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Südkreis Rinder gewinnen im Lotto
Landkreis Südkreis Rinder gewinnen im Lotto
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17:57 09.06.2020
Claudia Smolka und Manuel Schwenzfeier wollen ihre Rinderherde bald in das Naturschutzgebiet Kehna umsiedeln. Quelle: Ina Tannert
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Rollshausen

Ziegen, Schafe, Ponys, Rinder – das sind beziehungsweise werden demnächst die neuen „Mitarbeiter“ im Naturschutzgebiet im Kehnaer Trift. Dort läuft bereits ein naturnahes Weideprojekt – seit knapp acht Jahren leben auf der geschützten Magerrasenfläche bei Kehna Schafe und Ziegen.

Und die fressfreudigen Landschaftsgärtner werden bald von Ponys und von Rindern unterstützt. Die kleine Rinderherde der bedrohten Rasse rotes Höhenvieh wartet schon auf einer Weide in Lohra-Rollshausen auf ihren Einsatz.

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Die stolzen Besitzer Claudia Smolka und Manuel Schwenzfeier von der Seelbacher Ziegenkäserei wollen sie in wenigen Wochen an ihren neuen „Einsatzort“ umsiedeln. Gemeinsam mit den Kollegen sollen die Rinder dann richtig was schaffen, also ordentlich futtern.

Das Ziel: Eine an die dortige Vegetation angepasste Bewirtschaftung und Freihaltung der Flächen durch eine sogenannte Multispezies-Beweidung, wodurch ein idealer Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten geschaffen wird.

Rotes Höhenvieh steht auf der Roten Liste

Das funktioniert, indem die verschiedenen Gärtner einfach drauflos fressen und sich bewegen, Gräser, Disteln und Gehölze klein halten und so auf natürlichem Weg dafür sorgen, dass der wertvolle Magerrasen, der vielerorts durch Verbuschung stark gefährdet ist, weiter gedeihen kann.

Selbst ihre jetzige Weide haben die sechs Rinder „Cleo“, „Luca“, „Lasagne“, „Kalendula“, „Redelica“ und „Immo“ schon ordentlich bearbeitet, wie ein Besuch bei den zahmen, neugierigen Hornträgern zeigt. Auf der Wiese, aber auch im Graben und selbst im Unterholz sind die überraschend gewandten Tiere unterwegs, „die Rinder sind sehr aktiv und quetschen sich durch jede Lücke“, erzählt Smolka.

Sie hat sich gezielt für die Rasse rotes Höhenvieh entschieden, die steht auf der Roten Liste der bedrohten Haustierrassen und eigne sich besonders gut für den Einsatz zur Landschaftspflege auf Magerrasenflächen. „Sie sind nicht zu schwer und relativ anspruchslos und wir können in Kombination mit unseren anderen Weidetieren hervorragende Ergebnisse erzielen.“

Weideprojekt erhält 5.000 Euro

Schon im vergangenen Jahr gab es einen ersten Testlauf bei Kehna, der vielversprechend lief. In wenigen Wochen steht der Umzug an, Smolka geht fest davon aus, dass sich nicht nur alle Tierarten miteinander verstehen, sondern auch gemeinsam viel für das geschützte Gebiet leisten können.

Und nun haben die Rinder sogar im Lotto gewonnen, beziehungsweise wurde das Weideprojekt im Dezember in der Umweltlotterie „Genau“ von Lotto Hessen gezogen. Mit dem Gewinn von 5.000 Euro wurde als Unterschlupf ein mobiler Unterstand, der zugleich als Treibwagen dient, angeschafft. Der ist zudem mit einer stabilen Lkw-Plane ausgestattet und ermöglicht allen Tierarten damit Schatten im Sommer und Witterungsschutz im Winter.

Damit ist ein weiterer Baustein des Weideprojekts der Gemeinde Weimar gesetzt. Das läuft seit 2013 und wird über das Hessische Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflegemaßnahmen (kurz HALM) gefördert. Rund zehn Hektar umfasst die Fläche bei Kehna, auf fünf Hektar weiden bisher Ziege und Schafe.

„Wichtig für den Naturschutz und für Kehna“

Nach einer im Jahr 2018 durchgeführten Erfolgskontrolle zeigte sich, dass die Entwicklung des Magerrasens noch stärker gefördert werden könnte, indem die Zusammensetzung der Tierarten angepasst wird. „Jedes Tier weidet anders, da macht es Sinn, auch andere Arten einzusetzen, so wird die Landschaft vielseitiger“, erklärt Smolka. So entstand die Idee, neben Schafen und Ziegen, auch Ponys und nun Rinder mit aufzunehmen.

Die geglückte Ausweitung des Projekts sei ein echter Gewinn, „das ist wichtig für den Naturschutz und für Kehna“, lobte Weimars Bürgermeister Peter Eidam, der in seiner Funktion als Vorsitzender der Region Marburger Land ebenfalls die Rinderherde vorab schon einmal besuchte. Die wird dabei nicht die ganze Zeit im Naturschutzgebiet leben, sondern je nach Bedarf, Jahreszeit und Klima für einige Zeit eingesetzt.

Wenn es besonders trocken ist und wenig wächst, brauche es weniger Tiere, die dann wieder auf anderen Weiden leben.

Von Ina Tannert

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