Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Südkreis Sieben Millionen Euro für Infrastruktur
Landkreis Südkreis Sieben Millionen Euro für Infrastruktur
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:58 31.10.2019
Mit dem Markennamen „Sonnenscheingemeinde“ wirbt Bürgermeister Andreas Schulz für seine Kommune. Quelle: Stefanie Wellner/Archiv
Dreihausen

Kann das passen – hohe ­Investitionen, niedrige Grundsteuern und ein Schuldenabbau, der die „Null“ in Sichtweite bringt? Nun, das vom Bürgermeister erstellte „magische Grunddreieck“ besteht genau aus diesen Eckpunkten.

Mit knapp sieben Millionen Euro für Investitionen rechnet Bürgermeister Andreas Schulz in seiner Rolle als Kämmerer der knapp 9.000-Einwohner-Gemeinde.

Ja wirklich sieben Millionen Euro. Woher nehmen, wenn nicht stehlen, fragt man sich da schon. Der Bürgermeister wirkt bei seiner Einbringungsrede während der Parlamentssitzung nicht so, als ob ihn diese Summe schlaflose Nächte bereiten würde.

Schulz will weiter Schulden tilgen

Denn er muss sie nicht stehlen. Den Großteil treibt er einfach nur geschickt ein. Die Zauberworte heißen in diesem Fall Zuschüsse und Fördergelder. In der Tat rechnet er da mit 5,5 Millionen Euro. Und für den Rest muss er noch nicht einmal einen Kredit aufnehmen.

So ganz nebenher wird weiter getilgt, die Verschuldung der Gemeinde auf die „Null“ gesteuert. Innerhalb Hessens kämpft sich Ebsdorfergrund so langsam an die Spitzenposition heran. Dort rangiert Eschborn noch unangefochten mit 59 Euro Schulden pro Kopf, Ebsdorfergrund peilt bis Jahresende 2020 eine Pro-Kopf-Verschuldung von 158 Euro an.

Der Aufbau des interkommunalen Gewerbegebiets bei Heskem ist einer der Investitionsschwerpunkte. Foto: Tobias Hirsch

„Es ist ein Haushalt der soliden Finanzen“, betitelt Schulz das Werk für 2020. Und nicht ohne Stolz teilt er mit, dass auch die Ortsbeiräte nicht behaupten können, unberücksichtigt zu bleiben. Von ihren insgesamt 92 Anmeldungen haben 62 den Weg in die Finanzierung gefunden.

„15 Anmeldungen konnten schnell nicht beschieden werden, sie befinden sich in der Prüfung, was keine Absage, aber mindestens eine Verschiebung in die ­Folgejahre bedeutet“, so Schulz. Elfmal habe man aber auch negativ beschieden, in drei Fällen sei die Zuständigkeit nicht gegeben gewesen.

34 neue Baugebieten ausgewiesen

Schulz ging aber auch auf eine andere sehr interessante Tatsache ein. So habe die Gemeinde 34 Baugebiete ausgewiesen, 16 zur Nachverdichtung in den Ortslagen sowie 18 in den Außenbereichen. Insgesamt seien es 450 Plätze gewesen.

Dennoch habe sich die Zahl der Einwohner nicht erhöht. „Wenn wir das nicht gemacht hätten, ständen wir aber nicht so gut da, dann hätten wir zwischen 500 und 700 weniger Menschen gehabt, die wiederum höhere Kosten zu tragen gehabt hätten“, so Schulz.

Haushaltsentwurf

Die wichtigsten Investitionen für 2020 in Ebsdorfergrund:

Vorfinanzierung Ortsumgehung Heskem 1,05 Millionen Euro.

Zuschuss an der InterKom GmbH für die Erschließung des Gewerbegebiets InterKom Eins und Zwei 1,5 Millionen Euro.

Erschließung für die Einkaufsoase Heskem-Mölln 500.000 Euro.

Erweiterung Kindergarten Rauischholzhausen 600.000 Euro.

Erweiterung drei Kindergruppen Kita Beltershausen-Frauenberg 140.000 Euro.

Aus- und Anbau der Gemeindeverwaltung in Dreihausen 470.000 Euro.

Erweiterung Feuerwehrgerätehaus Ebsdorf 300.000 Euro.

Investitionen in das GrundBad in Heskem 300.000 Euro.

Region Aqua Park 300.000 Euro.

Bedarfsampel und Weg zur Gesamtschule Ebsdorfer Grund vor dem Busbahnhof 140.000 Euro.

Musikergarten in Ebsdorf 280.000 Euro.

Anbau Feuerwehrgerätehaus Hachborn 70.000 Euro.

