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Südkreis Lieder, die berühren, ansprechen, gefallen
Landkreis Südkreis Lieder, die berühren, ansprechen, gefallen
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18:36 19.08.2020
Rosa-Lee zu Hause an ihrem Keyboard. Dort hat sie während des Corona-Lockdowns 30 Lieder geschrieben.
Rosa-Lee zu Hause an ihrem Keyboard. Dort hat sie während des Corona-Lockdowns 30 Lieder geschrieben. Quelle: Privatfotos
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Wenkbach

Rosa-Lee ist 15 Jahre alt, aber bald 16. Sie wohnt mit ihrer Familie schon immer im Weimarer Ortsteil Wenkbach, geht in die zehnte Klasse an der Gesamtschule Niederwalgern, besitzt und liebt Haustiere.

Sie verfügt schon länger über ein Talent, das sich aber erst so richtig in der Lockdown-Zeit ausprägte: Sie schreibt Liedtexte und komponiert gleich auch die Musik dazu. Einfach mal so. Im Ganzen hat sie in der Zeit, in der sie vor den Sommerferien nicht in die Schule gehen durfte, 30 Songs geschrieben. Ihre Eltern Corina und Mirco Martic und auch Bruder Dean staunten nicht schlecht, als sie die Ergebnisse präsentiert bekamen. Corina Martic sagt: „Dass sie Spaß an Musik und Liedern hat, wussten wir, sie hatte ja schon Auftritte bei Faschingsveranstaltungen und in der Schule.“ Das waren spaßige Songs auch aus eigener Feder.

Hitverdächtige Schlager

Doch was Rosa-Lee jetzt geschrieben hat, hat eine ganz andere Qualität. Hitverdächtige Schlager, aber auch sehr sehr tiefgründige Texte mit passenden Melodien. Einer, der Qualität sofort erkennt, ist Ralf Erkel, der an der Gesamtschule eine Keyboard-AG leitet. Erkel war einst Teil der Musikgruppe rund um das Trio Tic Tac Toe und Keyboarder unter Guildo Horn. Er zeigte sich sehr angetan von den Werken der Jugendlichen.

Und wer nicht weiß, dass die Texte von einer Jugendlichen stammen, wird sicher beim Hören nicht selten auf eine professionelle Songwriterin tippen. Grund genug, ein Wagnis einzugehen: Zwölf Songs sollen professionell eingespielt werden. Über die Internet-Plattform Startnext möchte sie mit Crowdfunding ihr erstes Album „Strahlend“ finanzieren.

42 Tage bleiben noch

Das erste Ziel lautet, 4 800 Euro aus Spenden von Unterstützern zu erzielen. Stand gestern sind bereits 2 050 Euro von 40 Unterstützern zugesagt. Jetzt bleiben ihr noch 42 Tage Zeit, die Lücke zu schließen. Die Regeln sind einfach. Erreicht sie ihr Ziel, wird ihr Wunsch erfüllt, die zugesagten Spenden werden von den Unterstützern eingefordert. Erreicht sie ihr Ziel nicht, muss sie sich einen anderen Weg suchen, die Unterstützer behalten ihr zugesagtes Geld. Klappt das erste Ziel, ist auch schon das zweite definiert: Dann soll noch einmal Geld gesammelt werden, um die Kosten für die Herstellung des Albums und der Musikvideos zu decken. Wer helfen möchte, beziehungsweise sich erst einmal ein Bild von Rosa-Lees Idee machen möchte, kann sich ihr Vorhaben auf Startnext anschauen.

Dass ihr Vorhaben keine Eintagsfliege ist, merkt jeder, der nur wenige Worte mit ihr wechselt. Es ist pure Begeisterung für das Projekt. Letztendlich kann sie es sich auch nicht erklären, wie ihr die Texte und die Melodien in den Sinn kommen. „Ich kann mich nicht hinsetzen und sagen, jetzt schreibe ich ein Lied. So funktioniert es nicht. Es passiert einfach. Sogar nach einem anstrengenden Tag, abends wenn ich nur noch müde bin, kommt es plötzlich über mich und es entsteht etwas“, sagt sie. Das Ganze ging los, nachdem sie sich über ein Lied von einer Freundschaft gelöst hatte, verrät sie noch.

„Ich spiele freestyle“

Schon sehr früh lernte sie Akkordeon zu spielen im KZV Bürger- und Kulturverein Wenkbach. Dann ging sie in die Keyboard-AG an der Schule und lernte zudem noch, Ukulele zu spielen. Zu Hause verfügt sie über ein Klavier und ein Keyboard. „Ich spiele einfach freestyle, bis mir etwas gefällt und ich eine Zeile dazu habe, dann fügt sich das langsam zusammen“, sagt sie, immer mit einem leichten Lächeln im Gesicht.

Auch wenn Texte mitunter melancholisch nachdenklich ausfallen, so ist die geplante CD mit „Strahlend“ als Titel so positiv besetzt, wie sie selbst rüberkommt: offen, herzlich, strahlend. Von ihrer Herzlichkeit profitieren auch ihre Haustiere, die alle Namen haben und somit für sie unverwechselbare Persönlichkeiten sind: Sie betreibt nämlich eine kleine Hasenzucht, gehört dem Kaninchenzuchtverein Niederweimar mit seiner Kanin-Hopp-Abteilung an. Star der Tiertruppe ist aber „Der Lange“, ihr Hahn, ein Ko-Shamo, ein kleiner japanischer Kampfhahn, der aber eher nur verschmust und überall friedfertig dabei ist.

Wahnsinniger Humor

Ralf Erkel ist von Rosa-Lees Entwicklung beeindruckt. „Kennengelernt habe ich sie vor vier Jahren, da kam sie zu mir und wollte, dass ich ein Lied mit ihr übe, das sie vortragen wollte. Sie hat sich so erstaunlich entwickelt, hat einen wahnsinnigen Humor und kann so ironisch sein. Als ich jetzt die Liedtexte gesehen habe, war mir klar, die kann jetzt schon Songs für die ganz Großen in der Musikszene schreiben. So poetisch, so ausgereift, einfach unglaublich.“

Rosa-Lee ist auf den ersten Blick ein ruhiger Teenager, doch sie kann aufdrehen. Die vergangenen beiden Jahre hatte sie mit ihrer Freundin Benita beim Ufercafé während des Hafenfestes in Marburg sehr launig und lustig moderiert. „Das war alles improvisiert, die Leute hatten einen riesigen Spaß“, sagt Erkel.

Und weiter: „Rosa-Lee ist wie andere große Künstler in jungen Jahren schon waren, wahnsinnig zielorientiert. Es ist unglaublich, wie sie in kurzer Zeit intellektuell so reifen konnte. Ihre Lieder sind poetisch, berühren, sprechen an, gefallen.“

Im Kampf um Spenden will Rosa-Lee nun aktiv Menschen von sich überzeugen. „Ich habe mir überlegt, jeden Mittwoch ab 20 Uhr einen Live-Stream mit Liedern von mir anzubieten.“ Dieser Live-Stream auf Facebook findet am 19. August erstmals statt. Einfach auf Facebook nach Rosa-Lee Martic suchen und zuschalten.

Wer sich über Rosa-Lee und ihr Anliegen eingehender informieren möchte, kann dies machen im Internet unter www.startnext.com/rosalee-musikalbum-strahlend;

www.youtube.com/channel/UC-F_w26l6lhlyUhHegtAQlQ;

www.instagram.com/mietzilee

Von Götz Schaub