in die eigene Infrastruktur zum Wohle ihrer Bürger investieren zu können.

Für die Dörfer müsse aber auch gesehen werden, in welcher Lage sie sich befinden, beziehungsweise in den nächsten Jahren befinden werden, wenn der Kiesabbau sich weiter Richtung Süden verlagert und somit Einfluss auf die Bewegungsfreiheit der Bürger von Wenkbach nimmt.

Augenhöhe und gegenseitiger Respekt

Hermann sagt: „Der Runde Tisch hat uns Bürgern die Ohnmacht genommen und Perspektiven aufgezeigt, wie Dinge entwickelt werden können. Dabei spielt die Debattenkultur eine wesentliche Rolle.“

Schmattloch ergänzt: „Wir haben über diesen Weg auf Augenhöhe und im gegenseitigen Respekt sehr viel erreicht. Ich hoffe, dass wir jetzt die Schlagzahl erhöhen und inhaltlich in die Tiefe gehen können.“ Die Einladungen zum nächsten Runden Tisch sind jedenfalls schon rausgegangen.

Auf die anstehende Kommunalwahl im März 2021 sind die drei sehr gespannt. Die Parteien werden sich wohl im Wahlkampf auch zu dieser Frage positionieren müssen, wenn sie um Wähler aus Wenkbach und Niederwalgern kämpfen.

Von Götz Schaub

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