Radweg Dreihausen – Roßberg 70.000 Euro.

So aber reiche es auch noch, die Grundsteuern A und B im Vergleich zu anderen Kommunen zusammen mit der Stadt Amöneburg auf dem niedrigsten Stand im Landkreis zu halten und somit auch von diesem Aspekt her eine attraktive Zuzugsgemeinde zu bleiben.

Die sieben Millionen Euro werden auch dazu beitragen, die Gemeinde auf vielen Gebieten ­attraktiver zu machen.

Die Höhe der Investitionen trägt sicher auch dazu bei, dass der Haushalt 2020 auch für Andreas­ Schulz ein Besonderer ist.

Das Volumen im Ergebnishaushalt erreicht bereits mit 19,5 Millionen Euro einen neuen Höchststand.

So klettert das Gesamtvolumen des Haushalts 2020 auf noch nie da gewesene 26,5 Millionen Euro.

Der Ergebnishaushalt schließt zunächst einmal mit einem Plus von rund 50.000 Euro im ordentlichen Ergebnis und einem weiteren Plus von 20.000 Euro im außerordentlichen Ergebnis.

Schulz gibt zu, dass der Haushalt mit der einen oder anderen „Unbekannten“ erstellt wurde.

So könne er zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht verbindlich sagen, wie sich die Kreis- und Schulumlage entwickeln wird. „Wir gehen davon aus, dass sie nicht erhöht wird“, so Schulz.

Weiterer Lebensmittelmarkt in Heskem

Damit die Verwaltung auch für die zukünftigen Aufgaben gerüstet ist, erhält sie nicht nur technische Voraussetzungen, sondern auch räumliche. So soll auch der Verwaltungstrakt im Servicehof in Heskem umgebaut werden.

Ganz aktuell freut sich der Kämmerer, dass im Gewerbegebiet in Heskem ein weiterer Lebensmittelmarkt angesiedelt werden kann. Bei einer Flächengemeinde sei es sehr gut, drei Einkaufsmöglichkeiten zu bieten, statt nur eine zentrale. Der Haushalt soll am Montag, 9. Dezember, vom Parlament verabschiedet werden.

Für Investitionen in das GrundBad in Heskem stehen 300.000 Euro im Gemeinde-Etat. Foto: Tobias Hirsch

Nun, man kann sich natürlich seinen Haushalt leicht schön reden. Die wenigsten könnten mit einem Blick auf das Zahlenwerk widersprechen. Damit Bürger, aber natürlich auch die Gemeindevertreter, die schließlich über den Haushalt diskutieren und befinden werden, einen besseren Eindruck davon bekommen, wie die tatsächliche Finanzlage ihrer Kommune aussieht, gibt es unter der Rubrik „Allgemeine Finanzinformationen“ einen umfassenden Überblick.

Ausgehend von den erfolgten und noch ausstehenden Beschlüssen zu den Jahresabschlüssen gibt es einige Angaben zur Beurteilung der dauernden finanziellen Leistungsfähigkeit einer Kommune. Diese Angaben führen dann zu einer Auswertung. Dabei werden die Angaben ­Indikatorwerten zugeordnet, die im besten Fall zusammen 100 Prozent ergeben.

Schulz sieht sich bestätigt

Wer 70 Prozent erreicht, darf auch noch von sich behaupten, „im grünen Bereich“ zu liegen. Wer zwischen 40 und 70 Prozent liegt, wird mit „gelb“ gewarnt. Alles unter 40 Prozent liegt dann im „roten Bereich“, der eine klare finanzielle Unsicherheit signalisiert. In Sachen Ebsdorfergrund gibt es nichts zu beanstanden. Der „Kandidat“ erreicht 100 Prozent.

Abgefragt werden Informationen wie die Höhe der tatsächlich vorgehaltenen Liquiditätsreserve für das jeweils anstehende Haushaltsjahr oder das geplante ordentliche Ergebnis für 2020. Letzteres wird in der Auswertung in Bezug auf jeden Einwohner gesetzt. Der ­Indikatorwert, der dort maximal erreicht werden kann, ist 40.

Die geplante Differenz je Einwohner aus Zahlungsmittelfluss aus laufender Verwaltungstätigkeit und ordentlicher Tilgung besitzt einen Indikatorwert von 30. Ebsdorfergrunds Bürgermeister sieht mit dem 100-Prozent-Ergebnis, die solide Finanzwirtschaft bestätigt. Die nächste Etappe der soliden Finanzwirtschaft ist auch schon ausgemacht – die Schuldenfreiheit in 2022.

von Götz Schaub